Holocaust-Relativierung und Täter-Opfer-Umkehr: Neonazis am 27. Januar gegen “Holocaust” in Gaza

Die NPD greift die öffentlichen Vorlagen dankbar auf und hat eine Mahnwache angemeldet – unter dem Motto „Stoppt den Holocaust in Gaza“. Diese soll nicht an irgendeinem Tag und nicht irgendwo stattfinden, sondern am internationalen Holocaust-Gedenktag in Berlin. Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sagte laut Medienberichten, der Aufzug sei durch die zuständige  Versammlungsbehörde verboten worden. Die NPD habe allerdings das Verwaltungsgericht angerufen. Mit Blick auf die jüngst vom Gericht gegen seinen Willen erlaubte Werbung für die radikal-islamische Hamas bei einer Demonstration sagte Körting der Berliner Morgenpost, er gehe davon aus, dass das Verbot dieses Mal Bestand habe. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Rechtsprechung eine derartige Verhöhnung der Opfer des Holocaust zulässt.“

Die Linkspartei schreibt: „Die Berliner NPD hat für den 27. Januar 2009, dem Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus eine Mahnwache unter dem Motto: „Stoppt den israelischen Holocaust im Gaza“ angemeldet. Diese soll um 19 Uhr im Zentrum Berlins, an der Ecke Friedrichstr./ Französische Str. stattfinden.Wir betrachten es als eine besonders ungeheuerliche Provokation, am Holocaust-Gedenktag, dem Tag an dem viele Menschen der Opfer des Nazi-Terrors gedenken, die Verbrechen des Nationalsozialismus relativieren zu wollen.“ Außerdem ärgert sich die Linkspartei darüber, dass „ausgerechnet die NPD, die sich bei jeder Gelegenheit mit fremdenfeindlicher Hetze hervortut, gegen den Bau von Moscheen und Synagogen mobilisiert und für die Abschiebung von Flüchtlingen und Einwanderern eintritt, beabsichtigt die Opfer des Krieges im Gaza für ihre antisemitische Propaganda zu instrumentalisieren“.

Einige Parteimitglieder hatten allerdings offenbar wenig Probleme damit, mit antisemitischen Gruppen auf „Friedensdemos“ („Tod Tod Israel!“, „Stoppt den Holocaust in Gaza“) aufzulaufen. Auf Indymedia sollte zu dieser Erklärung der Linkspartei ein Kommentar von einem Kritiker aus Berlin gepostet werden – einzig: Indymedia schaltete die Anmerkungen, so zumindest die Darstellung des Schreibers, auch nach drei Versuchen nicht frei. Hier der betreffende Kommentar:

„DIE LINKE, die ohne sprachpolitisch und gesellschaftkritische Reflexion, den rassistisch, populistischen Mainstream Begriff „fremdenfeindlich“ benutzt, der Menschen pauschal, in die dichotomisch konstruierte Einteilung „Fremd“ sowie „Eigen“ zwängt. Außerdem kein Wort zur Täterforschungskonferenz, stattdessen suptiler Lokalpatriotismus „im Zentrum Berlins“.Dazu noch, nach dem Kurzhinweis in der „Jungen Welt“ mit der Überschrift „NPD will in Berlin provozieren “ nun auch von der Linkspartei die Reduzierung und Entkontextualisierung auf eine Provokation. Dadurch werden die realen Politiken, und inhaltlichen Anknüpfungspunkte der NPD, Kameradschaften, autonomen Nationalisten... ignoriert/negiert... Links dazu: http://www.hagalil.com/archiv/2009/01/12/dmz/, http://www.redok.de/content/view/1297/36/, http://braunzonebw.blogsport.de/2008/02/10/dmz-chefredakteur-gibt-npd-blatt-interview/, http://braunzonebw.blogsport.de/2008/12/10/deutsche-militaerzeitschrift-dmz-ausgabe-januar-februar/, http://de.indymedia.org/2005/10/130937.shtml

Siehe auch: Biografie von Horst Mahler – eine mindestens doppelte Wandlung, Antisemitismus in Europa – und der hilflose Kampf der UNO gegen den Judenhass, Bergen-Belsen: Wie wird erinnert, wenn bald keine Zeitzeugen mehr da sind?, “Berlin bewegt”, “Ravensbrück rührt”, “Betrifft: Bergen-Belsen”, Auschwitz: Das präzedenzlose Verbrechen, Antisemitische und rassistische Hetze: NPD erreicht mal wieder einen Eklat, David Irving bei Big Brother?, TV- und Buchtipp: Die Odyssee der Kinder, Pogrom vom 9. November 1938: Weißwäscher am Werk, Hessen: Neonazi-Aufmarsch verboten, Neonazis wollen zur Reichspogromnacht aufmarschieren, Historiker: SS-Führer Himmler war verklemmter Einzelgänger, Sobibor 1943: Aufstand in der Hölle

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