Neonazi-Frauengruppen “schießen wie Pilze aus dem Boden”

Niedersachsens Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) hat laut einem epd-Bericht auf die wachsende Bedeutung von Frauen im Rechtsextremismus hingewiesen. Zwar sei die Neonazi-Szene noch immer männlich geprägt, sagte die Politikerin am 22. Januar 2009 zu Beginn einer Fachtagung mit mehr als 100 Teilnehmern in Verden bei Bremen. Doch Frauen seien für fremdenfeindliche und rassistische Positionen nicht weniger empfänglich.

Die Berliner Rechtsextremismus-Expertin Esther Lehnert warnte demnach, Neonazi-Frauengruppen „schießen wie Pilze aus dem Boden“. Heister-Neumann bezifferte den Anteil der Frauen in der rechtsextremen Szene auf bis zu 20 Prozent mit einem Schwerpunkt im Osten Deutschlands. Ihre steigende Zahl bei Demonstrationen in allen Bundesländern sei ein Indiz für die wachsende Bedeutung, heißt es weiter.

„Frauen gelten als friedfertiger“

Die Erziehungswissenschaftlerin Lehnert sagte, Frauen blieben öfter unerkannt und würden seltener juristisch verfolgt. „Sie gelten als friedfertiger.“ Doch mittlerweile reiche ihr radikales Engagement von der klassischen Mitläuferin bis zur rassistischen Straßenkämpferin, die sich als „Hüterin der weißen Rasse“ verstehe. Soziale Fragen und die Mutterschaft seien die bestimmenden Themen von Aktivistinnen, die etwa in der elitären „Gemeinschaft Deutscher Frauen“ oder im NPD-nahen „Ring Nationaler Frauen“ organisiert seien.

„Frauen in der Szene gelten als ideologisch gefestigter als die männlichen Kameraden“, betonte Lehnert, die zum Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus gehört. Mit einem antiquierten und auf die Mutterrolle reduzierten Frauenbild stärkten sie den Zusammenhalt unter den Neonazis und vermittelten zwischen der NPD und den gewaltbereiten „freien Kameradschaften“, heißt es weiter.

Siehe auch: Provokation und Machtkampf: Sachsens NPD-Fraktionschef lobt NS-Familienpolitik, Was treibt Frauen in eine frauenfeindliche Szene?, Ideologie versus Alltag: Kommunikationsstrategien neonazistischer Frauen im Internet, RNF: Pastörs gründet Frauen-Gruppe, Palau heißt jetzt Hähnel, NPD-Kandidaten: männlich und kaum zu erreichen, NPD-Funktionärin: `BRD nicht annährend eine Demokratie`, NPD will bundesweiten `Nationalen Sanitätsdienst` aufbauen, Frauen in der NPD: RNF soll künftig eigenen Etat erhalten, Lesetipp: Frauen in der extremen Rechten, NPD-Wahlkampf: Von Eva Herman bis zur `Doitschen Säuferfront`, RNF: ‚Nationale Frauen’ – ohne eigene Positionen, RNF-Bundestreffen: NPD-Frauen bauen Strukturen auf, Brandenburg: Frauen auf dem Vormarsch, Dokumentation: Das Arbeitspapier des RNF