Pömmelte-Opfer starb laut Ermittlern nicht an Folgen von Neonaziübergriff

Der 15-jährige Kevin aus Pömmelte (Salzlandkreis) ist nicht an den Spätfolgen des Überfalls von Neonazis vor drei Jahren gestorben. „Ein kausaler Zusammenhang ist ausgeschlossen“, sagte Hannes Grünseisen, Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt, gegenüber der Leipziger Volkszeitung. Die Leiche des Schülers sei freigegeben worden.

Der Junge äthiopischer Herkunft war am 28. Dezember 2008 während eines Ferienaufenthalts im thüringischen Tambach-Dietharz (Kreis Gotha) verstorben. Die Staatsanwaltschaft Erfurt hatte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Am 9. Januar 2006 war Kevin in Pömmelte bei Magdeburg von vier jungen Schlägern aus rassistischen Motiven eine Stunde lang auf brutalste Weise gepeinigt worden. Er erlitt bei dem Angriff 34 Verletzungen, darunter ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Nasenbeinbruch, Blutergüsse und Platzwunden.

Genugtuung statt Mitgefühl

In Neonazi-Kreisen herrscht nun Genugtuung darüber, dass der Jugendliche nicht an den Spätfolgen des Überfalls gestorben ist. Allein die Tatsache, dass über den Tod des Jungen berichtet wurde, werteten die Rechtsextremisten bereits als einen Angriff auf sich selbst. Zudem versuchen sie immer wieder, die rassistische Motivation der Tat zu leugnen, es handele sich um „bedauerliche, aber keineswegs ungewöhnliche Gewalt unter Jugendlichen“. Die Täter hätten keiner „nationalen Organisation“ angehört, zudem hätten sich organisierte Rechtsextremisten von der Tat distanziert. Dass aber genau die völkische Propaganda der Rechtsextremisten zu solchen Taten führt, will man selbstverständlich nicht einräumen. Zudem ist es relativ naheliegend, dass man sich von so einer Tat distanziert, die keineswegs „keineswegs ungewöhnlich“ war.

Mitgefühl oder zumindest Respekt gegenüber dem Toten und dessen Angehörigen ist den Rechtsextremisten fremd, Altermedia kalauerte in gewohnt völkischer Schenkelklopfermanier nach dem Tod des 15-Jährigen: „Klima nicht bekommen? Pömmelte-Äthiopier verstorben“.

Siehe auch: Rassisten-Opfer von Pömmelte gestorben, Sachsen-Anhalt: “Enormes Risiko für Ausländer”, Heye: Kultur des Wegschauens in Ostdeutschland, Sachsen-Anhalt: Rechtsextremismus subkulturell geprägt, Hohe Zahl rechter Gewalttaten in Ostdeutschland