Die “Freien Nationalisten München” und die NPD

Nach dem Attentat auf den Passauer-Polizeichef Mannichl stehen die „Freien Nationalisten München“ (FNM) nun im Fokus der Ermittlungen. Gegen Manuel und Sabrina H., die der Neonazi-Gruppierung angehören, wurde Haftbefehl erlassen. Auch der Anführer der Gruppe, Philipp Hasselbach, wurde vorübergehend festgenommen, da er ein falsches Alibi gegeben haben soll, was Hasselbach aber weiterhin bestreitet. In einer Erklärung wiederholte er seine Version der Geschehnisse, wonach das Ehepaar H. zur Tatzeit bei einer Neonazi-Veranstaltung gewesen sei. Zudem besitzen die beiden laut Hasselbach kein Auto, können also gar nicht in der Nähe des Tatorts gesehen worden sein, so wie es die Polizei nach Zeugenaussagen behauptet. Hasselbach veröffentlichte zudem den Beschluss über die Beschlagnahme seines Mobiltelefons sowie die Bescheinigung darüber.

Weiterhin behauptet Hasselbach:

Dieses ganze Theater ist doch nur dazu da, um massive Repression gegen den nationalen Widerstand auszuüben. Trotzdem weichen wir nicht von unserer Meinung ab, daß Polizeidirektor Mannichl diesen Anschlag vielleicht sogar provoziert hat.

Bei dem besagten Manuel H. handelt es sich laut Münchner Antifaschisten neben Hasselbach um einen der führenden Köpfe der “Freien Nationalisten München”, welcher dort unter dem Pseudonym “H.amas” veröffentlicht. H. sei bereits in den 1990er Jahren einer der aktivsten Münchner Neonazis gewesen, der an zahlreichen Überfällen gegen Linke beteiligt war, er gilt als extrem antisemitisch, daher auch der Bezug auf die Hamas. H. sei „ein Zögling von Friedhelm Busse, so dass es auch nicht verwundern würde, wenn er in irgendeiner Form an dem Racheakt an Herrn Mannichl beteiligt war“. H. schwadronierte demnach in einem Aussteigergespräch mit Münchner Antifaaktivisten Ende der 1990er Jahre angeblich von Waffenkäufen in Osteuropa. Er wollte damals offenbar aussteigen, weil ihn seine damalige Freundin verlassen hatte und er sich von seinen Kameraden im Stich gelassen bzw. bedroht fühlte.

Den Freien Nationalisten München geht nun das Personal aus, das Ehepaar H. sitzt in Haft und erst vor wenigen Tagen wurde der Kader Mike Nwaiser aus den Zusammenhängen ausgeschlossen – wegen einer Liebesbeziehung zu einer Aktivistin der Satiregruppe „Front Deutscher Äpfel“. Diese Beziehung hatte zu heftigem Streit in Neonazi-Foren geführt; während die FDÄ dem Paar – trotz der politischen Verwirrungen von Nwaiser – viel Glück wünschten, hetzten ehemalige Kameraden gegen Nwaiser, nun ist von charakterlichen Schwächen die Rede und seine palästinensische Abstammung wurde plötzlich zum Problem. Ein Neonazis kommentierte das Treiben:

Das kann doch wohl nicht sein. Ein NSler und eine Zecke kommen zusammen und was passiert?
Bei dem Zeckenpack gibt es echte Kameradschaft, man bedankt sich für den Einsatz, den diese „Frau“ für die bewegung gebracht hat, bedauert ihren Abgang und wünscht ihr alles Gute für die Zukunft.
Und bei uns? Nachtreten, Rufmord, dreiste Lügen… was man eigentlich viel mehr von den heuchlerischen Deutschlandhassern erwartet und nicht von einer nationalen Bewegung
Das kann doch wohl nicht sein!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Offenbar doch, denn immer wieder berichten Aussteiger, dass es mit der viel beschworenen Kameradschaft im „Nationalen Widerstand“ nicht weit her ist.

Zusammenarbeit mit der NPD

Nachdem FN-Führer Hasselbach vorübergehend bei der NPD-Jugendorganisation aktiv war, zerstritt er sich vor allem mit Norman Bordin, mittlerweile arbeiten NPD und FN-München aber wieder zusammen. Bei einem Aufmarsch der “Freien Nationalisten” am 15. November 2008 trat neben Hasselbach auch der NPD-Funktionär Roland Wuttke als Redner auf. In seiner Rede hieß es laut einem Bericht der Initiatoren des Aufmarsches:

Auch Roland Wuttke reihte sich hierbei in die Gruppe hochkarätiger Redner ein, welche unser heutiges Heldengedenken mit Inhalt füllten. Er machte dabei auch deutlich, welche Opfer der einzelne Soldat, aber auch das gesamte deutsche Volk in den vergangenen Kriegen erbringen musste. So sprach er auch die menschenverachtenden und grausamen Pläne an, mit welchen die Siegermächte versuchten, das deutsche Volk auszulöschen. Mit dem deutlichen Vergleich, daß ein Journalist der Systempresse, welcher ein Kameraobjektiv auf uns richtet, nicht weniger schäbig und gefährlich ist, als ein feindlicher Soldat, der mit seiner Waffe auf unseren Kopf zielt, beendete Kamerad Wuttke seine exzellente Rede.

Der NPD-Funktionär Karl Richter sprach bei dem Aufmarsch. Die FN-München dazu:

Stadtrat Karl Richter fand zum Ende seiner Rede noch ein paar dankende Worte für die Polizeikräfte, welche heute im Einsatz waren. Er machte deutlich, daß dieses Polizeiaufgebot gar nicht von Nöten gewesen wäre, gäbe es nicht die kriminellen und menschenverachtenden Banden der selbsternannten Antifa, welche die Gewalt auf Münchens Straßen tragen.

Roland Wuttke veröffentlichte auf den Seiten der FN-München auch eigene Artikel, dabei ging es um die Konsequenzen aus dem neuen bayerischen Versammlungsgesetz. Die FN-München arbeiten zudem mit Neonazis aus anderen Städten bis nach Hamburg zusammen. In einer Stellungnahme bedankt sich Hasselbach für die Organisation des Aufmarsches am 15. November bei

allen Kameraden und Gruppen, allen Einzelaktivisten und Kameradschaften unseren aufrichtigen Dank aussprechen. Ohne Euch, eure Anwesenheit und Eure Unterstützung im Vorfeld, beim Rechtskampf und auch bei der Durchführung des Heldengedenkens, wäre dieser würdige Gedenkmarsch nicht in dieser erfolgreichen Form möglich gewesen. Einen besonderen Dank möchten wir auch an Kamerad Christian Worch aus Hamburg richten, welcher unermüdlich Zeit und Geistesleistung für uns opferte, um uns bei unserem Rechtskampf tatkräftig zu unterstützen. Ferner bedanken wir uns speziell bei folgenden Aktivisten und Kameradschaften: Roland Wuttke, Freie Kräfte Erding, Kameradschaft München Süd-Ost, Freundeskreis Gilching, Matthias Polt vom Versand der Bewegung, Freie Kameradschaft Landshut, AG Schwaben, BIA München, Autonome Nationalisten Regensburg, Nationales Augsburg.

Zuletzt hatten die FN-München für Aufsehen gesorgt, als sie eine Aktion von Lebensschützern gegen das Recht auf Abtreibung unterstützten, wie NPD-BLOG.INFO berichtet hatte. Ex-JN-Bundesvorstand Hasselbach hatte offenbar aber weniger ethische Bedenken gegen Abtreibungen, sondern ihm geht es – wie für Neonazis üblich – um das Volk. Das deutsche Volk genauer gesagt. Ein Lehrstück der völkischen Argumentation, das die Ideologie der Ungleichwertigkeit genau darlegt. Hasselbach schreibt:

Eine grauenvolle Tatsache ist es jedoch, daß jeden Tag ungefähr 1000 Kinder in der Bundesrepublik abgetrieben werden […] Eine erschreckende Zahl, da dies einmal mehr zur negativen demografischen Entwicklung in unserem Land beiträgt. Währendessen läßt sich seit Jahren die Gebärfreudigkeit gerade ausländischer Familien feststellen. Nichtdeutscher Nachwuchs welcher – gefördert durch das herrschende System – in manchen Alterskategorien bereits den Löwenanteil bildet. In Zeiten zunehmender Homosexualisierung und Familienfeindlichkeit von Seiten der etablierten Politik steht damit unserem Land insgesamt eine katastrophale Zukunft bevor. Abtreibung ist durch fast nichts zu rechtfertigen, denn Familien sind die Keimzelle des Volkes aus der Kinder hervorgehen, die eines Tages unser Werk für ihre Nachkommen weiterführen und entwickeln sollen. Ein souveräner Staat muß daher dem Schwangerschaftsabbruch einen deutlichen Riegel vorschieben und insbesondere wirtschaftliche Absicherung bieten.

Die Zahlen, die Hasselbach aufführt,  stimmen nicht:

Der rückläufige Trend der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland setzt sich fort. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden im Jahr 2007 116′871 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet, ein Rückgang um 2,4% gegenüber dem Vorjahr. Auch die Zahl der Abtreibungen an unter-18-Jährigen ist erneut zurückgegangen und zwar um 6%. Seit 1996, dem ersten Jahr nach Einführung der Fristenregelung, war die Zahl noch nie so tief. Die von Gegnern der Fristenregelung prophezeite massive Zunahme ist nicht eingetreten. Vielmehr ist die Zahl gegenüber den 80er Jahren deutlich gesunken – dank besserer Verhütung.

Völkische Ideologie: die Rechte des Individuums sind nachrangig

Den Völkischen geht es nicht um das einzelne Kind an sich, sondern um das Volk, welches ihrer Ideologie zufolge über allem steht, also auch ganz klar über dem Interesse von Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen. Daher fordern die Neonazis: “Ein souveräner Staat muß daher dem Schwangerschaftsabbruch einen deutlichen Riegel vorschieben.”

Auf den Seiten der “Freien Nationalisten München” wird revolutionärer Pathos übrigens groß geschrieben – doch ein Blick auf die Inhalte zeigt, dass es sich hier schlicht und ergreifend um herkömmliche Reaktionäre, teilweise verkleidet als Autonome, handelt.

Literaturtipp zur Konstruktion von Nationalismus und Volk:

Siehe auch: Überfall auf Polizeichef: Haftbefehle gegen Neonazi-Paar, Völkische Familienpolitik: “Freie Nationalisten” unterstützen Abtreibungsgegner, Anschlag auf Polizei-Chef: NPD distanziert sich, aber…, Kommentar: Düsseldorf, Mügeln, Passau – NPD-Verbot jetzt?, Mutmaßlicher Neonazi-Angriff in Passau: Erneut Debatte um NPD-Verbot, Passauer Polizeichef offenbar von Neonazi niedergestochen, Sollte die NPD verboten werden?, Die Spätfolgen eines Debakels, Das Problem mit den V-Leuten

Noch ein Hinweis an Kollegen: Sollte dieser Artikel und/oder diese Seite bei Ihren Recherchen hilfreich gewesen sein, wäre es schön, darauf in den Artikeln auch einmal hinzuweisen. Danke!

10 thoughts on “Die “Freien Nationalisten München” und die NPD

  1. „Zunehmende Homosexualisierung“ ist – wie Szenekenner berichten – das, was bei den „Autonomen Nationalisten“ verbreitet sein soll :-) Vielleicht wird ja dann aus dem schwarzen Block der rosa Block :-) :-) :-)

  2. Rosa Block ist gut.*g* Dazu gehöre dann bestimmt auch bald die „NS – Nationale Schwule“. 😀

    Aber was ich witzig finde:
    Da bekommt ein Neonazi die süßen Früchte der Liebe zu spüren und kurz danach den Misgunst seiner „Kameraden“? Wusste gar nicht, dass die so eifersüchtig und zickig reagieren können.*g*…
    Tja, Ideologie gegen Liebe 0:1*schmunzel*

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

  3. Nun ja, O.B., das ist eher ein alter Trend. Als es in früheren Zeiten noch weniger Frauen in der Szene gab, war das Streben nach einer solchen öfter mit der Notwendigkeit verbunden, bei den Nazis auszusteigen – gewissermaßen ein erfolgreiches Aussteigerprogramm. Das ist heute leider nicht mehr.
    Dass aussteigende „Kameraden“ aber diffamiert werden, ist in der Szene dogmatisch angelegt, denn ein überzeugter „nationaler Deutscher“ würde niemals sein „Volk“ im Stich lassen, schon gar nicht mit einer „Umerzogegenen des Besatzersystems“. Also muss er ja schon immer Kleinkrimineller, unbedeutender Mitläufer, Irritierter usw. gewesen sein oder was man sonst alles als Begriffe für Aussteiger wählte.

  4. Ätzend. :)
    Kaum wittert das gutdeutsche Pack – das natürlich standesgemäß auch gegen Nazis ist – etwas, an dem es seine Befindlichkeiten ablassen kann, kann mensch sicher sein, dass das auch getan wird.
    Es wird ernsthaft mit Nazimethoden argumentiert: „Zunehmende Homosexualisierung“ (wers auch oben im Artikel findet, darfs behalten) und dann weiter flach gekalauert: „Dann gibt es bald ja einen Rosa Block“ und natürlich findet sich auch noch ein Idiot, der darauf einsteigen darf. „Haha, Nationale Schwule.“
    Willkommen auf dem Schulhof der bürgerlich antifaschistischen Gymnasiasten, die Nationalstolz und Nazis blöd finden, aber bei der EM Deutschlandfähnlein an ihre Karren hängen, gern auch mal nen schwulenwitz machen und ansonsten grade dann furchtbar tolerant sind, wenn Islamische Männer ihre Frauen unterdrücken – schließlich hat das dieses Flair von guter alter Zeit.

    Jeez.

  5. @WW
    Klingt sehr nach gelebten Sektentum. Zumindestens ein wenig manisch das Ganze. Wenn man nicht mal die innere Ruhe aufweisen kann, wenn jemand aus Liebesgründen dem Ganzen den Rücken kehrt, dann kommt das schon seltsam rüber. Traurige Gestalten.
    Vielleicht sollten sich diese Gestalten mal Gedanken machen, warum einige aussteigen wollen, und dass nicht nur aus Liebesgründen. Wäre vielleicht kreativer…

    Schalömchen Harris
    Ja, Nazis sind sehr blöd und nein, Nationalstolz in normaler Form nicht. Und Frauen unterdrücken ist auch blöd. Und ich bin sicher, bei dem ganzen gelebten Männertum innerhalb der nationalen Szene wird es doch bestimmt einige Homosexuelle geben oder? Wäre doch nicht schlimm gell? Aber sage mal, wer erzählt Dir denn so einen Bockmist, den Du hier gerade verfasst hast? Dein persönlicher Gauleiter?

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

  6. Ja, da gibt es nationale Schwule.
    Und erklärst du mir jetzt noch was daran witzig oder bemerkenswert ist?

  7. Hallo Bomber Harris,

    am Schwulsein an sich ist aus meiner Sicht nichts lustig oder erwähnenswert. Interessant wird es, wenn die Neonazis auf ihren Demos neben einem Schwarzen auch noch einen Rosa Block hätten. Das würde ihre reaktionäre Ideologie endgültig sprengen, da sich Homosexualität nicht mit den Anforderungen der Volksgemeinschaft vereinbaren lässt (siehe Hasselbachs Text zur Demografie). Daher rufen Neonazis ja explizit zum Kampf gegen die „zunehmende Homosexualisierung“ auf – neben der FN-München beispielsweise der RNF: Die NPD-Frauen hetzen gegen Akademikerinnen, die „oftmals lesbisch“ seien. Und weiter heißt es:

    Ein Hauptthema des RNF solle „immer die Ablehnung der rechtlichen Gleichstellung von schwulen Lebensgemeinschaften mit der Ehe zwischen Mann und Frau“ sein. Denn, man ahnt es schon, dies
    „schadet unserem Volk, weil damit das natürliche Zusammenleben zwischen den Geschlechtern in Frage gestellt, aufgeweicht, oder sogar lächerlich gemacht wird.“

    Die Rechtsextremisten fühlen sich also durch die bloße Existenz von schwulen und lesbischen Lebensgemeinschaften schon provoziert, das „natürliche Zusammenleben“ würde dadurch „lächerlich“ gemacht.

    Grüße
    Patrick

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