Gedenken an Holocaust-Opfer: In Waren nicht ohne Störung von Neonazis möglich

Erneut haben rechtsextreme Gruppen eine Gedenkveranstaltung zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus in Waren gestört. Während in der Kreismusikschule an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte erinnert wurde, brachten laut einem Bericht des Nordkuriers Demonstranten ihren „Unmut“ über die Veranstaltung zum Ausdruck. Bei der Gedenkveranstaltung machte Kreistagspräsident Gerhard Kresin (FDP) dem Bericht zufolge darauf aufmerksam, dass mit dem Verschwinden der Generation, die Kriegsschrecken noch erlebt hat, auf das Erinnern nicht verzichtet werden dürfe. Warum dies so wichtig ist, unterstrich Festredner Andreas Wagner vom Verein „Politische Memoriale“: Es gebe nicht wenige, die meinen, man solle die Geschehnisse ruhen lassen. Aber die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus gehören zu den Grundlagen unserer politischen Kultur, so der Redner.

Die Hoffnungen Überlebender, dass der Geist des Nationalsozialismus dauerhaft überwunden werde, haben sich allerdings nicht erfüllt. Der Rechtsextremismus sei in Mecklenburg-Vorpommern fest verankert. Die NPD betreibe aktive Propaganda. Aber in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus sei nicht nur aktive Zivilcourage nötig. Mit Argumenten müsse überzeugt werden, und auch Gedenkstätten als Warnzeichen für die Gefährdung der Demokratie hätten dabei ihren festen Platz.

Gedenkstein geschändet

Gerade an einer solchen Gedenkstätte, am Stein für die Opfer des Faschismus, störten dem Bericht zufolge acht junge Leute die anschließende Kranzniederlegung mit Trillerpfeifen und Parolen. Die Polizei nahm Personalien auf und erteilte Platzverbot. Wie die Polizei mitteilte, ist der Gedenkstein, wie in den Wochen zuvor, auch am 25. Januar 2009 wieder mit Farbe beschmiert worden. Die Blumen, die für die Opfer des Nationalsozialismus niedergelegt wurden, waren demnach ebenfalls mit Farbe besudelt.

Die NPD gab zu der Störaktion sogar eine eigene Presseerklärung heraus, darin hieß es:

Für den heutigen Sonnabend lud der Kreistagspräsident Kresin des Müritzkreises zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in die Kreismusikschule Waren (Müritz) ein. Unter Beteiligung von parteifreien Aktivisten hielten NPD-Mitglieder eine Mahnwache vor dem Veranstaltungsort ab. Sie richteten sich damit gegen derartige Zusammenkünfte einseitiger Ausrichtung. Auf mitgeführten Spruchbändern stand zu lesen: Die Geschichte schreibt immer der Sieger und Deutsche, wollt ihr ewig büßen?.

Doris Zutt, NPD-Mitglied in Waren (Müritz), äußerte sich wie folgt zu ihrer Teilnahme: „Ich stehe heute hier, weil ich mich dagegen richte, daß der Terror, welcher sich gegen die deutsche Bevölkerung richtete, die Vertreibung und der Bombenholocaust systematisch ausgeklammert werden, wenn es um das Gedenken an die Toten der Weltkriege geht. Ein Schuldkult gegen Deutschland ist für mich nicht hinnehmbar.“


MV Regio zitierte offenbar aus dieser Quelle, benannte aber nicht die NPD als Quelle. Dort hieß es:

Nach Platzverweisen durch die Polizei hätten sich die Demonstranten ohne weitere Zwischenfälle entfernt. Zuvor waren bereits mehrere Personen, die ebenfalls der rechten Szene zugeordnet wurden, mit Transparenten, worauf unter anderem stand: „Die Geschichte schreibt immer der Sieger“ und „Deutsche wollt ihr ewig büßen“, zum ersten Teil der Gedenkveranstaltung vor der Kreismusikschule aufgetaucht. Die Gruppe forderte auf, auch den Opfern und dem Leid der deutschen Bevölkerung durch Vertreibung und alleierten Bombenterrors zu gedenken. Das hätten die Millionen Toten Deutschen wohl verdient. [Fehler im Original]

Neonazis mobilisieren auch in Berlin und Brandenburg

Auch in Berlin und Brandenburg planen Neonazis Aktionen zum 27. Januar. Wie im  Nazi-Internetforum „Thiazi“ bekannt gegeben wurde, wollen Neonazis der „Freien Kräfte Teltow-Fläming“ eine Kundgebung in Zossen abhalten –   unter dem Motto „Stoppt den israelischen Holocaust im Gaza-Streifen! Für ein freies Palästina!“. Wie die Polizei Teltow-Fläming laut einem Bericht der MAZ bestätigte, ist die Veranstaltung am Freitagabend angemeldet worden. Ein Sprecher des Schutzbereichs sagte: „Wir werden die Anmeldung prüfen und am Montag entscheiden, wie wir damit umgehen.“

Die Autonome Antifa Teltow-Fläming schreibt in einer Pressemitteilung: „An diesem Datum und unter diesem Motto stellt die geplante Kundgebung der Neonazis mehr als offensichtlich eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus dar. Wir rufen dazu auf, mit kreativen Mitteln gegen die rechtsextreme Provokation zu protestieren und den Nazis zu zeigen, dass sie in Zossen unerwünscht sind.“ Der 27. Januar, der Internationale Holocaust-Gedenktag,  soll in diesem Jahr erstmals in Zossen begangen werden.

Siehe auch: Heimatschutz in Mecklenburg-Vorpommern, Holocaust-Relativierung und Täter-Opfer-Umkehr: Neonazis am 27. Januar gegen “Holocaust” in Gaza, Biografie von Horst Mahler – eine mindestens doppelte Wandlung, Antisemitismus in Europa – und der hilflose Kampf der UNO gegen den Judenhass, Bergen-Belsen: Wie wird erinnert, wenn bald keine Zeitzeugen mehr da sind?, “Berlin bewegt”, “Ravensbrück rührt”, “Betrifft: Bergen-Belsen”, Auschwitz: Das präzedenzlose Verbrechen, Antisemitische und rassistische Hetze: NPD erreicht mal wieder einen Eklat, David Irving bei Big Brother?, TV- und Buchtipp: Die Odyssee der Kinder, Pogrom vom 9. November 1938: Weißwäscher am Werk, Hessen: Neonazi-Aufmarsch verboten, Neonazis wollen zur Reichspogromnacht aufmarschieren, Historiker: SS-Führer Himmler war verklemmter Einzelgänger, Sobibor 1943: Aufstand in der Hölle

4 thoughts on “Gedenken an Holocaust-Opfer: In Waren nicht ohne Störung von Neonazis möglich

  1. Mich ärgert an dem Artikel.
    dass Redakteure der Meckl.-Vorp. Regionalausgabe doch allen Ernstes des Wortlaut der NPD-Blattes übernehmen anstatt – wenn schon den Kontext zitierend, andere Quellen zu verwenden, noch besser den Hergang selbst zu erfassen … aber doch bitte nicht die NPD-Quelle 1:1 beim zitieren übernehmen.. och menno
    da scheint wirklich Arbeit von Grund auf in Sachen Recherchieren im Gebiet Rechtsextr. von Nöten

    Ich denke, in Zukunft http://www.apabiz.de/bildung/RefKat/Lesen-Recherchieren-Sehen.pdf studieren und lieber noch mal nachfragen, wenn man im Thema feststeckt…

    ach wie ärgerlich…

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