NPD-Machtkampf: Parteichef Voigt sucht Unterstützung der “Freien Kräfte”

NPD-Parteichef Udo Voigt hat sich in einer Neujahrserklärung auch zu der angekündigten Kandidatur von Andreas Molau und der Personaldebatte geäußert. Diese bezeichnet Voigt als „destruktiv“. Schuld daran seien – wie immer – die „Systemmedien“, welche diese Debatten „von außen in die Partei“ hineintrügen. Die Untersuchungen im Fall Kemna bezeichnete Voigt als „Angriffe auf die Finanzen der Partei“, die „abgewehrt“ werden müssten.

Voigt betonte einmal mehr, dass er sich bei einem möglichen Sonderparteitag, der laut Parteichef hoffentlich „bald stattfinden kann“,  erneut „stellen“ wird, damit es bald „personelle Klarheite“ gebe. Während Andreas Molau eine Öffnung der NPD für nationalkonservative Kräfte ankündigte, sucht Voigt den Schulterschluss mit den „Freien Kräften“ und deren Vertretern in der Partei:

„Der Deutschlandpakt und die Zusammenarbeit mit freien Nationalisten haben sich bewährt. Unsere erfolgreiche Bündnispolitik darf nicht zur Disposition gestellt werden. Irritationen mit den Freien können sicher dann ausgeräumt werden, wenn wieder Wahrheit und Klarheit in der Führung der Partei herrschen. Wir dürfen keinesfalls vergessen, daß der nationale Widerstand größer ist als die NPD. Hüten wir uns also davor, künftig etwa die Zusammenarbeit mit allen konstruktiven Nationalen zur Disposition zu stellen.“

Obwohl es also einen offenen Machtkampf in der NPD gibt, präsentieren sich die Kontrahenten bislang verbal recht zurückhaltend. Molau hatte seine Kandidatur mit den Parteifunktionären Udo Pastörs, Holger Apfel und Peter Marx abgesprochen. Parteichef Voigt wurde nicht ins Vertrauen gezogen. In einer Stellungnahme schrieb Molau:

Bei meiner Kandidatur geht es mir nicht darum, den amtierenden Parteivorsitzenden Udo Voigt zu “stürzen”, wie es die Medien darstellen. In einer Personalentscheidung haben die Delegierten der NPD eine souveräne Entscheidungsmöglichkeit zwischen Kandidaten. Nicht nur das unterscheidet uns von den Systemparteien, bei denen amtierende Vorsitzende durch den Hintereingang über die Heide gejagt werden.  

Während Pastörs schon länger auf Distanz zu Voigt gegangen war und auch Generalsekretär Marx sich unlängst mit dem Chef überwarf, vermuten Beobachter bei den Differenzen zwischen Voigt und Apfel persönliche Gründe. Apfel galt lange Jahre als „Kronprinz“ von Voigt, doch offenbar war es zu einem heftigen Streit zwischen den beiden gekommen. Molau hatte seinen Posten im Bundesvorstand wegen der fehlenden Konsequenzen aus dem Kemna-Skandal niedergelegt.

Der Bundesparteitag könnte somit eine Zerreißprobe für die NPD bringen, denn ob Molau die Partei für nationalkonservative Kreise öffnen kann, während er gleichzeitig mit militanten Neonazis paktiert, erscheint unwahrscheinlich. In Bayern verliert die NPD bereits Mitglieder aus dem neonazistischen Bereich, da führende Kader der Partei den Rücken gekehrt hatten.

Siehe auch: Molau will NPD für nationalkonservative Kreise öffnen, NPD-Bundesvorsitz: Molau bestätigt Kandidatur gegen Parteichef Voigt , NPD-Vorsitz: Apfel und Pastörs werfen Molaus Hut in den Ring, “Sozial geht nur national”? NPD und DVU im Westen ohne Chance, Never mind the Ausschüsse – here comes the “Schwatzbude” NPD!, NPD-Bundesvorsitz: “Rohrkrepierer” bei Focus-Online, Stellungnahmen zur Kemna-Affäre: Die Leidensgeschichte der NPD (Nachtrag: Voigt in der SZ), Kemna-Skandal: Voigt gerät weiter in die Schusslinie, Kemna-Skandal: Razzia beim Deutsche-Stimme-Verlag, Der Spiegel: Weitere Verstöße der NPD gegen das Parteiengesetz?, Intrige? “System” schützt NPD vor eigenem Finanzchaos