Kemna-Skandal: Ermittlungen gegen Wirtschaftsprüfer der NPD

Im Fall des ehemaligen Schatzmeisters der rechtsextremen NPD, Erwin Kemna, hat die Staatsanwaltschaft Münster laut eines Vorabberichts des Spiegel nun auch Ermittlungen gegen die Wirtschaftsprüfer der NPD-Rechenschaftsberichte eingeleitet. Keine überraschende Nachricht, denn die Berichte waren offenbar über Jahre manipuliert worden, daher hatte sich bereits länger die Frage gestellt, inwieweit den Wirtschaftsprüfern so etwas eigentlich hätte auffallen müssen. Betroffen von den Ermittlungen sind demnach Eberhard Müller, der auch Gesellschafter des Deutschen-Stimme-Verlags in Riesa ist, sowie Werner Linn, der auch die Rechenschaftsberichte der NPD-Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern abnimmt.  Müller hatte in den Jahren 1997 bis 2004 die NPD-Rechenschaftsberichte verfasst.

Im Zuge der Ermittlung gegen den ehemaligen Schatzmeister der NPD, Erwin Kemna, hatte die Staatsanwaltschaft Münster am 27. November 2008 auch den NPD-Verlag Deutsche Stimme im sächsischen Riesa durchsuchen lassen, nachdem bereits am 25. November die NPD-Parteizentrale in Berlin Ziel eines gleichartigen Einsatzes war.

Rechenschaftsbericht 2006 noch von Kemna unterzeichnet

Der jüngste NPD-Rechenschaftsbericht für das Jahr 2006 wurde übrigens auch noch von Kemna unterzeichnet und von dem Wirtschaftsprüfer Linn abgenommen, wenn auch mit Einschränkungen. Hier der Rechenschaftsbericht der rechtsextremen Partei (siehe Seiten 3 bis 26). Besonders interessant erscheint auch der Ausbau der Berliner Parteizentrale, der bereits seit fünf Jahren fertiggestellt sein soll (schaut man in die vorherigen Berichte).

Parteichef Udo Voigt hat stets geleugnet, von den Machenschaften Kemnas gewusst zu haben, laut Spiegel prüfen die Ermittler allerdings auch weiterhin, inwieweit die Parteispitze in die kriminellen Handlungen involviert war. Voigt steht wegen der Affäre extrem unter Druck, wahrscheinlich wird der NPD-Funktionär Andreas Molau die NPD auf einem geplanten Sonderparteitag übernehmen.

Siehe auch: Kemna-Skandal: Razzia beim Deutsche-Stimme-VerlagDer Spiegel: Weitere Verstöße der NPD gegen das Parteiengesetz?, Stellungnahmen zur Kemna-Affäre: Die Leidensgeschichte der NPD (Nachtrag: Voigt in der SZ), Intrige? “System” schützt NPD vor eigenem Finanzchaos,