Rechtsextreme Einstellungen: Vergleich der Bundesländer

Wenig neue spektakuläre Erkenntnisse, aber dennoch viele wertvolle Informationen liefert einmal mehr eine Studie im Auftrag der Friedrich Ebert Stiftung zu ausländerfeindlichen Einstellungen in der Bundesrepublik. Demnach sind solche feindlichen Einstellungen weiterhin sehr verbreitet, die meisten Personen mit rechtsextremen Einstellungen wählen noch immer CDU/CSU oder SPD und im Osten nimmt die Ausländerfeindlichkeit der Studie zufolge sogar noch zu. Interessant ist vor allem die Aufschlüsselung nach Bundesländern.

Die Autoren der Studie, Oliver Decker und Elmar Brähler sagten bei der Vorstellung, in Ostdeutschland habe man noch nie derart hohe Werte für eine ausländerfeindliche Gesinnung wie 2008 ermittelt. Jeder dritte Ostdeutsche zeige eine ausländerfeindliche Einstellung. Nur weil die Werte für die westdeutschen Bundesländer im Vergleich zu 2006 stark zurückgingen, bleibe eine positive Entwicklung für das gesamte Bundesgebiet.

Bayern ganz vorne dabei

Die Forscher warnten jedoch vor einem schlichten Ost-West-Vergleich. Bei einer solchen Unterscheidung ginge unter, dass auch einzelne westdeutsche Bundesländer einen sehr hohen Anteil an Ausländerfeindlichkeit oder Antisemitismus hätten. So liege beispielsweise Bayern bei der Frage nach chauvinistischen und antisemitischen Einstellungen im Ländervergleich ganz vorn und bei der Frage nach ausländerfeindlicher Einstellung auf Platz 2. In Mecklenburg-Vorpommern erhielten die Forscher die größten Zustimmungen bei den Fragen zur Verharmlosung des Nationalsozialismus, zum Sozialdarwinismus und zur Befürwortung einer Diktatur. Die geringste rechtsextreme Einstellung ermittelten die Forscher insgesamt im Saarland.

Die Forscher betonten, dass bei der politischen Arbeit anstelle einer Ost/West-Unterscheidung eine Differenzierung nach Regionen erfolgen müsse. Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth forderte Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden Bayerns in der Studie. Roth sagte der Nachrichtenagentur ddp, die politisch Verantwortlichen „sollten sich endlich fragen, was falsch läuft im Freistaat“.

Siehe auch: Hessen: “Ein Blick in die Mitte”, Wirtschaftswunder und blühende Landschaften als “narzisstische Plombe”, Jeder vierte Deutsche wünscht sich eine einzige Partei oder Volksgemeinschaft und “Wir brauchen Unruhe in Ostdeutschland”.

3 thoughts on “Rechtsextreme Einstellungen: Vergleich der Bundesländer

  1. Also wenn ich lese dass Chauvinismus und Antisemitismus in Bayern am stärksten sind, dann hat das m.E. weniger mit braunen Umtrieben in der Bevölkerung zu tun (siehe die nicht vorhandenen NPD-Erfolge) sondern mehr mit dem katholischen Fundament der bayerischen Gesellschaft. Der Antisemitismus wird denn wohl auch weniger ein „rassischer“ Antisemitismus („Untermensch“ etc.) sondern ein religiöser Antijudaismus – das Bild von den Juden als Jesusmörder.
    Dass Meck-Pomm die Statistik in Sachen Neo-Nazi-Mentalität anführt verwundert wenig- wobei man, so wurde mir zumindest gesagt, unterscheiden sollte zwischen dem, im relativ Vergleich, wirtschaftlich erfolgreicherem, demographisch gefestigterem und gesellschaftlich zivilisierterem Mecklenburg auf der einen, und Vorpommern auf der anderen Seite. Ich als Hamburger hab mit den Leuten aus Meck-Pomm, die ich in den letzten beiden Jahren kennenlernte, derartige Erfahrungen gemacht: Je weiter östlich die Leute herkamen, desto weniger hatte ihre Gesellschaftperzeption und Mentalität mit der meinigen gemein und desto brauner wurde sie.

  2. http://www.zoomer.de/news/topthema/-/-/artikel/studie-rechtsextremismus-ist-massenphaenomen

    den artikel braucht man nicht lesen
    die Kommentare aber schon.
    da sieht man den aufstand der Anständigen. Geht es gegen NPD und Kameradschaft wären ei Kommentatoren sicher alles gute Antifaschisten. Gerät man aber selbst ins Schussfeld und läuft gefahr als Rassist(etc) enttarnt zu werden, dann wird einfach mal ein die Erhebungsgrundlage einer Studie angezweifelt.
    lachen oder weinen?

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