Frey zieht sich zurück: DVU bald unter neuer Führung

Das rechtsextreme Lager liebt die Konspiration: Am kommenden Sonntag, den 11. Januar 2008, wird die rechtsextreme DVU ihren Bundesparteitag abhalten – doch bis heute wissen selbst hochrangige Vorstandmitglieder der Kaderpartei nicht, wo der Parteikonvent stattfinden wird. Angereist wird per Bus und nur ein Führungsfunktionär wird beim Start wissen, wohin die Reise geht.

Dabei stehen außerordentlich wichtige Entscheidungen auf der Tagesordnung: Der millionenschwere rechtsextreme Verleger Gerhard Frey (75) wird nach langen Jahren an der Spitze der Partei seinen Hut nehmen und sich aufs politische Altenteil zurückziehen. Als Nachfolger vorgesehen ist der rechtsextreme Aktivist Matthias Faust. Der gelernte Kaufmann aus Hamburg hat eine verwundene politische Karriere hinter sich: Im Alter von 15 Jahren engagierte sich der heute 37-Jährige bei der CDU-Nachwuchsorganisation Junge Union und blieb nach eigenen Angaben bis zum 30. Lebensjahr Mitglied der Christdemokratischen Partei.

Intimfeind von Jürgen Rieger

Danach versuchte er sich bei den rechtsradikalen Republikanern und gab Ende 2006 für mehrere Monate ein Gastspiel im Hamburger Landesverband der rechtsextremen NPD. Faust gilt als Intimfeind des Hamburger NPD-Landesvorsitzenden Jürgen Rieger. Seit März 2007 ist er für die DVU aktiv. Der Hamburger Verfassungsschutz bezeichnete Faust als „ Adlatus des Neonazi-Aktivisten Christian Worch, der zuletzt mitverantwortlich war für den Neonazi-Aufmarsch in Passau.

Die DVU hat derzeit bundesweit noch rund 7000 Mitglieder. Nach unbestätigtren Angaben aus dem rechtsextremen Lager solle es hinter den Kulissen zu einem politischen Adresshandel im Vorfeld der Europawahl gekommen sein. Danach soll der Vorsitzende der Republikaner der DVU den Adressenbestand seiner Partei zu Werbezwecken angeboten haben. Die Reps sollen dafür einen sechsstelligen Betrag verlangt haben. Die Pressestelle der Republikaner bestreitet diesen Adresshandel allerdings.

Sicher scheint hingegen der endgültige Rückzug des DVU-Gründers Gerhard Frey aus dem aktiven politischen Geschäft. In Szenekreisen hieß es, er werden sein Firmengeflecht aus rechtsextremen Zeitungs- und Buchverlagen unter seinen Kindern aufteilen. Experten gehen davon aus, dass Frey die DVU nicht aus politischer Überzeugung gründete, sondern um auf diesem Wege von der Wahlkampfkostenerstattung zu profitieren. Die DVU war laut Wikipedia am 18. Januar 1971 als Verein ins Leben gerufen worden, am 5. März 1987 wurde sie zur Partei.

Noch engere Kooperation zwischen NPD und DVU

Der blick nach rechts berichtet ebenfalls über einen möglichen Rückzug von Frey. Dort heißt es, damit werde es eine engere Kooperation zwischen DVU und NPD geben. Die NPD-Führung in Thüringen unter Frank Schwerdt und Patrick Wieschke habet dies vorgemacht: eine noch engere mögliche Zusammenarbeit zwischen NPD und DVU sowie einzelnen Personen der Republikaner, dies werde im Superwahljahr 2009 anvisiert. Beim Neujahrsempfang habe die NPD in Thüringen rund 80 Gäste zu Häppchen und Schnittchen nach Erfurt eingeladen, unter ihnen soll unter anderem auch DVU-Stadtrat Uwe Bäz-Dölle aus Lauscha gewesen sein, der mit einer Rede an die „Einigkeit im nationalen Lager“ appelliert habe. Bäz-Dölle gilt ebenso wie seine DVU-Kollegen Rechtsanwalt Ingmar Knop aus Dessau und besagter Matthias Faust aus Hamburg als der NPD zugewandt. 

Laut bnr meldeten bereits im Dezember Szene-Gerüchte, dass eventuell ein Wechsel an der Spitze der DVU bevorstehen könnte. Als möglicher Frey-Nachfolger war demnach allerdings Rechtsanwalt Ingmar Knop im Gespräch. Auch von einer noch engeren Zusammenarbeit mit der NPD war schnell die Rede. Da passte der ehrgeizige Jurist gut ins Bild. Immerhin wirbt Knop nicht nur in der „Deutschen Stimme“ um Mandanten, sondern trat auch schon als Redner bei NPD-Veranstaltungen auf. Konfrontiert mit den Gerüchten, wiegelte Knop allerdings ab, er werde nicht kandidieren. Mit Matthias Faust als potenziellem Frey-Nachfolger hätte die NPD unter Voigt-Führung einen Coup gelandet. Wegbereiter für das Zusammengehen könnte Christian Worch gewesen sein. Insider berichten von einem zurückliegenden, internen Treffen zwischen Worch und Teilen der sächsischen NPD.

Siehe auch: Die rechtsextreme Bewegung ist nicht auf die NPD zu reduzieren, Europawahl 2009: Aufruf gegen die Wahl rechtsextremer Parteien, Obamas Wahl: “Aus für White Power” oder Sieg des “konstruierten Schwarzen”? , Thüringen: DVU zieht angeblich zurück, NPD-Dementi: Frey wird nicht Kandidat für Bundespräsidentenamt

9 thoughts on “Frey zieht sich zurück: DVU bald unter neuer Führung

  1. Hallo,

    das wäre ja wirklich interessant. Dann würde Matthias Faust also wohl eine vollkommen verschuldte Partei übernehmen. Denn Frey, der seine Partei dirigistisch führt, hat immer dafür gesorgt, dass die Partei bei ihm verschuldet bleibt um die Abhängigkeit von seiner Person zu erhalten.
    Der letzte Satz stimmt übrigens kaum: Die DVU wurde am 16. 01 1971 als Verein ohne Parteistatus gegründet. Frey wollte über eine überparteiliche Sammlungsbewegung unter Einschluss der Stahlhelmflügels von CDU/CSU Druck auf die Union machen. Erst viel später, als das Konzept gescheitert war, wurde 1987 die DVU-Liste D zusammen mit der NPD gegründet. Von 1971 bis 1987 war also nichts mit Wahlkampfkostenerstattung. Frey ist zwar ein großer Geschäftemacher, verfolgt aber auch eindeutig politische Interessen. Wenn man schon nach Gründen sucht, muss auch berücksichtigt werden, dass Freys Vater Freikorpssoldat und national-völkisch eingestellt war und Gerhard selbst nie den verlorenen 2. Weltkrieg verwunden hat.

  2. Konspirativ? Das ist doch wohl kein Wunder. Auch die Opas der DVU wissen vermutlich aus schmerzlicher Erfahrung, was passiert, wenn sie ihren Versammlungsort bekanntgeben.

    Auch ein sonst recht besonnener Patrick Gensing würde es sich nicht nehmen lassen, diesen Ort bekanntzugeben. Dazu ist er als Pressemann ja schließlich da.

    Aber seine „gewaltfreie“ Leserschaft?

    Die würde sich bestimmt freuen, am 11. Jan. eine fröhliche Winterreise anzutreten.

    Reiseziel bekannt. Für Stimmung wird gesorgt.

    Ironiemodus aus.

    Eure Vorgehensweise zu verstehen, fällt nicht schwer.

    Denen ihre aber auch nicht…

    Nachträglich ein gutes neues Jahr und einen geschärften Blick auf die israelische „Verteidigungspolitik“ wünscht Euch

    -vorndran-
    -vorndran-

  3. Weder Gerhard Frey noch Matthias Faust sind „rechtsextrem“, und die Republikaner schon gar nicht.

    Eine DVU mit M. F. an der Spitze, das könnte gefallen.

  4. Na, Steve, Sie haben doch nicht etwa die bösen Seiten von Metapedia gelesen, oder? Dort will man dem Leser unter dem Begriff Rechtsextremismus ja weißmachen, dass es ihn quasi gar nicht gibt. Jetzt bin ich mal auf Ihre Definition gespannt.

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