Thüringen: “Angriff 2009″ und viel heiße Luft

„Angriff 2009“ – so lautet der interne Titel einer NPD-Schulung am Wochende 06. und 07. Dezember 2008. Geplant waren laut einem Bericht von Radio Frei eine Argumentations- und Rhetorikschulung für das kommende Wahlkampfjahr.

In Eisenach und Jena trafen sich dem Bericht zufolge jeweils etwa zwölf Kameraden um über das Vorgehen im nächsten Jahr informiert zu werden. Zwar gab es immer wieder Meldungen das Wahlbündnis der NPD, DVU sowie der Freien Kameradschaft werde bis zur Wahl 2009 zerbrechen, doch die Rednerlisten des vergangenen Wochenendes belegten das Gegenteil. Sowohl ein Vertreter der DVU als auch ein hohes Mitglied der Freien Kameradschaft sprachen auf den Veranstaltungen der NPD. Die Mobile Beratung in Thüringen, MOBIT, geht dennoch davon aus, dass die extreme Rechte derzeit sehr uneins ist. Innerparteiliche Streitigkeiten in der NPD, das Veruntreuungsdebakel auf der Bundesebene als auch die Profilierungskämpfe gegen die „PRO“-Bewegung setzten der NPD in den letzen Monaten gewaltig zu.

Doch während sich das Thüringer NPD-Lager für den Wahlkampf rüstet fehlt es bei der Splittergruppe „PRO Erfurt e.V.“ noch immer an Kontur. Seit der Gründung der Thüringischen „PRO“-Bewegungen agiert der Verein rund um Kai-Uwe Trinkaus und Konrad Förster gegen die NPD. Dennoch fehlt es bislang an einer konkreten Positionierung im Wahlkampf. So mischt sich die Partei zwar derzeit lautstarke in viele kommunale Themen mit ein, doch fehlt diesen Themen sehr oft die Grundlage. So gibt es auf der Homepage des „PRO Erfurt e.V.“ den Hinweis auf eine Vereinsgründung mit dem Namen „Topf und Söhne – Besetztes Haus“. Doch Bürgermeisterin Thierbach erklärt gegenüber Radio F.R.E.I., dass es keinen Verein namens „Topf und Söhne – Besetztes Haus“ gibt.

Bekannte Behauptung

In Thüringen hatten Neonazis immer wieder Vereine gegründet – angeblich dutzende. Ganz vorne dabei bei dieser Taktik: Trinkaus. Der hatte angeblich die Unterwanderung von Vereinen in Thüringen vorangetrieben. Gegenüber der Zeit behauptete er, er habe in den vergangenen 48 Monaten mehr als 25 Vereine in und um Erfurt gegründet oder war dabei behilflich. “Die kommunale Verankerung schaffen wir nur über Vereine: entweder selbst gründen oder bestehende übernehmen”, sagte Trinkaus demnach. “Alleinerziehende in Not”, “Pro Kid” oder “Schöner Leben in Erfurt” hießen diese Vereine angeblich. Wie viele weitere tatsächlich existierten oder nur Trinkaus’ Prahlerei entstammen, ist bislang unbekannt.

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