Fall Mannichl: Neonazi-Ehepaar wird freigelassen

Die beiden Verdächtigen im Fall Alois Mannichl werden offenbar noch heute freigelassen. Die Polizei in Passau bestätigte auf Anfrage, dass zur Stunde Gespräche zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft zu diesem Thema geführt würden. Am Nachmittag solle es eine Pressekonferenz geben, so der Sprecher weiter. Nach Informationen von NPD-BLOG.INFO befindet sich Sabrina H. bereits auf freiem Fuß.

Nach dem angeblich rechtsextrem motivierten Überfall auf Passaus Polizeichef Alois Mannichl war gegen das Neonazi-Ehepaar aus München Haftbefehl erlassen worden. Die beiden sollten den flüchtigen Täter bei dem Attentat unterstützt haben. Allerdings fehlt weiterhin jede Spur von dem gesuchten glatzköpfigen Mann, der eine auffällige Tätowierung am Kopf haben soll.

Manuel H. war offenbar am Tattag in Passau

Die inhaftierten Eheleute, die zu der Neonazi-Gruppierung „Freie Nationalisten München“ gehören, hatten bestritten, an der Tatausführung beteiligt gewesen zu sein. Angeblich hätten sie sich aber in ihren jeweiligen Aussagen widersprochen. Der Anwalt von Manuel und Sabrina H., der in rechtsextremen Kreisen bekannte André Picker, hatte den Verdacht auf Beihilfe zum versuchten Mord als “abenteuerlich” bezeichnet. Der Haftbefehl habe sich nur auf die Aussage eines Augenzeugens gestützt, der Herrn und Frau H. am Tattag in Passau gesehen haben will.” Auf die Frage, ob sich H. am Tattag in Passau aufgehalten habe, sagte Picker gegenüber dem „Spiegel“: “Ich glaube nicht, dass er das bestreiten würde.” Ein “tatfördernder Beitrag” erwüchse daraus jedoch nicht. Der Überfall auf Mannichl fand in dessen Wohnort in Fürstenzell statt, was knapp 15 Kilometer von Passau entfernt liegt.

Damit steht die Polizei zehn Tage nach dem Überfall offenbar mit leeren Händen da, eine heiße Spur fehlt weiterhin – obwohl die öffentliche Aufmerksamkeit groß ist und mit einem Phantombild fahndet wird. Verwirrung gibt es zudem über den genauen Tatzeitpunkt. So vermeldete die Polizei in Pressemitteilungen stets etwa 17.30 Uhr als Zeitpunkt, doch in einem vorliegenden Beschluss gegen den Neonazi Philipp Hasselbach von den „Freien Nationalisten München“ wird 13.35 Uhr angegeben. Ob es sich um einen Tippfehler handelt, wollte die Polizei auf Anfrage nicht kommentieren.

Abgekoppelte Debatte

Die Phantombilder mit den glatzköpfigen Männern mit höchst ungewöhnlichen Gesichtstattoos sorgten ebenfalls für ungläubiges Staunen. Ein Neonazi, 190 Meter groß, mit einer grünen Schlange rund ums Ohr und bayerisch-österreichischen Dialekt sprechend, dazu mit engen Kontakten zu den „Freien Nationalisten München“ – ein solcher Neonazi müsste eigentlich schon einmal aufgefallen sein. Doch noch immer fehlt jede Spur – obgleich wohl jede Zeitung das Bild abgedruckt hatte.

Trotz der vollkommen unklaren Sachlage wird weiterhin auf allen Ebenen über ein NPD-Verbot debattiert – diese Diskussion ist mittlerweile vollkommen losgelöst von dem eigentlichen Fall Mannichl. Sollte sich in dieser Sache nicht bestätigen, dass der Täter aus rechtsextremer Motivation gehandelt hat, hätten sich Politik und Öffentlichkeit mit ihrem hysterischen Geschnatter einen Bärendienst erwiesen. Denn die Rechtsextremisten können sich dann als vorschnell Gebrandmarkte darstellen – und dies vollkommen zu recht. 

Siehe auch: Überfall auf Polizeichef: Was heißt hier eigentlich Qualität?, Die “Freien Nationalisten München” und die NPD, Überfall auf Polizeichef: Haftbefehle gegen Neonazi-Paar, Völkische Familienpolitik: “Freie Nationalisten” unterstützen Abtreibungsgegner, Anschlag auf Polizei-Chef: NPD distanziert sich, aber…, Kommentar: Düsseldorf, Mügeln, Passau – NPD-Verbot jetzt?, Mutmaßlicher Neonazi-Angriff in Passau: Erneut Debatte um NPD-Verbot, Passauer Polizeichef offenbar von Neonazi niedergestochen, Sollte die NPD verboten werden?, Die Spätfolgen eines Debakels, Das Problem mit den V-Leuten