Templin-Mord: Prozess gegen Rechtsextreme vertagt

Der Prozess gegen zwei Rechtsextremisten vor dem Landgericht Neuruppin ist direkt nach dem Auftakt vertagt worden. Nach einem Bericht der Berliner Morgenpost hatte die Verteidigung gleich nach dem Verlesen der Anklageschrift moniert, dass nicht alle Ermittlungsergebnisse vorlägen. Unter anderem fehlte demnach die Auswertung der DNA-Spuren am Tatort. Das Gericht räumte der Staatsanwaltschaft drei Tage ein, die Ergebnisse nachzureichen. Der Prozess soll am 26. Januar 2008 fortgesetzt werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 19-jährigen Sven P. und dem drei Jahre älteren Christian W. Mord aus niederen Beweggründen und Mordlust vor. Beide sollen am 22. Juli 2008 zusammen mit ihrem Opfer in dessen Werkstatt Alkohol getrunken haben. Angetrieben von ihrer rechtsextremen Gesinnung, sollen sie Bernd K. immer wieder beschimpft haben. Als der betrunkene 55-Jährige (2,6 Promille) nicht woanders weiterzechen wollte, so die Anklage, beschlossen sie, ihn wegen „Befehlsverweigerung“ zu bestrafen und hätten auf ihn eingeprügelt. Selbst als es schon am Boden gelegen und stark geblutet habe, hätten die Männer weiter auf ihr Opfer eingetreten. Nach Aussagen der Staatsanwaltschaft blieb im Gesicht des 55-Jährigen nicht ein Kochen heil. Anschließend sollen sie ihn mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und versucht haben, ihn anzuzünden. W. soll gebrüllt haben: „Du Vieh, du Penner, beweg deinen Arsch!“ P. soll laut Anklage währenddessen beschlossen haben, den Mann umzubringen. „Er wollte ausprobieren, wie ein Mensch stirbt“, so Staatsanwalt Kai Clement. Bernd K. sei an seinem eingeatmeten Blut erstickt.

Das Tatmotiv ist laut Clement in der rechtsextremen Gesinnung der Angeklagten begründet. Sie sollen K. verachtet haben, weil er arbeitslos und alkoholabhängig war und im Obdachlosenheim lebte.

Die Märkische Allgemeine veröffentlichte einen lesenswerten Bericht vom ersten Prozesstag.

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