NPD-Vorsitz: Apfel und Pastörs werfen Molaus Hut in den Ring

Nachdem NPD-Funktionär Andreas Molau Ende November 2008 auf Anfrage noch angekündigt hatte, er wolle nicht für den Vorsitz der rechtsextremen Partei kandidieren, haben nun Holger Apfel und Udo Pastörs Molaus Hut in den Ring geworfen – und somit wohl auch den neuen Chef gekürt. Denn sollten sich die in der NPD einflussreichen Fraktionschefs geeinigt haben, dürfte für Udo Voigt keine Chance mehr auf eine Wiederwahl bestehen. Molau steht als Kandidat der beiden Machtzentren da und zudem nicht als Königsmörder, da er vorgeschlagen wurde – ein geschickter Schachzug.

Strippenzieher Peter Marx?

Der Spiegel berichtete vorab, NPD-Generalsekretär Peter Marx – gleichzeitig Fraktionsgeschäftsführer in Schwerin und zuvor in Dresden bei der Fraktion beschäftigt – habe diese Übereinkunft zwischen Apfel und Pastörs bestätigt. Entsprechende Anträge der beiden Landesverbände für den im März geplanten Parteitag sollen angeblich folgen. Marx hatte sich bereits von Voigt abgewandt, der Strippenzieher würde durch diesen Deal einmal mehr seine Position in der NPD festigen. Allerdings ist bislang noch gar nicht klar, ob es tatsächlich einen Sonderparteitag geben wird, da die NPD offenbar noch keine Halle hat.

Molau, ein ehemaliger Waldorf-Lehrer, war Leiter des „Amtes Bildung“ im NPD-Parteivorstand und gilt als einer der wenigen Intellektuellen mit Charisma in der Partei. Der seit gut zwölf Jahren amtierende Parteichef Udo Voigt wurde laut Spiegel im Vorfeld der Entscheidung offenbar nicht kontaktiert. Auch NPD-Bundessprecher Klaus Beier war über die Initiative der eiden Landespolitiker nicht im Bilde, kündigte aber an, Voigt werde „auf alle Fälle wieder für das Amt des Vorsitzenden kandidieren“.

Große Herausforderungen für den Neuen

Wer auch immer der neue Vorsitzende wird: Die Probleme sind gewaltig. Der kleinen klammen Partei drohen weitere Strafzahlungen in Höhe von Hunderttausenden Euro, die Mitgliederzahlen sinken. Und es waren in Bayern  Führungskader, die der rechtsextremen Partei den Rücken gekehrt haben. Auch in Sachsen traten mehrere Neonazis aus, sie sehen in der NPD offenbar nicht mehr “ihre beste Waffe”, sondern setzen auf netzartige Strukturen – in denen aber auch Hierarchien vorherrschen. Allerdings konnte die NPD durch das hysterische Verbotsgeschrei nach dem Überfall auf Passaus Polizeichef Mannichl die Reihen wohl erst einmal wieder schließen, zudem könnte Molau die Partei aus der strategischen Sackgasse führen und Bündnisse mit anderen rechtsextremen Gruppen schmieden. Bei der Landtagswahl 2008 in Niedersachsen hatte Molau als Spitzenkandidat noch den Schulterschluss mit ultra-radikalen Neonazis gesucht – und war grandios gescheitert.

Siehe auch: “Sozial geht nur national”? NPD und DVU im Westen ohne Chance, Never mind the Ausschüsse – here comes the “Schwatzbude” NPD!, NPD-Bundesvorsitz: “Rohrkrepierer” bei Focus-Online, Stellungnahmen zur Kemna-Affäre: Die Leidensgeschichte der NPD (Nachtrag: Voigt in der SZ), Kemna-Skandal: Voigt gerät weiter in die Schusslinie, Kemna-Skandal: Razzia beim Deutsche-Stimme-Verlag, Der Spiegel: Weitere Verstöße der NPD gegen das Parteiengesetz?, Intrige? “System” schützt NPD vor eigenem Finanzchaos