Mädchen fast totgeschlagen: 27 Monate Haft für Neonazi Kevin S.

Das Landgericht Kassel hat den Neonazi Kevin S. am 12. Januar 2008 wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung zu zwei Jahren und drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Trotz erheblichen Alkoholkonsums zum Tatzeitpunkt sei der Mann nach Angaben des Gerichts voll schuldfähig. Er hatte zugegeben, dass er im Juli 2008 in einem Zelt mit einer Glasflasche und einem Klappspaten auf zwei Schlafende eingeschlagen hatte.

Der vorsitzende Richter bezeichnete Kevin S. als Ideengeber des Überfalls, der bei der Ausführung überlegt und planvoll vorgegangen sei. Auch die motorische Leistung und die nur wenigen Gedächtnislücken sprächen gegen eine verminderte Schuldfähigkeit. Die von Kevin S. gewählte Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung stehe im Bereich der niedrigen Beweggründe sittlich auf einer der untersten Stufen. Einen von Kevin S. angeregten Täter Opfer Ausgleich lehnte das Gericht ab, da er neben der Haftstrafe nicht vorgesehen sei.

Ein 13-jähriges Mädchen und ihr zehn Jahre älterer Bruder wurden verletzt, das Mädchen schwer. Das Urteil entsprach der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger, der NPD-Politiker Dirk Waldschmidt, hatte sich gegen eine Haftstrafe ausgesprochen.

Thomas Kämmer, der Rechtsbeistand der Opferfamilie, hatte vor dem Prozess auf den vorläufigen Arztbericht vom 21. Juli 2008 als auch auf eine oberärztliche Stellungnahme vom 29. September 2008 vom Universitätsklinikum Marburg hingewiesen. Darin wurde eindeutig festgestellt, dass bei dem 13-jährigen Mädchen eine “potentiell lebensbedrohliche Erkrankung” vorlag.

Vier Komplizen von Kevin S. waren bereits im Dezember vom Amtsgericht Schwalmstadt zu Geld- und Bewährungsstrafen verurteilt worden. Die vier 19- bis 24-jährigen Männer, darunter zwei aus der rechten Szene, waren mit dem Verurteilten in das Zeltlager gefahren, hatten dort aber nur Autos demoliert und ein Banner gestohlen.

Siehe auch: Überfall auf 13-Jährige: Zwei Jahre Haft für Neonazi Kevin S. gefordert, “Nüchtern hätte ich das nie gemacht” – Prozessauftakt gegen Kevin S., Fall Kevin S.: Opfer-Familie will Anklage wegen versuchten Totschlags erreichen, Video von NPD-Aufmarsch: Daniel Cohn-Bendit “an die Wand stellen”, Hessen: Ex-”Volksfront-Medien”-Macher aus Nazi-Szene ausgestiegenHessen-NPD marschiert: “Cohn-Bendit an die Wand stellen”, Hessen: Offenbar erneut brutaler Nazi-ÜberfallHessen: Staatsanwaltschaft prüft Anklage wegen versuchten Mordes,   Nazi-Überfall in Hessen: 13-Jährige schwer verletzt, Täter aus NPD-Umfeld, Hessen: Keine organisierte Nazi-Szene?!?, Angriffe auf jugendliche Camper: “In Buchenwald, da machen wir die Juden kalt”, Nazi-Überfall: 13-Jährige außer Lebensgefahr

8 thoughts on “Mädchen fast totgeschlagen: 27 Monate Haft für Neonazi Kevin S.

  1. Es ist mir unbegreiflich wie er nur wegen gefährlicher körperverletzung verurteilt werden konnte
    Wenn man mit einem Klappspaten auf ein schlafendes 13-Jähriges Mädchen eindrischt dann ist das in meinen Augen versuchter Mord.
    Und die Strafe von 27 monaten ist auch viel zu wenig

  2. Der Neonazi Kevin S. fällt mit seinen 19 Jahren unter das Jugendstrafrecht.
    Aus der Sicht sind die 27 Monate eine angemessene Strafe.

  3. Die Brutalität der Tathandlung spricht sicher für sich – aber Herr S. ist Ersttäter und war geständig. Wer sich ein wenig mit Strafprozeßrecht auskennt (und den Prozeß verfolgt hat) sieht sofort, dass eine Jugendstrafe ohne Bewährung vor diesem Hintergrund (und bei dem Ergebnis „gefährliche Körperverletzung“) eher die Ausnahme als die Regel darstellt und im Grunde ein vernünftiges Ergebnis ist. Versuchter Mord war es deshalb nicht, weil die Verletzungsfolgen wohl schwer aber nicht so gravierend waren, dass man die Aussage von S., er habe seine Opfer nicht töten wollen nicht wiederlegen konnte.

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