“Gewaltanwendung gegen Kommilitonen”: NPD-Funktionär Matthes exmatrikuliert

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz hat den NPD-Funktionär Mario Matthes nun doch exmatrikuliert. Matthes hatte einen Kommilitonen auf dem Uni-Gelände bespuckt und mit Tritten schwer verletzt.

In einer Stellungnahme der Uni heißt es, man widerrufedie Einschreibung eines Studierenden mit Ablauf des Wintersemesters 2008/09. Innerhalb einer Frist von sechs Monaten sei eine erneute Einschreibung an der Johannes Gutenberg-Universität ausgeschlossen. Der Studierende hatte als Mittäter durch Anwendung von Gewalt oder durch Bedrohung mit Gewalt die Durchführung einer Hochschulveranstaltung behindert und hat ebenfalls durch Gewaltanwendung einen Kommilitonen von der Ausübung seiner Rechte und Pflichten abgehalten. „Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz steht für Vielfalt, Toleranz und Mitmenschlichkeit“, erklärt der Präsident der
Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Univ.-Prof. Dr. Georg Krausch, „wir dulden keine Gewalt an unserer Hochschule. Es liegt daher im Interesse der Universität, derartige disziplinarische Maßnahmen in aller Entschiedenheit und Konsequenz durchzuführen.“

Elf Monate Haft auf Bewährung

Durch sein Verhalten habe der Studierende das Ansehen der Universität und der Studierendenschaft sowie den universitären Frieden nachhaltig gestört, so der Präsident weiter. Aus diesem Anlass hatte sich die Hochschulleitung an den Exmatrikulationsausschuss gewandt. Dieser Ausschuss unter externer Leitung mit auch externen Mitgliedern prüfte und bestätigte, dass die Voraussetzungen des § 69 Hochschulgesetz vorliegen, die zur Aufhebung der Einschreibung erforderlich sind. An die Entscheidung dieses unabhängigen Ausschusses ist die Hochschulleitung rechtlich gebunden.

Matthes war wegen gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung vom Mainzer Amtsgericht im Dezember 2008 zu elf Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 300 Euro verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der stellvertretende Landesvorsitzende der NPD Hessen, der in Mainz Geschichte studiert, im Januar 2008 einen gleichaltrigen Kommilitonen auf dem Campus verprügelt hatte. Das Opfer verlor dabei einen Schneidezahn und erlitt Prellungen. Seine Oberlippe musste doppelt genäht werden.

Zusätzliche Geldstrafe für Anspucken

Im August 2008 war der NPD-Aktivist per Strafbefehl wegen der Attacke zu elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden und dagegen angegangen. Bei der erneuten Verhandlung blieb es zwar bei der Strafe, allerdings war der Richterin zu Ohren gekommen, dass der Angeklagte den Studenten auch angespuckt hatte. Das wurde demnach zusätzlich mit der Geldstrafe geahndet.

Der Angeklagte – ein aktiver Kick-Boxer – gab vor Gericht erneut an, er und seine Kameraden seien von dem Kommilitonen nach einer NPD-Gegendemonstration Wochen vor dem Zusammentreffen auf dem Uni-Campus verhöhnt und mit Bier begossen worden. Am Tattag in der Uni-Bibliothek habe der Student eine abfällige Bemerkung gemacht. “Da habe ich gespuckt und ihn nach draußen gebeten.” Auf einem Parkplatz habe der Mann ihn dann zuerst geschlagen. Das 24-jährige Opfer bezeichnete Matthes als Aggressor. “Ich wollte mit ihm reden und keine Schlägerei, aber er boxte mir sofort ins Gesicht und trat mir gegen den Oberschenkel!” Als er am Boden lag, habe der Angeklagte weiter “wie von Sinnen auf ihn eingetreten”. Nach der Tracht Prügel habe der Angeklagte gesagt: “Respekt, dass du mit mir nach draußen gegangen bist!”

Rüge des Exmatrikulationsausschusses

Wegen des Vorfalls war an der Mainzer Uni bereits geprüft worden, ob der NPD-Funktionär vom Lehrbetrieb auszuschließen sei. Der Exmatrikulationsausschuss hatte jedoch lediglich eine Rüge gegen ihn ausgesprochen. Matthes ist laut einem Bericht des Asta der Uni Mainz bereits seit vielen Jahren in der regionalen Neoazi-Szene aktiv. Außerdem habe Matthes auf Platz acht der NPD-Liste zur Landtagswahl 2006 in Rheinland-Pfalz kandidiert. Neben seinen Aktivitäten in der NPD leitet Matthes laut dem Asta Mainz auch die lokale Kameradschaft, die auf einer von ihm angemeldeten Internet-Seite firmiert. Die Domain ist laut Denic tatsächlich auf seinen Namen registriert. Mit seiner Verurteilung knüpft Matthes an die Vorstrafen von anderen hessischen NPD-Funktionären und anderen Neonazi-Kadern an.

Siehe auch: NPD-Funktionär muss zu Haft auf Bewährung auch noch Geldstrafe zahlenHessen: NPD-Funktionär möchte “alle Juden human erschießen”, Hessen: NPD-Vize wegen schwerer Körperverletzung verurteilt, Die NPD und die Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung, Video von NPD-Aufmarsch: Daniel Cohn-Bendit “an die Wand stellen”, Hessen: Ex-”Volksfront-Medien”-Macher aus Nazi-Szene ausgestiegenHessen-NPD marschiert: “Cohn-Bendit an die Wand stellen”, Hessen: Jüdischer Friedhof geschändet, Hessen: NPD-Vize wegen schwerer Körperverletzung verurteilt