Angriffe nach “Trauermarsch”: NPD-Funktionär hatte Bus gemietet

Nach den Neonazi-Angriffen auf Gewerkschafter in Sachsen und Thüringen verdichten sich Hinweise auf eine Verbindung zur rechtsextremistischen NPD. Der Kreisvorsitzende der Partei in der Westpfalz, Sascha Wagner, bestätigte laut Medienberichten, den von der Polizei bei Jena gestoppten Bus angemietet zu haben. Zudem wird gegen 41 Businsassen wegen Verdachts auf schwere Körperverletzung und Landfriedensbruch, darunter sind offenbar auch Kommunalwahlkandidaten der NPD. Der westpfälzische NPD-Vorsitzende Wagner behauptete, er habe den Bus „privat“ angemietet und nicht im Auftrag der Partei. Allerdings habe die NPD für die Fahrt geworben.

Laut redok beeilte sich der Saar-Landesvorsitzende Frank Franz mit einer Stellungnahme, wonach er in seinem Landesverband „die Vorfälle intern genau prüfen“ lassen wolle. Im Gegensatz zu dieser eher defensiven Position bemühten sich partei-unabhängige Neonazis wie auch die Bundes-NPD, die Verantwortung für die schweren Gewalttaten umzudrehen und die rechtsextremen Schläger zu selbst angegriffenen Opfern zu erklären, die sich nur gewehrt hätten.

Schweden angeblich aus Frankfurt abgeflogen

Die Polizei fahndete zudem nach drei schwedischen Rechtsextremen, die in dem saarländischen Bus mitgefahren waren. Wie das Internetportal MVregio (Mecklenburg-Vorpommern) erfahren haben will, sollen die drei Schweden jedoch bereits am Montag „unbehelligt vom Flughafen Hahn mit der Nachmittagsmaschine der Ryanair nach Göteborg abgeflogen sein“. Der offiziell als „Flughafen Frankfurt-Hahn“ bezeichnete Airport liegt im rheinland-pfälzischen Rhein-Hunsrück-Kreis. Das Internetportal MVregio, das die gewalttätigen Angriffe auf der Raststätte als „Zusammenstoß von Demonstrationsteilnehmern beider Lager“ bezeichnete, habe bereits früher bei verschiedenen Anlässen erkennen lassen, dass die Redaktion über einen guten Draht zu rechtsextremen Insidern verfüge, so redok weiter.

Nach einem Artikel der taz über die NPD-Meldungen bei MV Regio griff eine bekannte Neonazi-Seite aus Mecklenburg-Vorpommern einmal mehr Partei für das Nachrichtenportal. In dem Beitrag geben sich die Neonazis zartbesaitet und klagen über Moralapostel und „harsche Worte“. Gleichzeitig werden auf der Seite immer wieder Gewalttaten bejubelt oder, wenn diese nicht ins Konzept passen, relativiert. Nichts Neues also.

Siehe auch: Überfall nach “Trauermarsch”: Offenbar NPD-Funktionäre unter den Tatverdächtigen, “Trauermarsch” in Dresden: Weitere Reisegruppe von Neonazis angegriffen, Nach Aufmarsch in Dresden: Neonazis greifen DGB-Reisegruppe an, Neonazi-Aufmarsch in Dresden: Angriff auf Journalisten, Trauern als Strategie, “Trauermarsch in Dresden” – Relativierung der Verbrechen des “Dritten Reiches”, Dresden: Wenn der Bürger mit dem Nazi…