Rechtsextreme beim Table-Dance mit Pumpgun und Brandsätzen

Die Polizei in Göttingen hat am Morgen des 30. November 2008 fünf 25 bis 38-jährige Angehörige der rechtsextremen Szene aus der Region wegen versuchten Totschlags und versuchter schwerer Brandstiftung festgenommen. Nach einem Streit zwischen mehreren Gästen in einer Table-Dance-Bar hatte ein 34-Jähriger aus Göttingen eine Pumpgun gezogen und auf einen 42 Jahre alten Gast geschossen. Weil dieser sich offensichtlich wehrte, traf der Schuss nur eine Wand. Kurz nach der Tat wurden der 34-Jährige und seine vier Begleiter aus der Bar verwiesen. Als daraufhin aus der Gruppe heraus zwei Brandsätze gegen das Gebäude geworfen wurden, alarmierten Besucher die Polizei.

Drei Personen wurden von den Beamten in Tatortnähe gestellt, zwei weitere wurden im Rahmen einer Fahndung im Göttinger Stadtgebiet festgenommen. Die fünf Männer aus Göttingen sowie den Landkreisen Hildesheim und Northeim werden von der Polizei ebenso der rechtsextremen Szene zugeordnet wie der 42-jährige Gast aus dem Landkreis Göttingen. Die Täter sollen nun dem Haftrichter vorgeführt werden. Polizeipräsident Hans Wargel zeigte sich erschrocken über die „kriminelle Energie und Gewaltbereitschaft“. Der Vorfall zeige, dass „Angehörige der rechten Szene über illegale Schusswaffen verfügten und diese auch einsetzten“.

Beobachter warnen bereits seit dem Sommer vor einer Verstrickung von Neonazis in das Rotlichtmilieu in der Region. Anlass war ein für den 12. Juli in der Göttinger Tabledance Bar „Moonlight“ geplantes Konzert mit Musikgruppen, die zum Teil der extremen Rechten zugeordnet werden. Nach Protesten vor Ort hatte die Stadt Göttingen das Konzert aus Konzessionsgründen verboten. Trotz eines „Solidaritätskonzertes“ eine Woche später in der Region musste der Betreiber sein Vorhaben im Oktober offenbar aus finanziellen Gründen aufgeben. Der aktuelle Vorgang zeigt jedoch, dass der Betreiber- und Namenswechsel der Bar ihrer Anziehungskraft auf Teile der extremen Rechten in und um Göttingen keinen Abbruch getan hat.

Siehe auch: Göttingen: Spekulationen um Brand in Afro-Shop, Debatte: Brutalisierung und Modernisierung bei Neonazis?