“Volksfront” ade – Wulff verkündet Ende der Zusammenarbeit mit der NPD

Der norddeutsche Neonazi Thomas „Steiner“ Wulff hat das Ende der sog. „Volksfront von rechts“ zwischen Freien Neonazi Kräften und der NPD verkündet. Dieses Ende der vor knapp vier Jahren beschlossenen Zusammenarbeit ist nach Wulffs Angaben das Fazit eines bundesweiten Treffens von führenden Neonazis am letzten Dezemberwochenende 2008.

Von Kai Budler

Offenbar sei die NPD-Spitze an einer solchen Kooperation weder interessiert noch dazu in der Lage, stellt Wulff fest. Besonders die Führungsriege um Holger Apfel, Peter Marx, Sascha Rossmüller, Jens Pühse und Udo Voigt betreibe systematisch Abgrenzung, Verleumdung und offene Hetze.

Vor allem Voigt, der im Jahr 2004 die „Volksfront“ mit beschlossen hatte, steht im Kreuzfeuer von Wulffs Kritik. Mit der Affaire um den ehemaligen Schatzmeister der NPD, Erwin Kemma, habe Voigt den größten „Finanzskandal der neueren nationalen Bewegung“ zu verantworten. Mit diesem „verheerendsten Finanzskandal“ sei es zum „größten Verrat gegenüber der Basis“ gekommen. Deutlich sei Voigts Abschied von der Zusammenarbeit geworden, als er die Vertreter der Kameradschaftsszene als „feindliche Kräfte“ bezeichnet habe.

Auch an dem NPD-Generalsekretär Peter Marx lässt Wulff bei seiner Generalabrechnung kein gutes Haar. Marx habe alles getan, um das Konzept der „Volksfront“ zum Scheitern zu bringen, schreibt Wulff und verdächtigt ihn der Arbeit für einen Geheimdienst. Die Bundespartei versinke in Anbiederung der Führungsspitze an das System und sei auf einem weg, der für die „freien Kräfte“ nicht gangbar sei. Eine punktuelle Zusammenarbeit it der NPD schließt Wulff aber auch weierhin nicht aus und weist auf den Bundesparteitag im Frühjahr hin: Dort werde sich zeigen, wohin es mit der Partei gehe.

Eine solche Kritik an der NPD ist im Grunde nichts Neues und wurde schon zu Beginn der „Volksfront“ laut. Eine besondere Bedeutung gewinnt sie nun, weil Wulff als ihr Mitinitiator zu den Vertretern der Kameradschaftsszene gehörte, die das Konzept anfänglich gegenüber dem eigenen Spektrum verteidigt hatten. Um seinen Beitrag zur „Volksfront“ zu leisten, war er im September 2004 mit den Thüringer Vertretern der „freien Kräfte“, Thorsten Heise und Ralph Tegethoff, sogar der NPD beigetreten. Inwieweit die angekündigte Auflösung der Kooperation nun wirklich umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Für die NPD kommt sie angesichts ihrer Zerstrittenheit und des parteinternen Streit um den Vorsitz im Vorfeld der Bundestagswahl zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt.

Siehe auch: NPD-Machtkampf: Parteichef Voigt sucht Unterstützung der “Freien Kräfte”, Molau will NPD für nationalkonservative Kreise öffnen, NPD-Bundesvorsitz: Molau bestätigt Kandidatur gegen Parteichef Voigt , NPD-Vorsitz: Apfel und Pastörs werfen Molaus Hut in den Ring, “Sozial geht nur national”? NPD und DVU im Westen ohne Chance