NPD-Landesparteitag: Rechtsextremisten verlieren Versteckspiel

Der heruntergekommene Landgasthof „Zum Deutschen Hause“ im Seelzer Ortsteil Dedensen hat gewiß schon bessere Zeiten gesehen. Und er hat schon angenehmere Gäste beherbergt als am Nachmittag des 15. Februar 2009: Rund 50 Mitglieder der rechtsextremen NPD waren dort versammelt, um die Liste des niedersächsischen Landesverbandes für die Bundestagswahl zu verabschieden.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Das Landhaus mit dem für die NPD so wohlklingenden Namen und dem dazu passenden schäbigen Ambiente gehört zu den wenigen Herbergen, die trotz aller Warnungen von Behörden sowie Hotel- und Gaststättenverband den Rechtsextremisten immer wieder Unterschlupf gewähren. Im Jahre 2006 fand dort schon einmal ein Landesparteitag der NPD statt. Im Landtagswahlkampf 2008 war das „Landhaus“ ebenfalls Anlaufstation für die Rechtsextremisten von der NPD.

Die bewiesen in Seelze einmal mehr, dass sie alles andere als das sind, was sie gerne wären, nämlich eine ganz normale Partei: Der Parteitag fand unter konspirativen Bedingungen statt, selbst führende Mitglieder erfuhren erst einen Tag vor dem Termin Genaues über den Veranstaltungsort. Das Licht der Öffentlichkeit scheuten die Dunkelmänner von der NPD bei diesem wichtigen Termin gleich ganz. Vor den Medien wurde der Tagungsort geheimgehalten.

Molau kann offenbar mit radikalen Neonazis

Die dilettantischen Parteitagsvorbereitungen sorgten aber dafür, dass einige engagierte Journalisten den Rechtsextremisten trotzdem auf die Spur kamen. Einem Fotografen, der sich auf dem Vorplatz der Gaststätte blicken ließ, wurden Prügel angedroht. Hinter verschlossenen Türen machte die rechtsextreme Kaderpartei deutlich, dass auch ihre Führungsfiguren auf den Pfad einer Radikalisierung eingeschwenkt sind. Dafür spricht unter anderem die Kandidatur des 37 Jahre alten Matthias Behrens, der sich als Anführer der als besonders gefährlich geltenden Neonazi-Kameradschaft „Snevern Jungs“ hervorgetan hat. Zum Spitzenkanididaten wurde der 38 Jahre alte Andreas Molau aus Groß Denkte bei Braunschweig gewählt, der sich auf dieser Position gegen den langjährigen NPD-Parteivorsitzenden in Niedersachsen, Ulrich Eigenfeld, durchsetzen konnte.

Molau liefert sich seit Monaten einen erbitterten innerparteilichen Kampf mit dem rechtsextremistischen Anwalt Jürgen Rieger aus Hamburg um den Posten des NPD-Bundesvorsitzenden. Listenplatz vier ging an die Endzwanzigerin Ricarda Riefling aus der Region Hildesheim. Sie hatte sich bei Neonazi-Aufmärschen in Bad Nenndorf mehrfach als besonders fanatische Rednerin hervorgetan.

Siehe auch: Rückschlag für NPD-Funktionär Rieger: Heisenhof soll abgerissen werden, Linke befürchtet terroristisches Neonazi-Netzwerk in Südniedersachsen