NPD Niedersachsen stellt Landesliste für Bundestagswahl auf

Weitestgehend unbemerkt hat die Niedersächsischen NPD am 15. Februar 2009 ihren Landesparteitag im Seelzer Ortsteil Dedensen durchgeführt. Der von der Partei dafür ausgewählte Ort ist kein Zufall: Schon 2006 hatte die NPD in der Gaststätte „Zum deutschen Hause“ in der 2300 Einwohner zählenden Ortschaft Dedensen ihren Landesparteitag abgehalten, außerdem fanden dort regelmäßig Treffen des Kreisverbandes der NPD statt.

Von Kai Budler

Nach Augenzeugenberichten sah die Wirtin der Gaststätte keinen Grund, die Veranstaltung nicht in ihren Räumen zu beherbergen. Sie erhalte „gutes Geld“ von der NPD und sei darauf angewiesen. Die Polizei war offensichtlich nicht informiert und schickte erst zum Ende der Veranstaltung Beamte nach Dedensen.

Im Vordergrund des diesjährigen Parteitages stand die Aufstellung der Landesliste für die Bundestagswahl im September dieses Jahres. Einmal mehr offenbart die Zusammensetzung den großen Einfluss der neonazistischen Kameradschaften in Niedersachsen. Fast schon erwartungsgemäß wurde der stellvertretende Landesvorsitzende Andreas Molau auf den Spitzenplatz gewählt, ihm folgt der amtierende Landesvorsitzende, Ulrich Eigenfeld.

„Die gute Nachbarschaft“ als Weg zum Erfolg

Auf Platz drei wurde der Anführer der „Snevern Jungs“, Matthias Behrens aus Schneverdingen, gewählt. Er gilt als einer der wichtigsten Kameradschaftsanführer in Niedersachsen: Unter anderem ist er regelmäßiger Teilnehmer des sog. „Stammtisch Nordmark“, einem Treffen von rechtsextremen Kameradschaften, mit dem Kommunikation untereinander verbessert werden soll. Auch bei einem von Molau im August 2007 initiierten Koordinierungstreffen war Behrens anwesend: Nach den Streitigkeiten zwischen der NPD und der Kameradschaftsszene gelang es Molau hier, die „parteifreien Kräfte“ aus Norddeutschland für die Vorbereitung des Landtagswahlkampfes ins Parteiboot zu holen. Molau spricht bei Behrens von einer aktiven politischen Arbeit vor Ort, die „das bürgerschaftliche Engagement verkörpert“ – offensichtlich will die Partei ähnlich wie in Mecklenburg-Vorpommern mehr auf „die gute Nachbarschaft“ als Weg zum Erfolg setzen.

Das hatte auch Ricarda Riefling versucht, als sie als eine der führenden Aktivistinnen der Neonazi-Szene in Niedersachsen als Schwimmtrainerin bei einem Sportverein vor Ort aushalf. Die Ehefrau des mehrfach vorbestraften Neonazis Dieter Riefling aus Coppengrave bei Hildesheim repräsentiert im Landesvorstand den Ring Nationaler Frauen (RNF) und fiel in der Vergangenheit besonders durch eine Hetzrede bei einem NPD-Aufmarsch in Bad Nenndorf auf. Nun wurde die Vorsitzende des Unterbezirks Oberweser auf Platz vier der Landesliste gewählt. Ihr folgt auf Listenplatz fünf der Angestellte der NPD-Fraktion im sächsischen Landtag und Vorsitzender des NPD-Unterbezirks Braunschweig, Patrick Kallweit aus Vienenburg im Harz. Auch der 23-jährige Organisationsleiter im niedersächsischen Landesvorstand kennt sich in der „parteifreien Szene“ aus und hat keine Berührungsängste. U.a. organisierte er im vergangenen Jahr ein Fußballspiel unter dem Motto „Kicken gegen Links“, bei dem die Kameradschaft Northeim mit dem Trikotaufdruck 88 (Zahlencode für „Heil Hitler“) antrat.

Teilnehmer des Parteitages kamen u.a. aus Elmshorn, Lüneburg, Osnabrück, Osterode am Harz, Rotenburg, Vechta, Verden, Hildesheim, Wolfsburg und Hannover. Außerdem waren Mitglieder des NPD-Ordnungsdienstes im Einsatz, die die Veranstaltung absicherten.

Siehe auch: Rückschlag für NPD-Funktionär Rieger: Heisenhof soll abgerissen werden, Linke befürchtet terroristisches Neonazi-Netzwerk in Südniedersachsen

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