Bauzeichnungen von Auschwitz: “Ausdruck einer von Menschen kreierten Unmenschlichkeit”

Im Axel-Springer-Haus Berlin werden seit dem 16. Februar 2009 originale Bauzeichnungen des größten nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz gezeigt. Zur Ausstellungseröffnung hielt der ehemalige polnische Außenminister und derzeitige Beauftragte des polnischen Premierministers für internationalen Dialog, Staatssekretär Wladyslaw Bartoszewski, die Eröffnungsrede. Bartoszewski ist einer der wenigen Überlebenden des KZ Auschwitz.

„Die Pläne von Auschwitz lassen die Seele jedes denkenden und fühlenden Individuums erschüttern, weil sie Ausdruck einer von Menschen kreierten Unmenschlichkeit sind. Sie sind Baupläne der wahren – nicht der mythischen – Hölle“, so Wladyslaw Bartoszewski in seiner Rede. „Auschwitz verpflichtet uns alle zur Besinnung und zur Erziehung der neuen Generationen aller Völker im Geiste der Menschenachtung, im entschlossenen Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und negatives Pauschaldenken über die ‚Anderen‘.“

Die Planskizzen und Baupläne von Auschwitz entstammen einer Sammlung von 29 Dokumenten, die die „BILD“-Zeitung erworben hat, um sie sowohl der Öffentlichkeit als auch der Forschung zur Verfügung zu stellen. Es handele sich angeblich um die einzigen Originale dieser Art, die in Deutschland bislang aufgetaucht seien. Das Bundesarchiv, das in einer Expertise die Echtheit bestätigte, spreche von einem bedeutsamen Fund.

Die Ausstellung „Pläne von Auschwitz – Dokumente des systematisch organisierten Völkermordes“ in der Axel-Springer-Passage ist für Besucher vom 16. bis 28. Februar 2009 von 8 bis 22 Uhr geöffnet. Eingang: Markgrafenstraße 19a in Berlin Mitte/Kreuzberg. Mehr Informationen zur Ausstellung „Pläne von Auschwitz“ finden Sie in einem Themen Spezial ab 18 Uhr unter www.axelspringer.de/auschwitzausstellung

Das BildBlog nahm sich der Ankündigung des Springer-Konzerns an. Demnach zeigt sich Auschwitz-Forscher van Pelt, der als einer der führenden Auschwitz-Experten gilt, mit der „Bild“-Veröffentlichung wenig einverstanden. So finden sich offenbar identische Baupläne, wie die, die „Bild“ zeigte und jetzt ausstellt, u.a. in seinem bereits 1996 erschienenen Standardwerk „Auschwitz: Von 1270 bis heute“. Und van Pelt selbst findet für das, was „Bild“ im November behauptet hatte, auf Anfrage von BildBlog deutliche Worte:

Tatsächlich ist es der Plan – gezeichnet von Häftling 127 am 8. November 1941 – einer ECHTEN Entlausungsanlage, die für diesen Zweck gebaut und niemals für einen anderen Zweck als zur Entlausung oder Desinfektion vorgesehen war oder genutzt wurde. Die Gaskammer, die der Plan zeigt, ist eine Entlausungs-Gaskammer. Ausgestaltung und Aufbau des Gebäudes sind eine vereinfachte Version der üblichen Bauweise von Entlausungsgebäuden (…) und gleicht in keiner Weise dem Aufbau der Tötungseinrichtungen, die später in Auschwitz-Birkenau oder andernorts erstellt wurden.

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