FPÖ-Funktionäre kaufen offenbar Neonazi-Artikel: “Aufruhr-Versand wäre in Österreich verboten”

Der Standard berichtete am 09. Januar 2009 im Zusammenhang mit Anschuldigungen gegen FPÖ-Funktionäre über den Aufruhr-Versand aus Wismar. Die Neonazi-Szene könne sich bei dem deutschen Versandhandel mit Devotionalien aller Art eindecken. Die österreichische Debatte über die Einkäufe der Mitarbeiter des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf (FPÖ) hatte man in Wismar offenbar noch nicht mitbekommen. Der Grüne Karl Öllinger hatte Bestelllisten der blauen Parlamentsmitarbeiter Sebastian Ploner und Marcus Vetter aus den Jahren 2003 bis 2005 veröffentlicht, die ihm von Hackern zugespielt wurden. Demnach wurden Reichskriegsflaggen, Hemden mit dem Aufdruck „White Power“, das Werk „National Knights of the Ku Klux Klan“ oder Fahnen mit dem Schriftzug „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“ geordert. In Summe soll das Auftragsvolumen mehr als 800 Euro betragen haben. Interessant dabei: Als Lieferland wurde bei einer Bestellung „Ostmark“ angegeben.

Die FPÖ bestreitet die Echtheit der Listen. Ploner und Vetter, hätten nur „unbedenkliche“ T-Shirts bestellt. In einschlägigen Kreisen sind Grafs Mitarbeiter aber bereits wiederholt aufgefallen. Ploner war ebenso wie Grafs Büroleiter Walter Asperl Organisator von Jugend-Sommerlagern, die vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW) als „rechtsextrem“ eingestuft wurden. In Österreich wäre auch der Aufruhr-Versand eindeutig neonazistisch und damit zu verbieten, heißt es beim DÖW.

Die Mitarbeiterin am Aufruhr-Telefon betonte gegenüber dem Blatt, man biete nichts an, was in Deutschland illegal sei. Man werde laufend von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien beobachtet und halte sich daran, wenn diese Prüfstelle etwas verbiete. Dennoch sind auch aktuell eindeutige Neonazi-Devotionalien erhältlich – etwa T-Shirts mit dem Aufdruck „88“ oder „14“.

„Ein Gutteil der Mitarbeiter“ von Martin Graf sei „auch Schlagende beziehungsweise Rechtsextreme mit deutlichen Positionen“, hatte der Grüne Karl Öllinger laut Standard den Freiheitlichen für seine Personalauswahl kritisiert. Walter Asperl etwa, Büroleiter von Graf, sei ebenfalls Mitglied der Olympia und habe 2006 noch „als Kontaktadresse für ein rechtsextremes Sommerlager fungiert“, erklärte Öllinger demnach. Mittlerweile nenne sich das Camp „Jugendbund Sturmadler“, in dem der Nachwuchs laut Öllinger in „HJ-Manier“ gedrillt werde. Auch bei der Olympia und einst Mitorganisator der Sommerlager: Sebastian Ploner, der in Grafs Büro für den Internet-Auftritt zuständig ist. Zudem sei Ploner während seiner Zeit an der Theresianischen Militärakademie „Besteller beim neonazistischen ‚Aufruhr‘-Versand“ gewesen, hat Öllinger herausgefunden.

Weitere Recherchen des Grünen ergaben, dass Marcus Vetter, auch ein Mitarbeiter Grafs, unter anderem damit „aufgefallen“ sei, „auf dem Wiener Zentralfriedhof mit dem Neonazi Gottfried Küssel aufzumarschieren – und zwar anlässlich des jährlichen Gedenkens an den NS-Fliegermajor Walter Nowotny“. Und Hubert Keyl, Grafs Fahrer und Referent für diverse Ausschüsse, sei Mitglied bei der schlagenden Albia, so Öllinger weiter. Graf selbst sagte laut Standard zu seinem Team nur: „Das ist die übliche Menschenhatz der Grünen gegenüber Freiheitlichen.“

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