Angriff auf Journalistin: HDJ-Führer Räbiger zu Geldstrafe verurteilt

Das Amtsgericht Zossen hat laut taz den Bundesführer der Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ), Sebastian Räbiger, wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen a 30 Euro verurteilt. Räbiger und ein zweiter Angreifer, Friedrich T., hatten bei einem Treffen der HDJ in Blankenfelde die Journalistin Andrea Röpke und einen Fotografen in einem Supermarkt attackiert. In der Verhandlung stritt Räbiger laut einem Bericht der taz ab, die Journalistin geschlagen zu haben, obwohl ein ärztliches Attest Kopf- und Oberkörperverletzungen aufgrund von „körperlicher Gewalt“ feststellte. „Nein, diese Frau hab ich nicht geschlagen“, sagte dagegen Räbiger. Er will ihr nur hinterhergelaufen sein und gerufen haben: „Andrea, bleib stehen!“ In dem Supermarkt habe er sich dann bloß deshalb vor ihr aufgebaut, weil er über das Fotografieren verärgert war. „Da ist sie wohl hingefallen“, meint er und beteuert sogleich, T. sei nicht dabei gewesen. Der hatte zuvor schon knapp gesagt, „nicht beteiligt“ gewesen zu sein.

Der Amtsrichter glaubte den Ausführungen nicht und wies zudem in der Urteilsbegründung darauf hin, dass es sich ein politisch aktiver Mann wie Räbiger gefallen lassen müsse, wenn Journalisten investigativ recherchieren. Das Verfahren gegen Räbigers Mitangeklagten Friedrich T. wird abgetrennt. Mit dem Strafmaß gilt Räbiger als vorbestraft; ob Rechtsmittel eingelegt werden, sei derzeit nicht bekannt.

Andrea Röpke und ihr Kollege wollten über eine Zusammenkunft der HDJ in einem Lokal in Blankenfelde berichten. Sie beobachteten die Veranstaltung, an der etwa 200 Rechtsextreme teilnahmen, aus etwa 100 Meter Entfernung. Als sie bemerkt wurden, flüchteten die Beiden in einen Supermarkt. Dort wurde Andrea Röpke von mehreren Angreifern zu Boden gestoßen und ins Gesicht geschlagen. Ihr Kollege wurde geschubst und gewürgt.

Keine Polizei – aber verängstigte Zeugen

Obwohl die Journalistin das Berliner Landeskriminalamt im Vorfeld über die Veranstaltung informiert hatte, traf die Polizei erst 45 Minuten nach der Attacke ein. Es soll Probleme bei der Abstimmung zwischen den Sicherheitsbehörden in Brandenburg und Berlin gegeben haben. Andrea Röpke bat Augenzeugen darum, Zeugenaussagen zu machen. Aus Angst fand sich niemand dazu bereit.

Der HDJ droht ein Verbot durch das Bundesinnenministerium. Anfang Oktober wurden bundesweit Wohnungen und Geschäftsräume von rund 100 Personen durchsucht. Die HDJ beschreibt sich selbst als “aktive volks- und heimattreue Jugendbewegung für alle deutschen Mädel und Jungen”. Sie führt Zeltlager durch, organisiert Reisen und andere Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, um Nachwuchs für die rechtsextreme Szene zu rekrutieren.

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