Überfall auf Polizeichef: Haftbefehle gegen Neonazi-Paar

Das nach dem Überfall auf den Passauer Polizeichef Mannichl festgenommene Neonazi-Pärchen soll offenbar nun doch auch tatverdächtig sein. Zunächst waren die beiden nur als Zeugen geführt und vernommen worden. Das Auto des Ehepaares war kurz vor dem Anschlag auf Mannichl in der Nähe des Tatorts gesehen worden, als die beiden Insassen dort mit einem Mann sprachen, auf den die Beschreibung des gesuchten Gewalttäters genau passt. Über das Kennzeichen kam die Passauer Polizei auf die Eheleute und auf deren Wohnung in München.

Am Abend des 17. Dezember 2008 wurde Haftbefehl gegen die Neonazis erlassen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen der 33 Jahre alte Mann und die 22 Jahre alte Frau den noch flüchtigen Täter bei dem Attentat unterstützt haben. Unterdessen fahndet die Sonderkommission bundesweit weiter nach dem Mann, der Mannichl am Samstag vor seinem Haus in Fürstenzell bei Passau niedergestochen und schwer verletzt hat. Zudem wird auch noch ein weiterer Komplize aus der Neonazi-Szene gesucht. Die 50-köpfige Sonderkommission hat aufgrund von Zeugenangaben detaillierte Beschreibungen der beiden Männer veröffentlicht. Ein weiterer Münchner, der am 16. Dezember 2008 vorläufig festgenommen wurde, ist wieder freigelassen worden. Dabei handelte es sich offenbar um Philipp Hasselbach (siehe unten). Bei den Verhafteten handelt es sich um Manuel und Sabrina H. aus München. Indymedia schrieb zu einem anderen Anlass über das Paar:

Das Ehepaar ist Mitglied bei den sog. “Freien Nationalisten München” um Philipp Hasselbach, aus dem Spektrum der extrem brutal agierenden “Autonomen Nationalisten”. Manuel H. war schon in den 90iger Jahren in München als Skinheadschläger bekannt und steht diesem Image auch heute in Nichts nach.Regelmäßig nahmen die Beiden in den letzten Jahren an fast allen Veranstaltungen der Münchener Naziszene teil, bei Kundgebungen der neonazistischen NPD, genauso wie bei Rechtsrockveranstaltungen oder Aufmärschen der Nazis. Im Mai 2007 waren Beide zum Beispiel an einem Überfall auf eine Feierlichkeit der israelischen Staatsgründung auf dem Münchner Odeonsplatz beteiligt. Die Gruppe Neonazis hatte die Bühne gestürmt, rief antisemitische Hetzparolen (z.B. “Juden raus!”) und griff Teilnehmerinnen und Teilnehmer, unter ihnen auch einige Holocaustüberlebende körperlich an. Ganz vorne dabei bei diesem Überfall war das Ehepaar H. Aber auch ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit zeigt die extrem rassistische und antisemitische Einstellung der Beiden:
Am 26.7.08 sind beide Teilnehmer der Beerdigung des Rechtsterroristen und ehemaligen Vorsitzenden der mittlerweile verbotenen Nazipartei FAP. In Folge der Beerdigung kommt es zu einem Angriff von etwa 30 Nazis auf einem Journalisten. Nachdem einige der Täter von der Polizei verhaftet werden, machen die Nazis einen spontanen Aufmarsch durch die Passauer Innenstadt. Manuel H. läuft hierbei in erster Reihe vorneweg, in direkter Nähe zum NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt und bundesweit bekannten Nazischlägern wie Thomas Wulff und Sigi Borchardt. Auch Sabrina H. ist beteiligt. Sie rufen u.a. “Deutsche macht euch frei von der Judentyrannei!”. Manuel H. selbst tritt dabei äußerst aggressiv auf und geht u.a. auf einen Journalisten los. Am Rande der Demonstration kommt es zudem zu einem Übergriff auf eine Frau mongolischer Herkunft durch den Nazimob.

Auf der Seite der Freien Nationalisten München heißt es zu dem Überfall auf Mannichl:

Wen wundert schon bei so einer zweifelhaften Bilanz [gemeint ist Mannichls Einsatz gegen Neonazis, RvS], daß es Menschen gibt, die abdrehen und sich nicht anders zu helfen wissen, wenn die herrschenden Strafgesetze bei jemandem wie Mannichl keine wirkungsvolle Anwendung finden?!

Außerdem schreibt FNM-Anführer Philipp Hasselbach, er sei ebenfalls festgenommen worden:

Ich selbst wurde am Dienstabend gegen 21 Uhr von Polizeibeamten der Mordkommission Passau vor meiner Wohnung festgenommen und in Handschellen in die Drei-Flüsse-Stadt gefahren. Zuvor erklärte ich, daß ich mit der Tat nichts zu tun habe und auch zu keiner DNA-Abgabe bereit bin. Nach einer Leibesvisitation sperrte man mich über Nacht in die Gewahrsamszellen der Kriminalpolizeiinspektion Passau.

Am Mittwochvormittag wurde ich durch die Mordkommission einem Oberstaatsanwalt sowie einem Richter des Amtsgerichts Passau zur Zeugenaussage vorgeführt. Ich sagte die Wahrheit und entlastete damit das Ehepaar.

Im Folgenden legt Hasselbach das Alibi dar, wonach Sabrina und Manuel H. gar nicht am Tatort gewesen sein können und schreibt weiter:

Dieses ganze Theater ist doch nur dazu da, um massive Repression gegen den nationalen Widerstand auszuüben. Trotzdem weichen wir nicht von unserer Meinung ab, daß Polizeidirektor Mannichl diesen Anschlag vielleicht sogar provoziert hat.

Hasselbach veröffentlichte auf den Seiten zudem den Beschluss über die Beschlagnahme seines Mobiltelefons sowie die Bescheinigung darüber.

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Ein Hinweis an Kollegen:

Sollte dieser Bericht und/oder diese Seite bei Ihren Recherchen hilfreich gewesen sein, wäre es schön, darauf in den Artikeln hinzuweisen. Danke!

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„Systempresse“ als „feindlicher Soldat“

Die „Freien Nationalisten München“ pflegen Kontakte zur NPD, allerdings gibt es auch Konflikte mit bestimmten Funktionären. Bei einem Aufmarsch der „Freien Nationalisten“ am 15. November 2008 trat als Redner der NPD-Funktionär Roland Wuttke auf. In seiner Rede hieß es laut einem Bericht der Initiatoren des Aufmarsches:

Auch Roland Wuttke reihte sich hierbei in die Gruppe hochkarätiger Redner ein, welche unser heutiges Heldengedenken mit Inhalt füllten. Er machte dabei auch deutlich, welche Opfer der einzelne Soldat, aber auch das gesamte deutsche Volk in den vergangenen Kriegen erbringen musste. So sprach er auch die menschenverachtenden und grausamen Pläne an, mit welchen die Siegermächte versuchten, das deutsche Volk auszulöschen. Mit dem deutlichen Vergleich, daß ein Journalist der Systempresse, welcher ein Kameraobjektiv auf uns richtet, nicht weniger schäbig und gefährlich ist, als ein feindlicher Soldat, der mit seiner Waffe auf unseren Kopf zielt, beendete Kamerad Wuttke seine exzellente Rede.

Der NPD-Funktionär Karl Richter sprach bei dem Aufmarsch. Die FNM dazu:

Stadtrat Karl Richter fand zum Ende seiner Rede noch ein paar dankende Worte für die Polizeikräfte, welche heute im Einsatz waren. Er machte deutlich, daß dieses Polizeiaufgebot gar nicht von Nöten gewesen wäre, gäbe es nicht die kriminellen und menschenverachtenden Banden der selbsternannten Antifa, welche die Gewalt auf Münchens Straßen tragen.

Die NPD macht sich derweil über den Anschlag auf Mannichl lustig. Auf einer ihrer Internet-Seiten wurde folgende Meldung veröffentlicht, die lustig sein soll („Vorsicht Satire“):

Hier ein Bild der Tatwaffe mit der der Passauer Polizist angeblich angeritzt wurde. Alleine die altdeutsche zurückgewandte und ewig gestrige Schrift und der Herkunftsort “Nürnberg”, die Stadt der hitlerschen Reichsparteitage, sollte Beweis genug sein, daß es sich bei dem Täter nur um einen Nazi handeln kann.

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Siehe auch: Anschlag auf Polizei-Chef: NPD distanziert sich, aber…, Kommentar: Düsseldorf, Mügeln, Passau – NPD-Verbot jetzt?, Mutmaßlicher Neonazi-Angriff in Passau: Erneut Debatte um NPD-Verbot, Passauer Polizeichef offenbar von Neonazi niedergestochen, Sollte die NPD verboten werden?, Die Spätfolgen eines Debakels, Das Problem mit den V-Leuten