Presseschau: Neonazi-Aufmarsch in Dresden

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Kommentare
Kommentar in der Welt. Schuld am Erfolg sind demnach im Prinzip die Gegendemonstranten, nicht das anschlussfähige Thema „Deutsche als Opfer“. Wie Weit meint: „Je größeren Raum die Empörung über den braunen Ungeist an den Gedenktagen einnimmt, umso mehr werden die Nazis angestachelt, ihre Provokationen mit noch gesteigerter Energie fortzusetzen.“

Kommentar in der Mopo: „Sonnabendvormittag in der Dresdner Altstadt: Passanten kaufen ein, Eltern gehen mit ihren Kindern spazieren. Daneben tragen Nazis in einem gespenstischen Schweigemarsch ihre abstrusen Parolen von ‚Bomben-Holocaust‘ und ‚Deutschlands Hiroshima‘ vor sich her. Die Szene ­ das friedliche Nebeneinander von Zivilgesellschaft und Provokation ­ symbolisiert die vielleicht größte Niederlage unserer Demokratie in jüngster Zeit. Denn es scheint, als hätte sich die Gesellschaft an die Existenz dieser Totengräber von Toleranz und Freiheit gewöhnt. Dabei lehrt uns die Geschichte: Wegsehen kann tödlich sein. Stille Duldung, Verkennung oder Desinteresse sind die Melange, die dazu führt, dass Nazis Wahlen gewinnen.“

„Die Gegenseite hingegen zeigte sich zerstrittener denn je“
Kommentar in der taz: „Den Neonazis gelang am Samstag ihr europaweit größter Aufmarsch seit der Niederlage der Nazis 1945. Die Gegenseite hingegen zeigte sich zerstrittener denn je. In üblicher Manier weigerte sich die sächsische CDU, bei den Vorbereitungen mit Antifas und Vertretern der Linkspartei in einem Bündnis zu sitzen. SPD, Linke und Grüne, die mit ihren Bundesspitzen vertreten waren, hatten erkannt, dass es sich in Dresden nicht um einen beliebigen Aufmarsch handelt, den Neonazis – schlimm genug – inzwischen nahezu jedes Wochenende in irgendeiner Kleinstadt abhalten. Die CDU-Spitze hingegen überließ die Aufgabe allein ihren sächsischen Vertretern. Und denen war nichts wichtiger, als sich von allen linken Kräften abzugrenzen.“

Die „Neue Presse“ meint: „Die gute Nachricht zuerst: Wenn Neonazis heutzutage in Deutschland aufmarschieren, sind immer mehr Gegendemonstranten auf der Straße. So auch wieder am Sonnabend in Dresden. Die schlechte: Es werden dort jedes Jahr mehr Rechtsextreme. Wieso eigentlich darf die braune Brut in der Elbmetropole, was sie in anderen deutschen Städten nicht darf? Die Zweckentfremdung des Gedenktages der Bombardierung Dresdens müsste eigentlich zu stoppen sein ­ oder wenigstens stärker zu reglementieren. Es hat noch nicht so richtig geklappt mit dem ‚Aufstand der Anständigen‘.“

„Immer die gleichen Reflexe“
Die Berliner Zeitung schreibt: „Es sind immer die gleichen Reflexe: Steht eine Neonazi-Demo ins Haus oder gibt es einen rechtsradikalen Überfall, melden sich Parteien und Gewerkschaften zu Wort. Ein NPD-Verbot wird gefordert, eine Kundgebung organisiert, auf der Musikbands spielen und Politiker wohlfeile Reden halten. Der überwiegende Teil der Einwohnerschaft bleibt zu Hause und hat über die Medien am Protest teilgenommen. Nach den inzwischen rechtlich unterbundenen Neonazitreffen in Wunsiedel und am Soldatenfriedhof im brandenburgischen Halbe haben die Rechten nun die sächsische Landeshauptstadt als identitätsstiftenden Aufmarschort für sich erobert. Die Dresdner Bürger müssen handeln und sollten es nicht länger den Politikern überlassen, den Ruf ihrer Stadt zu retten.“