Hessen: Rechtsextreme rüsten sich zur Landtagswahl

Der blick nach rechts berichtet in seiner Ausgabe 01/2009 unter anderem über den Wahlkampf der NPD in Hessen. Der bnr kann hier als Abo bestellt werden. NPD-BLOG.INFO veröffentlicht diesen Artikel mit freundlicher Genehmigung des bnr.

Von Tomas Sager

Die hessische NPD ist bescheiden geworden. Hatte man vor einem Jahr den Wählern noch ein „Sofortprogramm“ der „künftigen NPD-Fraktion im Hessischen Landtag“ präsentiert, so setzt der Landesvorsitzende Jörg Krebs diesmal nur noch darauf, am 18. Januar die größte unter den Splitterparteien zu werden. Der NPD sei es in der Kürze der Zeit gelungen, mehr Direktkandidaten aufzustellen als die Freien Wähler und die Republikaner, meint Krebs, und schöpft daraus die Zuversicht, „dass es der NPD gelingen könnte, wenigstens diese beiden Gruppierungen hinter sich zu lassen“.

Tatsächlich schaffte es die NPD, nicht nur für ihre Landesliste die Unterstützungsunterschriften beizubringen, sondern auch für 34 Direktkandidaten. Damit wird sie in fast zwei Drittel der 55 Wahlkreise auch mit der Erststimme wählbar sein. Wegen formaler Fehler bei der Kandidatenaufstellung scheiterte die NPD in vier weiteren Wahlkreisen. Die Republikaner haben lediglich in 14 Wahlkreisen Direktkandidaten nominieren können. Bei der Wahl 2008 war das Kräfteverhältnis noch umgekehrt: Seinerzeit stellten die Republikaner in 50 Wahlkreisen Kandidaten auf, die NPD nur in 38.

Personell setzen die Republikaner auf Kontinuität. Wie 2008 stehen der Landeschef Haymo Hoch (55) aus Zwingenberg und Mark Olaf Enderes (44) auf den ersten Plätzen der Landesliste. Hoch ist bereits zum vierten Mal Spitzenkandidat. Bei der NPD hingegen gab’s Veränderungen. Die ersten drei der Landesliste von 2008, Doris Zutt, Dirk Waldschmidt und Marcel Wöll, fehlen diesmal, weil sie umgezogen sind beziehungsweise sich zurückgezogen haben. Angeführt wird die Liste von Krebs, der dem Frankfurter Stadtrat angehört, und dem Wetterauer Kreistagsabgeordneten Volker Sachs. Auf Platz 3 findet sich mit Ursula Schäfer (Vogelsbergkreis) die erste Vertreterin der DVU. Deren Landesvorsitzender Gerald Wissler steht auf Platz 6, gefolgt von Nicole Becker, die zu den „parteifreien“ Neonazis gerechnet wird. Sie ist eine der Initiatorinnen der Sanitätertruppe „Ersthelfer“ und war Anmelderin eines Neonaziaufmarschs im Herbst 2007 in Wetzlar.

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