Sachsen: Rechtsextremer Kreisrat droht offenbar gegen “Nasen”

Der parteilose Kreisrat Olaf Martin (ehemals NPD) aus Mylau sieht sich laut einem Bericht der Freien Presse einem Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung ausgesetzt. Martin soll demnach auf seiner Internetseite „Schwarzer Orden Vogtland“ gegen eine Mylauer Familie zu Felde gezogen sein, auf die vor einem Jahr ein Anschlag mit einem Molotow-Cocktail verübt worden war. Neben der betroffenen Familie hatte auch Mylaus Bürgermeister Christoph Schneider (CDU) wegen „Beleidigung, Hetze und Bedrohung von Mitbürgern“ Anzeige gegen den Verfasser der Hetzschrift erstattet.

Unmittelbar nach einem Prozess am Landgericht Zwickau, bei dem zwei Mylauer Jugendliche wegen versuchten Mordes und Brandstiftung zu Haftstrafen verurteilt worden waren, tauchte die Hetzschrift im Internet auf. Administrator der Präsenz, das bestätigte dem Blatt am 03. Dezember 2008 Staatsanwalt Jörg Rzehak, ist Olaf Martin, der in Mylau den Neonazi-Szene-Laden Ragnarök führt und sich als „Nationaler Sozialist“ bezeichnet.

„Mylauer wehrt Euch“

Auf der Internetseite wird von „Aufklärung“ in Bezug auf den Prozess geredet. Dabei ist von Christoph Schneider als „weichgespültem“ Bürgermeister die Rede. Bei der von dem Anschlag betroffenen Familie handele es sich um „Affen“, um „Nasen“ (in Nazi-Deutschland wurden Juden auf Hetz-Plakaten seinerzeit mit langen Nasen dargestellt), die sich „aus niederen Beweggründen“ immer wieder mit „einigen Nachbarn“ anlegen. Diese Familie würde mit anderen „Schmutz über Mylau ausschütten.“ Und weiter heißt es: „Mylauer wehrt Euch gegen diese Verunglimpfung Eurer Heimatgemeinde. Zeigt den Nasen was Ihr von ihren Machenschaften haltet.“ Und: „Noch ein Satz an jene Herrschaften, Ihr wollt Kampf?? Ihr werdet ihn bekommen!!!“

Für die Familie und Mylaus Bürgermeister sei dies eine klare Drohung, schreibt die FP, zumal ein Familienmitglied erst am 02. Dezember 2008 bei einem Spaziergang von zwei motorisierten Rechtsextremen beobachtet und später sogar bis in eine Bäckerei begleitet worden sei. Die Verkäuferin in der Bäckerei könne dies bezeugen. Die Familie sei vor Jahren aus den alten Bundesländern zugezogen und sehe sich seitdem mehrfach unter dem „Vorwurf“, jüdisch zu sein, bedroht.

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