NPD-Machtkampf: Bräuniger springt Voigt zur Seite

Neuer Schachzug im NPD-Machtkampf: Nun hat sich vom klassischen NS-Flügel der Partei NPD-Bundesgeschäftsführer Eckart Bräuniger mit einer Erklärung auf der selbst ernannten Bild-Zeitung des „Nationalen Widerstands“ zu Wort gemeldet, mit Schelte für die NPD-Fraktionschefs von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, Holger Apfel und Udo Pastörs, die hinter dem Rücken von Parteichef Udo Voigt gemeinsam Andreas Molau als Gegenkandidaten installiert haben.

Bräuniger wirft vor allem Pastörs vor, nicht an einer konstruktiven Lösung der internen Krise in Folge des Kemna-Skandals interessiert gewesen zu sein: „Zunächst brachte sich Udo Pasteurs in Position, als er auf dem Bundesparteitag in Bamberg als erster die politische Verantwortung für die Kemna-Affaire betonte. Dann fuhr Udo Pastörs mit der Unsitte fort, eine eigene mögliche Kandidatur nicht etwa gerade und frei heraus anzukündigen, sondern mittels geschickt hingeworfener Bemerkungen die Presse des Systems darüber mutmaßen zu lassen.“

„Musterstück politischer Intrige, persönliche Niedertracht und Verarschung“

Nachdem Pasteu/örs also sein Fett wegbekommen hat, ist Peter Marx an der Reihe: „Die Krone aber setzte Peter Marx dem ganzen auf, als er in der Systempresse einen „Tipp“ abgab, dass nun bestimmt Holger Apfel der kommende Parteivorsitzende würde.“ Dies sei eine bewusste Täuschung der „nationalen Öffentlichkeit“ gewesen, der dann Andreas Molau als Gegenkandidaten zu Udo Voigt präsentiert worden sei, so Bräuniger weiter.

 Und weiter geht es in der Abrechnung mit Marx:

„Betrachtet man weiterhin, dass Andreas Molau bereits vor Monaten mit einer zumindest fadenscheinigen Begründung den Parteivorstand verlassen hat, drängt sich mir der Verdacht auf, dass es sich bei dem Mummenschanz der letzten Wochen und Monate um ein durch Peter Marx von langer Hand geplantes Musterstück politischer Intrige, persönlicher Niedertracht und Verarschung der Basis zugunsten eigener Vorteile handelt, bei dem letztlich Andreas Molau in den Vordergrund geschoben wurde. Choreographie Eins, Charakter Sechs!

So lobt sich dann Peter Marx noch, als Drahtzieher des Ganzen aufgetreten zu sein. Richtig, so wie wir seinen Typus kennen: der ewige Einflüsterer und Strippenzieher im Dunkeln, in äußerlich jovialer Erscheinung, wandelbar wie eine Schlange und glitschig wie ein Aal.“

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 Was haben Aale mit Antisemitismus zu tun?

Es gab ein Klischee, das Aale auf Juden bezog. Dazu gehörte ihr Wimmeln, und dass man so wenig über ihre Herkunft und die Ziele ihrer Wanderschaft wusste. Martin Walser hat in seinem Roman „Tod eines Kritikers“ die Hauptfigur als Aal beschrieben. Damit war Marcel Reich-Ranicki gemeint, Jude und Literaturkritiker. Und in Berlin lebte die jüdische Familie Aal, die von den Nazis ins KZ geschickt wurde; der Name Aal führt das Berliner Gedenkbuch der Opfer des Nationalsozialismus an. Aber es gibt auch indirekte Zusammenhänge. So hat Sigmund Freud, Jude und Begründer der Psychoanalyse, mit nur 21 Jahren seine erste große wissenschaftliche Arbeit über die Hoden des Aals geschrieben, die sogar in den „Mitteilungen der österreichischen Akademie der Wissenschaften“ veröffentlicht wurden . Die Triebkraft dafür war das antisemitische Milieu, in dem die Familie in Mähren und dann in Wien gelebt hat. Freuds Vater wurde immer wieder von Christen gehänselt und drangsaliert und hat das seinem Sohn erzählt, der in der Schule und auf der Uni selbst auf antisemitische Vorbehalte stieß. Um solche Demütigungen zu kompensieren, hat der Student Sigmund Freud eine ausgesprochene Ruhmsucht an den Tag gelegt. Zum Beispiel hat er sich in Briefen selbst als Hannibal bezeichnet. Und wo konnte er als junger Anatom viel Lob ernten? Mit der Erforschung der geheimnisvollen Fortpflanzung der Aale. Also suchte er nach den Hoden der Männchen.

Aus einem Interview der Berliner Zeitung mit Dietmar Bartz. Siehe dazu auch tazblog.

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Weiterhin zählt Bräuniger die Verbündeten von Marx auf:

„Als seine Mittelsmänner in Sachsen haben sich nunmehr Holger Apfel und Sascha Roßmüller zu erkennen gegeben. In Mecklenburg nehmen diese Rolle Udo Pastörs und Stefan Köster ein und in der Parteizentrale in Berlin vertritt Manfred Börm die Interessen dieser Gruppierung. Im Saarland ist es der dortige Landesvorsitzende Frank Franz aber bundesweit sind weitere Mitmacher und Mitläufer in hohen und höheren Funktionen der Landesverbände.“

Bräuniger vermutet hinter der Intrige gegen Voigt nicht nur den Skandal um dessen langjährigen Vertrauten Erwin Kemna, sondern auch strategische Überlegungen:

„Lange schon war in der Partei ein unterschwellig brodelnder Widerspruch der Ansichten über Kurs und Weg der Partei zu verspüren gewesen, der sich in den letzten zwei Jahren an einzelnen Punkten immer stärker bemerkbar machte.

Die Bestrebungen von Holger Apfel, Jürgen Gansel, Sascha Roßmüller und Andreas Molau, eine Konzentration auf einzelne und ausgesuchte soziale Kernaussagen in Verbindung mit einer zusehenden Beschränkung auf die Kritik des Islamismus und der Globalisierung zur Erschließung weiterer Wählerpotentiale aus dem konservativ-bürgerlichen Lager zu vollziehen, trafen beispielsweise deswegen auf Widerstand, weil sie zugleich ein für die Partei verbindliches anderes Auftreten forderten.

Dieses war nun nicht die Sache bestimmter Teile der Basis und es wurde als Ungerechtigkeit empfunden, wenn beispielsweise der Begriff des „Nationalen Sozialismus“ nur dann zu verwenden wäre, wenn einige NPD-Politikern dies für sinnvoll erachteten, sonst jedoch in der öffentlichen Meinungsbekundung der Partei nicht vorkommen sollte.“

Auf den Begriff Nationaler Sozialismus will Bräuniger also nicht verzichten, Molau aber wohl schon, wenn er neurechte, nationalistische Wähler ansprechen will (wie groß dieses Potenzial auch immer überhaupt ist. Die Rechtsextremisten tun gerne so, als seien hier mehrere Prozent der Wählerstimmen zu holen, dies erscheint aber äußerst zweifelhaft.)

Zank um Rieger

Nun geht es um den nächsten Streitpunkt: Jürgen Rieger. Dazu schreibt Bräuniger:

Es muss im Verhältnis der sächsischen Funktionsträger zu diesem irgendwann einen Knack gegeben haben, denn als sie den damaligen Wahlkampf führten, war von der heute bemerkbaren Spannung noch nichts zu spüren.

Ebenso bei Andreas Molau, der noch im Niedersachsenwahlkampf beim Geldentgegennehmen kein Problem mit Jürgen Rieger zu haben schien, sondern dieses erst nach Bamberg entdeckte. Und was sich in früheren Zeiten zwischen den „Völkischen“ um Udo Pastörs und den um Jürgen Rieger abgespielt hat, entzieht sich meiner Kenntnis. Alle eint aber nun die Ablehnung der Person Jürgen Riegers und vielleicht ist das mit ein Grund, sich nun gegen Udo Voigt zu stellen, weil der sich hinter Jürgen Rieger stellte. Aber auch das hat mit der parteiinternen Finanzkrise als Ursache wenige gemein.

Bräuniger, laut Medienberichten ein ehemaliger Söldner im Kroatien-Krieg, schreibt weiter:

„Da soll der Generalsekretär Peter Marx auf dem Neujahrsempfang geprahlt haben, „…demnächst in die Parteizentrale zu kommen, um die Beschäftigten darauf hinzuweisen, dass sie für die Partei und nicht für Udo arbeiten…“ Soll er mal machen, da warte ich schon drauf. Vielleicht erkläre ich ihm dann auf meine Weise, dass er für die Partei und nicht für Andreas Molau zu arbeiten hat.“

Was „meine Weise“ bedeutet, klärt der ehemalige FAP-Kader nicht auf. Doch vor einigen Wochen war es in der Landtagsfraktion in Sachsen bereits zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen einem Ex-Terroristen, der dort als parlamentarischer Berater angestellt ist, sowie Jürgen Gansel gekommen.

„Voigt gesundheitlich angeschlagen“

Weiterhin wirft Bräuniger den Voigt-Gegner vor, sie nutzten dessen „angeschlagenen Gesundheitszustand“ aus, da Voigt sich vorübergehend auf Kur befand. Zudem betont Bräuniger, dass noch gar keine Halle für einen Sonderparteitag in Sicht sei.

Und noch mehr angebliche Details gibt Bräuniger zum Besten, der zum Anfang seiner Erklärung noch über die öffentlich ausgetragene Schlammschlacht lamentierte:

Hinter Andreas Molau steckt bzw. steht bekannter- und bekennendermaßen die ominöse Erscheinung eines gewissen Patrick Brinkmann, Geschäftsmann aus Schweden, Initiator der „Kontinent Europa Stiftung“. Vor dem Offenkundigwerden der Kandidatur Andreas Molaus waren nahezu alle hochrangigen Funktionäre der Partei, angefangen von Holger Apfel über Peter Marx und Udo Pasteurs bei ihm in seiner Berliner Villa zu Gast. Er soll sage und schreibe 20 Millionen Euro Unterstützung geboten haben, wenn Andreas Molau Parteivorsitzender wird. Nun ist es nicht so, dass seit den Wahlkämpfen im Niedersachsen und der Geschichte mit Rauen irgendjemand, der bei klarem Verstand ist, auch nur einen Pfifferling auf das gibt, was der „Schwede“ sagt. Diese Erkenntnis scheint sich leider noch nicht bei allen Parteifunktionären, insbesondere nicht bei Peter Marx herumgesprochen zu haben.

Und weiter:

Mit Udo Voigt konnte man wenigstens klar reden und ihn darauf hinweisen, was schlecht oder gar nicht gelaufen ist. Nun frage ich: Wie soll man mit denen reden können, die sich zur Zeit in derartiger Weise hervortun? Die ihre Posten in den Fraktionen nicht zuletzt auch Udo Voigts Einsatz verdanken und nun derartig einen loslassen. Z.B. ein Andreas Molau, der sich mit Holger Apfel derartig überwarf, dass er wohl bereits die Partei verlassen wollte und durch Udo Voigt bei Patrick Brinkmann eine Arbeit gefunden hat?

Zudem beklagt Bräuniger eine „Liberalisierung der Parteimitgliedschaft gegenüber Hochstaplern, Homosexuellen, Juden und Ausländern“.

Bräuniger schließt seine Erklärung mit den Sätzen:

Über alles hätte man reden können, nicht aber über derartige Hinterhältigkeiten und Unredlichkeiten. Neuwahlen und Personalveränderungen wären normal. Rattenhaftes Verhalten aber ist das Letzte und selbst wenn Andreas Molau nicht an den Spielchen eines Marx und Börm beteiligt sein sollte, müsste er sich überlegen, mit wem er sich umgibt. Loyalität und Kameradschaft sind die Säulen, auf denen unsere Gemeinschaft beruhen sollte. Obwohl selbst schon wütend und ein Stück von Udo Voigt entfernt, kehren wir jetzt angesichts dieser Entscheidung zwischen ihm und Andreas Molau zurück und unterstützen angesichts der Heimtücke mit aller Kraft Udo Voigt.

Der NS-Flügel der NPD will die Partei erwartungsgemäß nicht einfach aufgeben. Sollte es keinen Sonderparteitag geben, da die NPD einmal mehr keine Halle organisieren kann, wird Voigt im Amt bleiben, die Kooperation mit den Fraktionen aber größtenteils lahm liegen. Sollte Molau zum Parteichef werden, wird der NS-Flügel die neurechte Strategie soweit wie möglich torpedieren. Die Partei steckt in der strategischen Sackgasse, in die sie selbst manövriert hat.

Siehe auch: Molau begrüßt Wahl von Faust zum DVU-Chef, Machtwechsel bei DVU und NPD: Frey zieht sich zurück, Voigt droht die AbwahlNPD-Machtkampf: Molau betont erneut Distanz zu militanten Neonazis, Ist die NPD erledigt?, Frey zieht sich zurück: DVU bald unter neuer Führung, Die rechtsextreme Bewegung ist nicht auf die NPD zu reduzieren, Wer übernimmt die Vogtei von Berlin-Köpenick?, Die NPD zwischen Pragmatismus und Propaganda, Erledigt sich die NPD selbst?, “Autonome Nationalisten”: Neues Outfit, alter Hass