Ratzinger-Publikation im Aula-Verlag offenbar ein Nachdruck

Nach der Diskussion um den Piusbruder und Holocaust-Leugner Williamsen gibt es nun Aufregung um einen Papst-Artikel in einem rechtsextremen österreichischen Verlag. Joseph Ratzinger habe als Kurienkardinal einen Aufsatz in der Festschrift „1848 – Erbe und Auftrag“ des Aula-Verlags publiziert, meldete die in Wien erscheinende Zeitung „Österreich“. Der Verlag mit Sitz in Graz wird im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands als rechtsextrem eingestuft.

Nach einem Bericht des Domradios handelt es sich jedoch um keinen eigenen Beitrag, sondern um den Nachdruck eines drei Jahre zuvor veröffentlichten Aufsatzes. Rudolf Voderholzer, Leiter des Ratzinger-Archivs „Institut Papst Benedikt XVI.“ in Regensburg, wies auf Anfrage darauf hin, dass ein Autor „relativ machtlos“ gegenüber nicht autorisierten Wiederabdrucken sei. Der Theologe räumte ein, weder den betreffenden Sammelband noch den Hergang zu kennen. Vielfach seien Nachdrucke aber „schwer zu überschauen“. Auch sei „nicht immer ersichtlich, in welchem Kontext eine Publikation steht“.

Joseph Ratzinger hatte den Aufsatz „Freiheit und Wahrheit“ den Angaben zufolge 1995 in der katholischen Zeitschrift „Communio“ veröffentlicht. Nachfolgend erschien er auch im Freiburger Herder Verlag. Drei Jahre später wurde er nochmals in der herausgegebenen Aufsatzsammlung „1848- Erbe und Auftrag“ im rechtsextremen Aula-Verlag in Graz abgedruckt. Wie es dazu kam, sei augenblicklich noch unklar.

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4 thoughts on “Ratzinger-Publikation im Aula-Verlag offenbar ein Nachdruck

  1. Reaktionär Ratzinger und der vorauseilende Gehorsam der deutschen Medien.

    Wie geschildert ist die Geschichte mit dem reaktionären Ratzinger-Artikel in dem Aula-Buch von Ex-NPD´ler Schwab und Ex-NSDAP Otto Scrinzi ziemlich alt und ging damals durch alle Antifa-Medien.
    Das Buch wurde von der gesamten extremen Rechten gehypt, von Junge Freiheit bis zu Hard-Core-Nazis – immer mit Verweis auf den Ratzinger Artikel.
    Ratzinger oder seine Lakaien hätten also vor 10 Jahren genug Grund gehabt, wegen Urheberrechten zu klagen, eine Unterlassung zu fordern, oder wenigstens Einspruch zu erheben. Alles dies erfolgte meines Wissen nicht.

    Die jetzige Aufwärmung der Geschichte ist allerdings auch ein Beispiel für den selektiven Umgang mit der extremen Rechten durch führende Medien der BRD: Der NDR und die ARD wurden am 3. Februar 2009 über die Ratzinger-Geschichte informiert, am 4. Februar 2009 hatte die zuständige Redation vom Spiegel die Info und wollte die Story unbedingt bringen.
    Alle schwiegen lieber eine Woche, denn „unserem“ Papst pisst man dann eben doch nicht ans Bein – jedenfalls nicht mit Nazi-Geschichten. Solange es um den letzten Schuppen von Jürgen Rieger oder irgendwelche banalen Querelen in der NPD geht berichten alle.
    Die Schnittstellen zwischen Konservatismus und organisiertem Neofaschismus beleuchtet man aber lieber nicht so genau – die verantwortlichen Chefs könnten sich ja Ärger einhandeln. Dabei sind diese Verbindungen die eigentliche Gefahr, nicht irgendwelche NS-Apologeten, die nur Minoritäten ansprechen.

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