Fall Mannichl: “Täter kommen nicht aus der Familie”

Fast zwei Monate nach dem Attentat auf den Passauer Polizeichef Mannichl steht für die Ermittler fest: Der Täter kommt nicht aus der eigenen Familie des Opfers, ein rechtsextremer Hintergrund ist noch immer wahrscheinlich. „Beide Kinder haben ein bombenfestes Alibi“, sagte der ermittelnde Oberstaatsanwalt Hemut Walch laut einem Bericht der taz bei einer Pressekonferenz. Für eine Beteiligung der Familie gebe es „nicht den geringsten Anhaltspunkt“. Mannichl habe sich die Stiche auch nicht selbst zugefügt. Mehr Ergebnisse habe Walch trotz aufwändiger Ermittlungen und bislang 540 abgearbeiteten Hinweisen nicht vorzuweisen. Den Vorwurf, die Sonderkommission habe Fehler gemacht, wies er laut taz zurück.

Weil die Erfolge der Soko aber ausgeblieben waren, übernahm zum Jahreswechsel das bayerische Landeskriminalamt (LKA) die Ermittlungen. Ergebnisse gab es weiterhin keine – dafür immer wildere Spekulationen. Es habe sich um eine Beziehungstat gehandelt, hieß es auch aus Polizeikreisen. Die Medien begannen an Mannichls Version zu zweifeln, allen voran die Seite „MV Regio“, welche als Nachrichtenseite für Mecklenburg-Vorpommern ausführlichst (das Archiv zeigt 107 Treffer für „Mannichl) über den Fall in Bayern berichtete und mehrmals die Glaubwürdigkeit Mannichls anzweifelte, da er „politisch leider nicht neutral“ sei. Bereits am 15. Dezember 2008 wusste MV Regio zu vermelden: „Inhaftierte im Fall Mannichl wieder frei – Täter aus dem Umfeld des Opfers“.

Aktionismus der CSU

Als diese Spekulationen auch in überregionalen Medien auftauchten, wehrte sich Mannichl in Interviews gegen die Vorwürfe. Daraufhin verordnete ihm der bayerische Innenminister Joachim Herrmann ein Redeverbot. Die bayerische Landesregierung hatte nach dem Attentat in einer Art Hysterie diverse Maßnahmen gegen Rechtsextremismus angekündigt – unter anderem ein NPD-Verbotsverfahren, ohne dass eine Beteiligung der rechtsextremen Partei überhaupt abzusehen war.

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