Prozess nach Rechtsrockkonzert in Pößneck: Angeklagter Neonazi ist Mitarbeiter an Göttinger Gymnasium

Auch nach knapp vier Jahren beschäftigen die Geschehnisse rund um den Landesparteitag der NPD Thüringen im Pößnecker Schützenhaus weiterhin die Justiz. Bereits im Oktober 2008 hatte vor dem Amtsgericht Pößneck der Prozess gegen einen 30-jährigen Neonazi aus Göttngen und einen 32 Jahre alten Mann aus Oberkaufungen begonnen. Die Angeklagten müssen sich wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht verantworten, weil sie mit drei anderen Tätern einen weiteren Mann angegriffen, geschlagen und getreten haben sollen.

Von Kai Budler

Die Ereignisse spielten sich im Anschluss an den Landesparteitag bei einem Rechtsrockkonzert im örtlichen Schützenhaus ab, das sich im Besitz des Neonazi-Anwalts Jürgen Rieger befindet. Auf der Bühne standen zwei englische Bands, Gegenschlag, das niedersächsische Trio Agitator und als Hauptakt Michael Regener, der als ehemaliger Sänger der Band Landser wenige Tage später seine Haftstrafe antreten musste.

Zu dem Konzert angereist waren etwa 1000 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet und dem angrenzenden Ausland, darunter offenbar auch das heute 30-jährige Mitglied der Göttinger NPD, Marco B. Das geht aus einer anonymen Pressemitteilung hervor. Während der in einem Göttinger Vorort lebende Neonazi in seiner Freizeit Aufmärsche und Rechtsrock-Konzerte besucht, verdient er seinen Lebenunterhalt an einem städtischen Gymnasium in der Göttinger Innenstadt: Die Schulhomepage weist ihn als „Schulassistenten“ aus.

Mit seinen persönlichen Kontakten zu Neonazi-Größen wie Thorsten Heise im thüringischen Fretterode und dem rechtsextremen Liedermacher Michael Müller aus dem Harz, für den Marco B. ein Solidaritätskonto eingerichtet hatte, scheint der Schulassistent das ideale Bindeglied zwischen der neonazistischen Kameradschaftsszene und der NPD in Südniedersachsen zu sein. Recherchefotos aus Göttinger Antifakreisen zeigen den 30-Jährigen u.a. bei Neonazi-Aufmärschen am 1. Mai 2008 in Hamburg und im November desselben Jahres in Fulda an der Seite von Thorsten Heise. Auf dessen Anwesen in Fretterode nimmt Marco B. auch regelmäßig an den Treffen der Kameradschaft Northeim teil. In diesem Rahmen sind dort immer wieder hochrangige Neonazis zu Gast wie im vergangenen Jahr u.a. Jürgen Rieger, Eckhard Bräuniger vom Bundesvorstand der NPD und der Chef der NPD-Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern Udo Patörs. Hoher Besuch bei den Treffen der etwa 40-köpfigen Kameradschaft, von der nach Polizeiangaben mehr als ein Drittel aus dem Bereich Einbeck bei Göttingen stammt.

Kein Wunder also, dass Marco B. auch Kontakte zu Neonazis aus diesen Kreisen hat, aus denen mindestens zwei Personen stammen, die Ende November 2008 an einer Auseinandersetzung mit einer Pumgun in Göttingen beteiligt waren. Zum Bekanntenkreis des 30-Jährigen gehört ebenso ein 2007 wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilter Neonazi, mit dem B. 2005 einen Aufmarsch in Magdeburg besucht hatte. Der heute 25 Jahre alte Marc Phillip S. verbüßt zurzeit eine Haftstrafe in Sehnde, weil er einem Aussteiger mehrmals mit einem Teleskopschlagstock von hinten auf den Kopf geschlagen hatte.

Siehe auch: Niedersachsen: Neonazis unter Waffen, Südniedersächsische Neonazi-Szene nach Waffenfunden im Visier, Polizei stellt bei Hausdurchsuchungen Waffenarsenal sicher, Rechtsextreme beim Table-Dance mit Pumpgun und Brandsätzen, Göttingen: Spekulationen um Brand in Afro-Shop, Debatte: Brutalisierung und Modernisierung bei Neonazis?, Niedersachsen: Kein Neonazi-Schwerpunkt im Südharz?

3 thoughts on “Prozess nach Rechtsrockkonzert in Pößneck: Angeklagter Neonazi ist Mitarbeiter an Göttinger Gymnasium

  1. habt ihr denn dort mal um eine stellungnahme gebeten? das wäre schon interessant, was die Schulleitung dazu sagt, bzw. was jetzt die Konsequenzen sein werden.

    Adressen gelöscht
    MODNPD-BLOG

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