Rechtsextremisten widersprechen sich vor Gericht: Afrodeutscher Jugendlicher freigesprochen

Am Amtsgericht Rathenow hat am 20. Januar 2009 ein Gerichtsprozess gegen den afrodeutschen Jugendlichen M. aus Rathenow stattgefunden. Die stadtbekannte Rechtsextremisten Silvio W. und Fabian H. hatten den Jugendlichen laut einem Bericht der Opferperspektive bewusst falsch beschuldigt. Angeblich hatte M. einen der Rechtsextremisten getreten, geschlagen und mit Pfefferspray angegriffen. Dabei war M. den Angaben zufolge in den Morgenstunden des 8. September 2007 selbst zweifach Opfer eines rechtsextremen Angriffs geworden: M. war mit seiner Freundin vom Rathenower Stadtfest auf dem Weg nach Hause, als er innerhalb weniger Minuten unmittelbar vor seiner Wohnung zweimal angegriffen wurde. Zur selben Zeit kam es auf dem Stadtfest zu mehreren Auseinandersetzungen zwischen rechtsextremen und antifaschistischen Jugendlichen, an denen M. jedoch nicht beteiligt war.

Wie sich nun herausstellte, konnten die verletzten Rechtsextremisten keinen ihrer Angreifer erkennen. Dies hätten sie auch am Tatabend bei der Polizei so angegeben, berichtet die Opferperspektive. In der drei Wochen später stattfindenden Nachvernehmung konnten sich die Rechten demnach jedoch plötzlich sehr genau erinnern und benannten M. namentlich als den vermeintlichen Schläger. Im Gerichtssaal seien diese Anschuldigungen jedoch wie Kartenhäuser in sich zusammengefallen. Die Aussagen waren offensichtlich schlecht abgesprochen und so widersprüchlich, dass das Urteil für M. Freispruch war. Nun wird es möglicherweise rechtliche Konsequenzen für die beiden Rechtsextremisten geben.

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