Dresden: Wenn der Bürger mit dem Nazi…
Auf dem Dresdner Heidefriedhof findet jedes Jahr am 13. Februar ein gedenken an die Opfer der Bombardierung der Stadt 1945 statt. Säulen mit der Aufschrift „Auschwitz“, „Buchenwald“ und anderer Konzentrationslager der Nazis stehen neben Säulen, die beispielsweise „Dresden“ als Aufschrift tragen und an die Opfer des 2. Weltkriegs erinnern sollen. Eine kritische Gleichsetzung der DDR-Erinnerungskultur, die in Dresden noch nicht öffentlich diskutiert wird. Doch am 13. Februar stehen andere Akteure im Mittelpunkt. Das öffentliche Gedenken der Stadt Dresden mischt sich mit einer kruden Mischung neurechter und rechtsextremer Vertreter aus NPD, Kameradschaften und Burschenschaften. So war die NPD-Fraktion im sächsischen Landtag beispielsweise mit Holger Apfel, Jürgen Gansel und Gitta Schüßler vertreten, Freie Kräfte mischten sich dazwischen, der ehemalige CDU-rechtsaußen Henry Nietzsche und die Dresdner Burschenschaft Cheruscia.

Von rechts nach links: Steffen Flath (CDU-Landtagsabgeordneter in Sachsen), Lars Rohwer (CDU-Vorsitzender Dresden), Holger Apfel (NPD-Fraktionsvorsitzender in Sachsen), Dr. Johannes Müller (stellv. NPD-Fraktionsvorsitzender in Sachsen). Foto: lotta@eu.de
Bürgermeisterin geht erstmals auf Nazis ein
In den letzten Jahren wurde die offizielle Feierlichkeit und die Kranzniederlegung auf dem Heidefriedhof gemeinsam mit der NPD Fraktion aus dem sächsischen Landtag begangen. In einer Reihe mit den demokratischen Parteien und der jüdischen Gemeinde legte die NPD ihrer Kränze nieder. Erst nach Protesten von Seiten der jüdischen Gemeinde und teilen der Bürgerschaft kam es zu einer Programmänderung auf dem Heidefriedhof. Mit einer Rede durch die Oberbürgermeisterin Helma Orozs (CDU) sollte die Bombardierung Dresdens in seinem historischen Kontext gestellt werden und das Problem der Neonazis auf an dem Gedenkort benannt werden. Am Ende ihrer Rede wurde das Problem der Neonazis auf dem Friedhof kurz angesprochen: „Die Nazis Missbrauchen das Gedenken. Sie schreien nach Rache um ihren Hass zu Sähen. Damit besudeln Sie das Ansehen Dresdens und seiner Bürger. Jedoch wissen sich die Dresdener dagegen zu wehren.“ Diese nur sehr knappen jedoch deutlichen Worte konnten jedoch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass beim Gedenken auf dem Heidefriedhof hauptsächlich NPD und Kameradschaftsmilieu anwesend waren. Ein Blick auf den Platz, wo die Kränze Niedergelegt sind, verdeutlicht das Dilemma. Von Links nach rechts, ohne Distanzierung finden sich dort die Gestecke der Stadt Dresden, der demokratischen Parteien, Gewerkschaften und des Zentralrats der Juden. Dann folgen jene der NPD-Landtagsfraktion, der NPD-Dresden und weiterer NPD-Gliederungen, Burschenschaft und dem „Bündnis Arbeit – Familie – Vaterland“ des ehemaligen CDU-Mitglieds Henry Nietzsche.
Provokation der NPD

Foto: lotta@eu.de
Nach außen kehrten die Neonazis den Biedermann und verhielten sich friedlich. Sie standen weit verstreut unter die Bürgerinnen und Bürger jedoch kamen Sie nicht ohne eine Provokation aus. Die NPD Dresden legte ihr Gebinde über jenes des Zentralrats der Juden in Deutschland, der zuvor von Stephan J. Kramer, dem Generalsekretär, und Nora Goldenbogen, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Dresden, abgelegt wurde. Engagierte jüngere Besucher, die sich ein Bild vom rechtsextremen Treiben machen wollten, räumten den NPD-Kranz zu Seite. Dies führte zu einer kurzen, aber gewaltfreien Auseinandersetzung um die Anordnung der Kränze. Letztlich blieb der NPD-Kranz rechts außen liegen. Liegen blieb auch 2009 die Frage, warum sich diese Spektakel Jahr für Jahr wiederholt und es kein entschlossenes entgegentreten der Stadt gegenüber der rechtsextremen Geschichtsverdrehung gibt.
GEH DENKEN in Dresden
Die Gedenkfeier auf dem Dresdner Heidefriedhof war erst der Auftakt der Neonazis. Am Freitag Abend setzen sie ihre Geschichtsverdrehung mit ihrem alljährlichen Fackelmarsch fort, der den „deutschen Opfern“ der Alliierten Bombenangriffe gedenken soll, bevor am Samstag die „Junge Landsmannschaft Ostdeutschland“ mit der NPD zum europaweit größten Neonaziaufmarsch in die Elbestadt mobilisiert. Dagegen hat sich in Dresden Protest von vielen Seiten organisiert. Am Freitag den 13.02. finden mehrere Kundgebungen gegen das Nazitreiben statt und am darauffolgenden Samstag dem 14.02. wird das Bündnis GEH DENKEN mit einer sternförmigen Großdemonstration ab 13.00 Uhr und einem folgenden Konzert der Amadeu Antonio Stiftung mit der Kampagne „Laut gegen Nazis“ dem Naziaufmarsch lautstark und bunt entgegen treten.
Von Sebastian Brux und Robert Kusche
Siehe auch: Dresden: Europas größten Neonazi-Aufmarsch stoppen!, “Trauermarsch in Dresden” – Relativierung der Verbrechen des “Dritten Reiches”, Aufruf: Europas größten Neonazi-Aufmarsch stoppen – friedlich und entschlossen, Aufruf zur Demonstration gegen Neonazi-Aufmarsch in Dresden,

schlimm! warum jagen die dresdener das nazipack nicht vom friedhof? in magdeburg, wo sich früher alljährlich das gleiche trauerspiel abspielte, ist man weiter. hier dürfen nazis nicht an der offiziellen gedenkveranstaltung teilnehmen. npd-kränze und ähnlicher mist werden konfisziert.
[...] ostdeutsche konservative, nationalkonservative und neonazistische Prominenz. Wie auf einem Bild bei NPD-Blog zu sehen ist, standen Steffen Flath, seines Zeichens CDU-Landtagsabgeordneter in Sachsen und Lars [...]
allein wenn mensch sich das Parteilogo seines Vereins “Arbeit-Familie-Vaterland” auf Henry Nitzsches Webseite ansieht, dann wundert mensch sich gar nicht mehr, dass er keine Berührungsängste zu NPD & Co. zeigt
“…schlimm! warum jagen die dresdener das nazipack nicht vom friedhof? in magdeburg, wo sich früher alljährlich das gleiche trauerspiel abspielte, ist man weiter. hier dürfen nazis nicht an der offiziellen gedenkveranstaltung teilnehmen. npd-kränze und ähnlicher mist werden konfisziert….”
weil es sich um eine demokratisch in den Landtag gewählte Partei handelt, die immerhin (wie die SPD) bei den letzten Wahlen 9 % erreicht hat!
An alle NPD’ler, Kameradschaften usw.
Wann war gleich der angloamerikanische Bombenangriff auf Dresden? Und wann griff Hitlerdeutschland London und Coventry an? Noch Fragen?
Hinweis an den Autor: Bei Steffen Flath handelt es sich nicht einfach um einen beliebigen CDU-Landtagsabgeordneten, sondern um den Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion und ehemaligen Kultusminister des Freistaates Sachsen.
Eigentlich ist wohl alles bereits geschrieben: Es gibt Regionen, in denen CDU-Politiker zumindest verkünden, ihnen sei die Demokratie wichtig und Demokratiefeinde nicht geeignet mit ihnen zu kooperieren.
Eine Kleinigkeit am Rande: Man gedankt nicht den Opfern (auch wenn das viele Transparente der Deutschnationalen so wollen), man gedenkt nach wie vor der Opfer. Interessant wenn die Deutschnationalen nicht einmal den Kulturträger Nr.1 kennen: Die Schriftsprache. Kein Grund allerdings ihren Mangel an korrekter Grammatik nachzuempfinden.
Wie Dresden gerade gezeigt hat, gibt es dort keine zivilgesellschaftliche Initiative gegen Nazis. Die Dresdner sind zuhause geblieben und haben den Nazis die Straße überlassen, der Protest kam großenteils von außen. Ich warte darauf, dass mal wieder alle Gegendemonstraten als zugereiste Krawallmacher beschimpft werden, die nur das den Frieden in der Stadt gestört hätten, aber die Welt strengt sich schon an. Es gehört vielerorts zu den Ritualen, dass man Proteste als linksextrem hinstellt und sich so mit einer akzeptierten Begründung davon fernhalten kann. So ist es weniger anrüchig, wenn man dem fern bleibt.
Fassen wir zusammen:
1) Beim Gedenken macht die DNVP – Verzeihung – die CDU mit den Nazis gemeinsame Sache (oben)
2) Man beschimpft Gegendemonstraten allgemein als “linke Chaoten”, dankbar aufgenommen von der Presse (Welt)
3) Man grenzt sich von den “linken Chaoten” ab und bleibt Protesten gegen Nazis fern.
4) Die Polizei räumt den Nazis zentrale Plätze in der Stadt frei, verbannt Demokraten nach außen, verhindert die Teilnahme an angemeldeten Kundgebungen gegen rechts und vertreibt Personen, die sich schützend vor die Synagoge stellen.
Jetzt darf der Leser raten, in welchem Jahr wir uns befinden.
Da nimmt man es mit der Wahrheit hier teilweise nicht so genau.
Die vielheraufbeschworene Kooperation zwischen CDU und NPD ist nicht existent. Das kann man sogar schon aus den Kontext der tendenziösen Artikel heraushören. Wenn (“demokratische”) Parteien und Gewerkschaften Kränze dort niederlegen, wo es die NPD macht, sind sie ja nicht auch gleich Nazis. Für Antfanten sicherlich schwer nachzuvollziehen – gerade in einer Welt der politischen schwarz-weiß-Malerei. Aber das ist ja noch ein ganz anderer Diskussionspunkt.
Fakt ist, dass sich auch weite Teile der freien Nationalen von den nazistischen Umtrieben distanzieren, und ein würdiges Gedenken an die Opfer des Bombenangriffs möchten – ohne Politisierung. Aber mit solchen Inhalten kann man keine polemische Blog-Seite betreiben.
Und dass Linksextremen auf Demonstrationen keinen Stunk machen, nun ja, das ist erstunken und erlogen. Aber das sollte jeden halbwegs normalen homo sapiens sapiens bekannt sein.
Außerdem wird der Antifaschismus von Staatsorganisationen und Abteilungen wie den Bundesamt für Politische aufklärung mitgetragen. Desweiteren gehört selbige Einstellung zum guten Ton der Deutschen Postmaterialistischen Gesellschaft. Also tut nicht so, als ob ihr Opfer seid oder einsame Propheten in der Wüste. In beiden Fällen ist auch das Gegenteil ein gesellschaftlicher Fakt.
Aber träumt ruhig weiter. So kommt man bei anderen Kiddies cool an: Als ach-so-böser Pseudorebell…
Mit sozialistischem Gruße!
Günther Grass aus Nordthüringen
Günther,
es ist doch interessant, wie konsequent man sich in gerne von sogenannten “Linksextremisten und Chaoten” distanziert, ja nicht einmal mit ihnen auf eine Demonstration gehen will vor lauter Ekel, aber man keine Probleme hat, mit der NPD Kränze an Gräbern deutscher Täter niederzulegen.
Das ist nicht zu glauben?!
[...] Siehe auch: Überfall auf Gewerkschafter: Ermittlungen gegen hochrangigen NPD-Funktionär, Angriffe nach “Trauermarsch”: NPD-Funktionär hatte Bus gemietet, Neonazi-Aufmarsch in Dresden: Angriff auf Journalisten, Dresden: Wenn der Bürger mit dem Nazi… [...]
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