Leipzig: Flaschen auf Polizisten nach Party im NPD-Bürgerbüro

Offenbar wollen Neonazis die NPD-Verbotsdebatte weiter anheizen und Argumente für ein Verbot liefern. Bei einer Party von Rechtsextremisten sind in der Nacht auf den 21. Dezember 2008 Polizisten angegriffen worden: Die Beamten waren laut einem Bericht der “Leipziger Volkszeitung“ zunächst von einem Anwohner gerufen worden, der sich durch die Lautstärke der Feier gestört fühlte. Die Situation sei später eskaliert, als Feiernden zwei vorbeikommende Fußgänger verfolgt hätten.Als die Polizisten einschritten, warfen die Neonazis demnach mit Flaschen und zündeten Knallkörper. Nach Polizeiangaben traf eine Flasche ein Polizeifahrzeug. Außerdem sprühten die Neonazis Pfefferspray – drei Polizisten erlitten Augenreizungen.

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 Winfried Petzold

Die Feier fand demnach auf einem Grundstück statt, auf dem die NPD im November ein Büro eingerichtet hatte. Gegen die Einrichtung des NPD-Büros, das der Landtagsabgeordnete Winfried Petzoldt benutzt, hatte es bereits zahlreiche Protestverstaltungen von Leipziger Bürgerinitiativen und linken Gruppen gegeben. Neonazis sprachen unter anderem von einem Mordversuch auf Petzold, weil an dessen Auto offenbar manipuliert worden war. Die Rechtsextremisten ziehen hier direkt eine Paralelle zu dem Unfalltod von Uwe Leichsenring – hier vermuten sie ebenfalls einen „Anschlag“.

Zuvor war es laut NPD angeblich zu Attacken auf das Büro von Petzold gekommen. In einer Erklärung des Landtagsabgeordneten heißt es in dramatischen Worten:

Eine erste Angriffswelle traf das Bürgerbüro am Abend des 25. November 2008 gegen 20 Uhr 30. Nach einer Kundgebung von Autonomen im Leipziger Stadtteil Grünau zog ein Teil der Linksextremisten weiter nach Lindenau vor das Bürgerbüro von Petzold. Dort verübten zirka 80 bis 100 Linksextremisten schwere Straftaten, rissen das Pflaster auf und schmissen Steine auf Petzolds Bürgerbüro. Die zirka 60 anwesenden Polizisten schauten dem gewalttätigen Treiben auch dann noch zu, als Kanonenschläge und Signalmunition gegen Petzolds Bürgerbüro geschossen wurden.

In der gleichen Nacht gab es am frühen Morgen des 26. November 2008 zwischen 4 und 5 Uhr einen weiteren Angriff, als schätzungsweise sechs Personen versuchten, den Zaun rund um Petzolds Bürgerbüro zu überwinden, was ihnen aber angesichts der Gegenmaßnahmen der anwesenden Sicherheitskräfte nicht gelang. Schon am 21. November war Petzolds Büro mit einem 20,00 x 1,50 Meter großen Graffitti „Vorsicht Nazis“ besprüht worden.

Die Zeit berichtet über Drohungen gegen Anwohner durch Rechtsextremisten: Der NPD-Politiker Winfried Petzold hat in Leipzig ein festungsartiges „Bürgerbüro“ eingerichtet, in der Umgegend werden Anwohner beschimpft, eingeschüchtert und bedroht. So wurde demnach beispielsweise der Besucher einer WG in der Nacht vom 20. November von einem kurz geschorenen Mann auf der Straße als „Zecke“ und „Jude“ beschimpft. Bevor der Angreifer zuschlagen konnte, flüchtete der Attackierte zurück ins Haus. Als er mit Freunden zurückkam, wurden alle drei als „Juden“ beschimpft. Der Polizei liegt zu dem Vorfall eine Anzeige vor. Ein Anwohner habe beobachtet, wie drei Neonazis in der Odermannstraße mit einem Schlagstock patrouillierten und Passanten auf dem Gehweg bedrohten. Andere sahen, wie nachts Personen auf den Dächern rund um das NPD-Büro standen und Wache hielten. Es häufen sich Einschüchterung, Bedrohung und Schläger auf der Straße.

Die Vorfälle rund um das NPD-Büro zeigten, wie schwer sich der Rechtsstaat mit aggressiven Rechtsextremisten, deren Einschüchterungsversuchen und deren latenter Gewaltbereitschaft tut. Polizei-Sprecher Uwe Voigt bestätigte der Zeit, dass mittlerweile diverse Anzeigen, unter anderem wegen Bedrohung und Körperverletzung vorliegen. Die Suche nach den Tätern könne allerdings dauern.

Siehe auch: Sachsen: “Der parlamentarische Arm dieser Verbrecher”, Eine ganz normale Woche in Sachsen geht zu Ende…