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Pömmelte-Opfer starb laut Ermittlern nicht an Folgen von Neonaziübergriff

31. Januar 2009 16:06 78 mal gelesen Kein Kommentar

Der 15-jährige Kevin aus Pömmelte (Salzlandkreis) ist nicht an den Spätfolgen des Überfalls von Neonazis vor drei Jahren gestorben. “Ein kausaler Zusammenhang ist ausgeschlossen”, sagte Hannes Grünseisen, Sprecher der Staatsanwaltschaft Erfurt, gegenüber der Leipziger Volkszeitung. Die Leiche des Schülers sei freigegeben worden.

Der Junge äthiopischer Herkunft war am 28. Dezember 2008 während eines Ferienaufenthalts im thüringischen Tambach-Dietharz (Kreis Gotha) verstorben. Die Staatsanwaltschaft Erfurt hatte ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Am 9. Januar 2006 war Kevin in Pömmelte bei Magdeburg von vier jungen Schlägern aus rassistischen Motiven eine Stunde lang auf brutalste Weise gepeinigt worden. Er erlitt bei dem Angriff 34 Verletzungen, darunter ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Nasenbeinbruch, Blutergüsse und Platzwunden.

Genugtuung statt Mitgefühl

In Neonazi-Kreisen herrscht nun Genugtuung darüber, dass der Jugendliche nicht an den Spätfolgen des Überfalls gestorben ist. Allein die Tatsache, dass über den Tod des Jungen berichtet wurde, werteten die Rechtsextremisten bereits als einen Angriff auf sich selbst. Zudem versuchen sie immer wieder, die rassistische Motivation der Tat zu leugnen, es handele sich um “bedauerliche, aber keineswegs ungewöhnliche Gewalt unter Jugendlichen”. Die Täter hätten keiner “nationalen Organisation” angehört, zudem hätten sich organisierte Rechtsextremisten von der Tat distanziert. Dass aber genau die völkische Propaganda der Rechtsextremisten zu solchen Taten führt, will man selbstverständlich nicht einräumen. Zudem ist es relativ naheliegend, dass man sich von so einer Tat distanziert, die keineswegs “keineswegs ungewöhnlich” war.

Mitgefühl oder zumindest Respekt gegenüber dem Toten und dessen Angehörigen ist den Rechtsextremisten fremd, Altermedia kalauerte in gewohnt völkischer Schenkelklopfermanier nach dem Tod des 15-Jährigen: “Klima nicht bekommen? Pömmelte-Äthiopier verstorben”.

Siehe auch: Rassisten-Opfer von Pömmelte gestorben, Sachsen-Anhalt: “Enormes Risiko für Ausländer”, Heye: Kultur des Wegschauens in Ostdeutschland, Sachsen-Anhalt: Rechtsextremismus subkulturell geprägt, Hohe Zahl rechter Gewalttaten in Ostdeutschland

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  • Jan said:

    Man bekommt fast den Eindruck, dass hier einige Bestürzung darüber herrscht, dass
    der Junge nicht an den Folgen dieses Zwischenfalls gestorben ist. Das hindert aber scheinbar niemanden daran, die Sache weiter politisch auszuweiden. Das ist bestenfalls schäbig und mit Verlaub, auf Altermedia-Niveau.

  • P.G. said:

    “Man bekommt fast den Eindruck, dass hier einige Bestürzung darüber herrscht, dass
    der Junge nicht an den Folgen dieses Zwischenfalls gestorben ist.”

    Einige? Bislang habe nur ich etwas dazu geschrieben. Und woran machen Sie diese Bestürzung konkret fest?

  • E.S. said:

    Was ich immer wieder bei solchen tragischen Fällen mit Verdacht auf Verbrechen nicht verstehe, ist, warum man nicht der entsprechenden Staatsanwaltschaft die notwendige Zeit gibt, um nach allen möglichen Richtungen zu ermitteln und dann tatsächlich zu einem seriösen Ergebnis zu kommen.

    Wenn es dann zur Anklage kommt, ist noch mehr als genug Zeit, die Hintergründe des Verbrechens intensiv zu beleuchten und sich mit dem Geschehenen auseinanderzusetzen.

    Stattdessen wird dann immer wieder das Gleiche praktiziert: Sobald ein Anfangsverdacht auf eine (rechts-) extreme Tat vorliegt, dann breitet sich gleich eine solche Hysterie in bestimmten Medien und Internetseiten aus, die es unmöglich macht, darüber auch nur nachzudenken, daß es sich zunächst einmal immer noch um einen Verdacht handelt und noch nicht einmal Anklage erhoben wurde.

    Und wem nützt diese Hysterie am Ende, wenn sich der Verdacht nicht erhärtet? Darüber sollte jeder einmal selbst nachdenken …

  • Jan said:

    PG,

    statt sich einfach einzugestehen, dass nicht jeder gestorbene Junge äthiopischer Herkunft auf das Konto vermeintlich rechtsradikaler Schlägerbanden geht (so wie sich in der näheren Vergangenheit einige als rechtsmotiviert plakatierte Zwischenfälle ebenfalls als vollkommen unpolitisch oder gar selbst zugefügt herausstellten), beuten sie den Tod dieses Kindes noch aus, in dem sie für eben solche Plattformen wie Altermedia Vorlagen liefern – die sie dann nach erfolgter Reflexhandlung natürlich ebenfalls wieder anprangern. Natürlich kann man so auch gegen Rechts kämpfen und sich drauf verlassen, dass es keiner merkt.
    Die Bestürzung, die ich hier unterstelle, lese ich zwischen den Zeilen. Dummerweise lässt sich der tote Junge nun nicht mehr politisch benutzen – gut für die Mutter, die zur Ruhe kommen kann, schlecht für den Kampf gegen Rechts, der nun sehnsüchtig auf einen neuen Zwischenfall wartet.

  • AgendaWiderstand said:

    Nazi sein zahlt sich nicht aus, denn große Sünden werden nicht sofort gesühnt, ebend nur etwas später.

    Das unter Nazis eine solche Tat als nicht ungewöhnlich ist verständlich, unter dem Gesichtspunkt, das nazistische Pläne eine grundsätzliche größere Dimension anstreben.

    Denn ein Nazi-Hirn kennt nur Quantität und da werden 6 Millionen nicht ausreichen.

    Nur wird es nicht soweit kommen, denn der Widerstand rollt und wird weitergehen, bis der letzte Nazi aufgibt.

    Unsere Agenda heißt Widerstand.

  • P.G. said:

    “Die Bestürzung, die ich hier unterstelle, lese ich zwischen den Zeilen.”

    Gehts etwas konkreter? Oder ist es möglicherweise so, dass sie sich dies nur so sehr wünschen, dass sie eine bloße Meldung bereits so werten? Und was Altermedia angeht: Was man schreibt, ist ohnehin nebensächlich, dort geht es um die Hetze gegen einzelne Personen oder Projekte. Oder warum schruben die Neonazis aus MVP, dass das NPD-BLOG diesen Fall missbrauchen würde – obwohl die Meldungen ursprünglich aus diversen Tageszeitungen und vom MDR stammen?

    Was Sie erreichen wollen, ist offensichtlich: Dass über tatsächliche und möglicherweise rechtsextrem motivierte Taten nicht mehr berichtet wird, weil die rassistischen Schläger das Gewaltpotenzial und die fehlende Empathie der Völkischen aufzeigen. Und es soll auch nicht mehr an solche Taten erinnert werden: Denn in der Meldung zu Kevin aus Pömmelte hieß es hier: “Die Todesursache sei unklar. Spätfolgen seiner Misshandlung seien nicht auszuschließen, heißt es. Die Mutter wolle nun klären lassen, ob der 15-Jährige an Spätfolgen des Überfalls starb.” Wo liegt eigentlich Ihr Problem, außer dass sie die Hetze von Neonazi-Seiten, wo auch über Angriffe auf 13-Jährige gewitzelt wird, einfach übernehmen?

    So, von meiner Seite ist alles zu dieser Sache gesagt, ich habe keine Lust, mich weiter auf diesem Niveau von “das lese ich zwischen den Zeilen” zu unterhalten. Die rechten/rechtsradikalen, rechtskonservativen, rechtsextremen und neonazistischen Kommentatoren fordern für sich stets genaue Differenzierung ein – und dann kommt so ein Geschwafel. Sinnlos.

  • E.S. said:

    @ P.G.

    Nur ganz am Rande:

    Ich bin der Auffassung, daß jede Zeitung und jedes Internetportal bei der Übernahme von Meinungen und Artikeln aus anderen Zeitungen bzw. von anderen Internetportalen die gleichen Pflichten zur Prüfung der dortigen Inhalte hat, wie die Autoren des Originalbeitrages. Deshalb kann ich grundsätzlich Ihre Auffassung nicht teilen, daß später nur die Autoren des Originalbeitrages, hier z.B. der MDR, die alleinige Verantwortung für Inhalte, sowie Form und Art der Beiträge tragen soll. Schließlich ist es ja der Sinn von übernommenen Beiträgen, diese einer weit größeren Masse an Lesern zur Kenntnis zu bringen, als es beim Ausgangsbeitrag der Fall war. Somit nimmt auch derjenige, der einen Beitrag übernimmt, eine aktive Rolle ein.

    Früher wurde im Regelfall zumindest in Printmedien explizit darauf aufmerksam gemacht, wenn man etwas übernahm, z.B. mit den Anmerkungen “Die Stimmen der Anderen”, “Stimmen aus der Weltpresse” oder “Wir entnahmen der Zeitung X. folgenden Beitrag, weil wir ihn auch für unsere Leser als lesenswert erachten …”. Dabei war der Grad der Zustimmung bzw. Distanzierung vom Ausgangsbeitrag weit deutlicher.

    Das ändert aber nichts am wesentlichen Kern, daß man sich einer zu schnellen und einseitigen Festlegung eines Verdachtes deutlicher zurückhalten sollte. Denn vorschnelle Verurteilungen nutzen niemandem: Weder den Opfern, noch ihren Angehörigen und schon gar nicht redlichen Anliegen im Kampf gegen politischen Extremismus.

  • P.G. said:

    @E.S.: Danke für die Nachhilfe. ;-) Schauen Sie doch mal in die Meldung. Dort steht: “Der Anwalt der Mutter hat laut einem Bericht von Mut gegen rechte Gewalt bestätigt,…”

    Ihr Gedankenspiel, Überfälle, Unfälle, usw. erst zu vermelden, wenn alle Umstände geklärt sind, mag in der Theorie möglicherweise sinnvoll erscheinen. Aber vielleicht kommen Sie von alleine drauf, warum dies in der Praxis nicht funktionieren kann.

  • E.S. said:

    Da Sie mich anscheinend nicht verstehen WOLLEN, noch ein letzter Versuch:

    Mein Ansatz war nicht, daß (mutmaßliche) Straftaten erst dann vermeldet werden sollen, wenn alle Umstände genau geklärt sind. Daß dies sehr irrealistisch wäre, dazu braucht man nicht einmal besondere Medienkenntnisse.

    Es ging mir einzig und allein darum, noch einmal eindeutig festzuhalten, daß nach Straftaten, unklaren Vorkommnissen usw. im Regelfall immer ein oder auch mehrere Verdachtsmomente vorliegen, nach denen zunächst ermittelt wird. Manchmal erhärtet sich dieser Verdacht schnell und wird mehr und mehr zu einem schwerwiegenden Verdacht und schließlich möglicherweise fast zu einer Gewißheit. Aber es ist auch bei diversen Indizien immer zunächst nur ein VERDACHT.

    Für viele Medien steht heute indes oft schon Stunden nach der Tat fest, daß die Verdächtigen / die Verhafteten auch tatsächlich bereits die Täter sind. Und so versteht es auch ein großer Teil der Leser, das belegen immer wieder aufs Neue viele Kommentare.

    Und wenn sich später herausstellt, daß es doch anderes war, als zunächst vermutet, dann ist das wechselseitige Fingerzeigen noch größer. Darum plädiere ich bei allen verständlichen und begreiflichen Emotionen für mehr Zurückhaltung, bis tatsächlich die Ermittlungsergebnisse vorliegen …

  • P.G. said:

    Sie beschreiben eine Grundregel. Im Fall Mannichl wurde diese von vielen Kollegen nicht beachtet, was in diesem Blog mehrfach scharf kritisiert wurde. Im Fall von Kevin aus Pömmelte kann ich nicht erkennen, wo diese Regel missachtet wurde. Es wurde berichtet, dass eine Spätfolge geprüft wird. Das war eine Meldung, die den Völkischen bereits zu weit geht. Thats it.

  • Besucher said:

    @E.S.

    Lesen Sie gelegentlich was Sie schreiben?

    “Was ich immer wieder bei solchen tragischen Fällen mit Verdacht auf Verbrechen nicht verstehe, ist, warum man nicht der entsprechenden Staatsanwaltschaft die notwendige Zeit gibt, um nach allen möglichen Richtungen zu ermitteln und dann tatsächlich zu einem seriösen Ergebnis zu kommen.

    Wenn es dann zur Anklage kommt, ist noch mehr als genug Zeit, die Hintergründe des Verbrechens intensiv zu beleuchten und sich mit dem Geschehenen auseinanderzusetzen.”

    “Da Sie mich anscheinend nicht verstehen WOLLEN, noch ein letzter Versuch:

    Mein Ansatz war nicht, daß (mutmaßliche) Straftaten erst dann vermeldet werden sollen, wenn alle Umstände genau geklärt sind. Daß dies sehr irrealistisch wäre, dazu braucht man nicht einmal besondere Medienkenntnisse.”

    Alle Klarheiten beiseitigt. ;-)