Anzeige von Ex-NPD-Chef gegen den Papst abgewiesen

Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat eine Anzeige von Ex-NPD-Chef Günter Deckert gegen den Papst abgewiesen. Nach einer Prüfung des Sachverhalts hätten sich keine Ansatzpunkte für weitere Ermittlungen ergeben, so Andreas Grossmann von der Staatsanwaltschaft. Deckert hatte das Kirchenoberhaupt, das offenbar noch deutscher Staatsbürger ist, angezeigt, da es sich der Holocaust-Leugnung mitschuldig gemacht habe. Als deutscher Staatsbürger unterliege der Papst dem “brddr-deutschen SONDER-Recht!”, schrieb Deckert in der Anzeige.

Die Motivation hinter dieser Anzeige erscheint recht offensichtlich: Deckert hoffte offenbar, durch Ermittlungen gegen den Papst könnten Holocaust-Leugner ihre Position öffentlich darstellen. Eine bekannte Strategie: Auch der Holocaust-Leugner Horst Mahler instrumentalisiert Gerichtssäle immer wieder für seine antisemitischen Verschwörungsfantasien. Revisionisten rufen auch zu Selbstanzeigen auf, um die Öffentlichkeit zu zwingen, die Position der Holocaust-Leugner wahrzunehmen.

Die Position der rechtsextremen Bewegung zum Holocaust ist höchst widersprüchlich. Einerseits gehört es bei Neonazis zum guten Ton, den industriellen Massenmord zu leugnen, andererseits wird der Begriff gerne in anderen Zusammenhängen missbraucht (”Bomben-Holocaust“, “Israelischer Holocaust in Gaza“). Damit sollen Deutsche zu den wirklichen Opfern und Israel (gemeint sind aber Juden) zu Tätern gemacht werden. Die inflationäre Nennung des Begriffs soll die Shoah relativieren.

Siehe auch: Der Papst und der Holocaust-Leugner: Merkel fordert Klarstellung, Erinnerungspolitik: Kunst vs Pädagogik?, Die NPD und der Holocaust: Relativieren statt leugnen“Geschichtspornografie” im ZDF: “Ein bisschen Nazi spielen”, Täterforschung im globalen Kontext: Blick auf moralische Umformatierung richten, Etwa 35 Neonazis bei antisemitischer NPD-”Mahnwache”, Von der “mitteldeutschen Volksfront” bzw. der “Volksfront von Mitteldeutschland”