“Verstehen, was Menschen zu Tätern werden lässt”

Mit einer internationalen Konferenz greifen die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb, das Holocaust Research Centre at Royal Holloway, University of London sowie das Kulturwissenschaftliche Institut Essen neueste Erkenntnisse der “Täterforschung im globalen Kontext” auf. Vom 27. bis 29. Januar 2009 diskutieren Wissenschaftler aus mehreren Staaten über die Täterforschung.

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, sagte zu der Bedeutung der Konferenz, wenn „wir analysieren lernen, welche gesellschaftlichen Koordinaten Täterbiografien in der Vergangenheit beförderten, können wir zugleich unseren Blick für die heutigen Entwicklungen schärfen.“ Wenn gegen wärtige Entwicklungen schneller erkannt würden, kann der „Aushöhlung demokratischer Prinzipien“ entgegengewirkt werden.

Die heutige Forschung lege mehr Wert auf die gesellschaftlichen und sozialen Bedingungen, unter denen Menschen zu Tätern wurden – also nicht nur den Täter betrachten, sondern auch die Umwelt, so Krüger.

„Eigenverantwortliches Handeln war möglich“

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble mahnte bei seiner Rede, es falle ihm schwer, ausgerechnet am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus über die Täter zu sprechen. Man dürfe die Opfer nicht aus dem Blick verlieren. Schäuble lobte die unermüdliche wissenschaftliche Arbeit zur Erforschung des Holocaustes. Doch je mehr er über dieses Menschheitsverbrechen wisse, umso unbegreiflicher werde es. Die Täter hätten persönliche Schuld auf sich geladen, denn „eigenverantwortliches Handeln war möglich“, so Schäuble. Die Zivilgesellschaft habe sich transformiert, so dass das Morden unspektakulär wurde. Es sei von „Tötungsarbeiten“ gesprochen worden – mit festen Arbeitszeiten und Kaffeepausen. Die Täter hätten sich sogar noch über die Schwere der Arbeit beklagt, so Schäuble weiter.

Der Innenminister lobte exemplarisch die Arbeit von Projekten, die sich mit rechtsextremen Straftätern beschäftigten. Er habe selbst ein solches Projekt besucht und sei beeindruckt gewesen, dass schwere Straftäter auch Empathie lernen könnten. Schäuble appellierte an die Eingenverantwortung des Einzelnen für die Gesellschaft: Das Handeln jedes Einzelnen könne einen wichtigern Unterschied machen.

Siehe auch: “Geschichtspornografie” im ZDF: “Ein bisschen Nazi spielen”, Täterforschung im globalen Kontext: Blick auf moralische Umformatierung richten

3 thoughts on ““Verstehen, was Menschen zu Tätern werden lässt”

  1. die bürgerliche Norm domestiziert die Inhalte

    bemerkenswert finde ich den Versuch Schäubles in seiner Rede Heinrich Himmler
    http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Himmler
    postum zu pathologisieren.
    Das Peter Longerich als Himmler Biograph dem am zweiten Tag wiedersprach ohne jedoch Schäuble direkt zu kritisieren sagt viel über die Konferenz aus.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Longerich

    Eine hierachisch strukturierte
    (es gabe ein paar pseudo „workshops“)
    Tagung, wie üblich mit Stars auf dem Podium und dem allgemein verbreiteten Fragestell Dogma.
    Aus dem Schema vorn spielt die Musik auszubrechen war unmöglich.

    Naja, von Schäuble, sowie der staatlichen „Bundeszentrale für politische Bildung“
    mit ihrem Watzals, Wolfsohns und ihrer zumeist ungern thematisieren braunen Vergangenheit

    Der Heimatdienst
    50 Jahre Bundeszentrale für politische Bildung
    http://www.stadtrevue.de/index_archiv.php3?tid=328&sstring=Bundeszentrale
    Günter Reichert
    http://tinyurl.com/c99ys9
    http://www.google.de/search?q=G%C3%BCnter+Reichert+Bundeszentrale

    der Ansgar Graw Coup
    http://www.infopartisan.net/archive/rag/rag1413.html
    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/13/039/1303929.asc

    was will mensch da auch Anderes erwarten

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