Poppenkontakte & Huren24 – Erpressung bei der NPD?

Vorstrafen wegen Gewalttaten, Holocaust-Leugnung, bewaffnete Überfälle – bei der NPD offenbar alles kein Problem. Doch eine Funktionärin als Hure, das können die vermeintlichen Biedermänner nicht ertragen. Zumindest wenn man einer Berliner Funktionärin von NPD und dem Ring Nationaler Frauen glauben will. Sie schreibt auf einer Neonazi-Seite:

„Ich heiße Gesine Hennrich und war die ehemalige Landesvorsitzende des RNF Berlin und die ehemalige Kreisvorsitzende des Kreisverbandes Berlin Marzahn – Hellersdorf der NPD. In dieser Woche wurde ich vom Landesvorsitzenden der NPD-Berlin, Jörg Hähnel, zu einem Gespräch in die Parteizentrale eingeladen. Hähnel befragte mich dort intensiv, wie ich zu seiner Person stehe und in welcher Beziehung ich zum stellvertretenden Landesvorsitzenden der NPD Berlin, Hans-Joachim Henry stehe, der gleichzeitig sein politischer Widersacher sei. Als ich erklärte, dass ich Henry politisch und menschlich sehr schätze und auch in Zukunft zu ihm stehen werde, beendete er das Gespräch und ich musste dann noch beim Bundesordnungsleiter und Mitglied im Bundesvorstand, Manfred Börm vorsprechen.

Dieser eröffnete mir nun, dass man Bilder von mir im Internet gefunden hätte, die der Pornografie zuzuordnen seien. Er forderte mich auf, bis zum kommenden Wochenende alle meine Ämter in der NPD nieder zu legen. In der Partei könnte ich jedoch bleiben. Sollte ich dieser Aufforderung nicht fristgerecht nachkommen, werde man die Bilder und Informationen veröffentlichen und mich damit zu diskreditieren. Kurz um dies gehe gar nicht, ich würde so der NPD schaden.

Diese Aufforderung, die allerdings in Form einer Drohung ausgesprochen worden ist, kann ich in keiner Weise ignorieren. Da Börm nicht nur wegen Banküberfalls, Überfall auf ein Waffendepot und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorbestraft ist, sondern auch mehrfach wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung in Erscheinung getreten ist, er soll unter anderem auch auf eine Frau eingetreten haben (wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen), muss ich diese Drohung sehr ernst nehmen.

Um meine Familie zu schützen, komme ich hiermit den Forderungen nach, trete von allen Ämtern zurück und verlasse gleichzeitig diese Partei. Mit mir ist der gesamte Kreisvorstand von seinen Ämtern zurückgetreten und ebenfalls mit sofortiger Wirkung aus der Partei ausgetreten. Ebenfalls mit sofortiger Wirkung sind bisher 85% aller NPD Mitglieder des Kreisverbands Berlin Marzahn-Hellersdorf, welcher der größte und aktivste Kreisverband von Berlin ist (war), aus der NPD ausgetreten.“

Auf Anfrage von Spiegel Online bestätigte Hähnel, dass es ein Gespräch mit Hennrich gegeben habe. Zum Inhalt wollte er nichts sagen, wohl aber, dass diese ihm dabei ihren Rücktritt vom Kreisvorsitz angekündigt habe. Auch sei H. im Anschluss noch zu einem weiteren Gespräch mit dem Bundesvorstandsmitglied und „Bundesordnungsdienstleiter“ Manfred Börm gebeten worden. Börm bestritt die Vorwürfe im Grundsatz. „Es wurde überhaupt keine Drohung ausgesprochen“, sagte er Sponline. Darüber hinaus wollte er die Affäre nicht kommentieren, sondern kündigte eine Stellungnahme für die kommende Woche an.

Alkoholsucht und Puff-Besuche

In Neonazi-Foren machen sich die Kommentatoren nun genüsslich über die Sache her, tratschen über die angebliche Alkoholsucht Hennrichs oder unterstellen Börm sowie dem „halben Parteivorstand“, es gebe Aufnahmen, auf denen die NPD-Führungsriege beim gemeinsamen Puff-Besuch zu sehen sei. Zudem kursieren Links auf Internet-Seiten, auf denen Frauen ihre käuflichen Dienste anbieten – darunter angeblich auch Hennrich.

Voigt fordert „völlige Enthaltsamkeit“

Während sich die Rechtsextremisten also weiterhin öffentlich zerlegen, versucht Parteichef Udo Voigt verzweifelt, die Reihen zu schließen. Dabei beweist er ein beachtliches Fingerspitzengefühlt bei der Wortwahl, wenn man sich die jüngste Schlammschlacht berücksichtigt: „Wir alle sollten wieder völlige Enthaltsamkeit üben“, so Voigt, allerdings heißt es weiter: „mit Beiträgen, welche über die Systemmedien oder über Weltnetzforen verbreitet werden.“

Und weiter schreibt Voigt – recht kleinlaut, denn er buhlt um die Unterstützung der „Freien Kräfte“: „Die NPD ist nur ein Teil des nationalen Widerstandes. Sie ist das derzeit erfolgreichste Mittel auch parlamentarisch Widerstand gegen den geplanten Volkstod der Deutschen zu leisen.“ „Enthaltsamkeit üben“ und „Widerstand leisen“ – bei der NPD werden Sie geholfen…

Siehe auch: Vorsätzliche Körperverletzung: NPD-Kreischef muss 900 Euro ans System zahlen, Urteil wegen antisemitischer Hetze gegen Ex-NPD-Landeschef rechtskräftig, Verdacht der Geldfälschung: NPD-Parlamentarier gibt Mandat zurück, Brandenburg: Gewalttäter Bode nicht gewählt, Was treibt Frauen in eine frauenfeindliche Szene?, Ideologie versus Alltag: Kommunikationsstrategien neonazistischer Frauen im Internet, RNF: Pastörs gründet Frauen-Gruppe, Palau heißt jetzt Hähnel, NPD-Kandidaten: männlich und kaum zu erreichen, NPD-Funktionärin: `BRD nicht annährend eine Demokratie`, NPD will bundesweiten `Nationalen Sanitätsdienst` aufbauen, Frauen in der NPD: RNF soll künftig eigenen Etat erhalten, Lesetipp: Frauen in der extremen Rechten