Revision gegen Urteil im Prozess um Tod von Oury Jalloh

Die Nebenkläger sowie die Staatsanwaltschaft haben gegen nach dem Prozessende um den Tod von Oury Jalloh Revision eingelegt. Nach Angaben des Landgerichts Dessau-Roßlein richtet sich die Revision im Hauptverfahren 6 Ks 4/05, in dem zwei Polizeibeamte des Polizeireviers Dessau-Roßlau vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung bzw. der Körperverletzung mit Todesfolge freigesprochen worden waren, der Nebenklage unbeschränkt (also gegen beide Urteile), das Rechtsmittel der Staatsanwaltschaft richtet sich nur gegen den Freispruch des Angeklagten Andreas S.. Mit dem Freispruch des Dienstgruppenleiters Andreas S. und seines Kollegen Hans-Ulrich M. wird sich nun der Bundesgerichtshof befassen.

Das Urteil hatte

wütende Proteste im Gerichtssaal ausgelöst. Beide Polizeibeamte standen wegen des Vorwurfs einer Mitschuld am Tod des Asylbewerbers aus Sierra Leone seit März 2007 vor Gericht. Der 23-jährige Jalloh wurde vor fast vier Jahren in Dessau festgenommen, weil sich Mitarbeiterinnen der Stadtreinigung von dem alkoholisierten Mann belästigt fühlten und die Polizei riefen. Er starb am 7. Januar 2005 in der Ausnüchterungszelle, in der man ihn auf einer Matratze liegend an Händen und Füßen fesselte. Todesursache war ein Hitzeschock durch einen Brand, den der Mann nach Ansicht des Gerichts selbst entfachte. Wie dies genau geschehen sein soll, bleibt indes weiter unklar.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sagte am Mittwoch in einer Regierungserklärung im Magdeburger Landtag, „der nicht natürliche Tod einer in staatlichem Gewahrsam befindlichen Person hat uns nachhaltig betroffen gemacht. Der Vorgang beschämt uns alle.“ Er könne „das Unverständnis der Angehörigen“ über die Vorgänge nachvollziehen.

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