Mehrjährige Haftstrafen für rassistische Brandanschläge in Berlin

Der Tagesspiegel berichtet am 29. Januar 2009 über einen Prozess gegen zwei junge Männer. Das Motiv für die Brandanschläge war demnach „Fremdenhass“. Davon sei der Staatsanwalt nach zweimonatigem Prozess überzeugt gewesen. „Sie warfen Molotowcocktails, um Macht zu demonstrieren, um Angst und Schrecken zu verbreiten“, hieß es demnach im Plädoyer. Die Strafen gegen die beiden Jugendlichen, die in Rudow Brandsätze gegen Häuser von Migranten geworfen hatten, sollen nach dem Willen der Anklage deutlich ausfallen. Wegen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung forderte er dem Bericht zufolge fünfeinhalb Jahre Haft für Markus P. und fünf Jahre für Robert H.

Mitglied bei der NPD

Die beiden Angeklagten sind 19 und 17 Jahre alt. Der eine mit Brille und dunkelblondem Zopf, der andere schmal und mit noch kindlichen Gesichtszügen. Sie hatten laut Tagesspiegel Kontakte zur rechtsextremen Szene. P. soll ein halbes Jahr Mitglied der NPD gewesen sein, sein Kumpel habe an einer Schulung teilgenommen.

In der Nacht vom 21. zum 22. März 2008 zogen sie demnach zu ihrem ersten Anschlag los. Sie hatten zwei Bierflaschen mit Benzin gefüllt, angezündet und auf das Haus einer bosnischen Familie geworfen. Die Brandsätze prallten an der Fassade ab. Die Bewohner waren in jener Nacht nicht zu Hause. Einen Monat später versuchten sie es erneut. Diesmal sollen es vier Molotowcocktails gewesen sein, mit denen sie im Rudower Blumenviertel das Einfamilienhaus einer türkischstämmigen Familie angriffen. Das Nylondach eines Pavillons brannte durch, die Flammen wurden aber rechtzeitig bemerkt. Doch für die Familie ist seitdem nichts mehr wie vorher. Angst und Schlaflosigkeit seien geblieben, sagte der Familienvater am Rande des Prozesses.

Besitz kinderpornografischer Schriften

„Den Angeklagten war klar, dass das Haus bewohnt war“, so der Staatsanwalt laut Tagesspiegel. Es hätten tödliche Folgen eintreten können. Heimtückisch, aus niederen Beweggründen und mit gemeingefährlichen Mitteln seien die Jugendlichen vorgegangen und hätten damit drei Mordmerkmale erfüllt. Für P. beantragte der Ankläger eine höhere Strafe, weil dem 19-Jährigen auch der Besitz von Kinderpornografie vorgeworfen wird.

Der Richter folgte den Forderungen der Staatsanwaltschaft weitestgehend. Die jungen Männer wurden zu Haftstrafen von drei Jahren und zehn Monaten beziehungsweise vier Jahren und acht Monaten verurteilt.

Siehe auch: Berlin: Anklage wegen rassistischer Brandanschläge, Berlin: Weniger Neonazis, mehr Gewaltbereitschaft, Berlin: Erneut rassistische Übergriffe / Brandanschlag in Rudow, Berlin: NPD-Solidarität mit verurteiltem Gewalttäter