Eine ganz normale Woche in Sachsen geht zu Ende…

Am 27. November 2008 verurteilte das Zwickauer Landgericht laut einem Bericht der Sächsischen Zeitung zwei Jugendliche (beide 16) aus dem vogtländischen Mylau wegen versuchten Mordes. Im Suff waren die beiden vor einem Jahr zum Haus einer Familie gezogen, hatten Molotow-Cocktails geworfen. Heimtückisch wollten sie die fünf im Haus schlafenden Familienmitglieder töten, so das Gericht. Sprecher Altfrid Luthe: „Die Angeklagten handelten mit Tötungsvorsatz, weil sie von der Wehrlosigkeit der Bewohner ausgingen.“ Motiv: Feindseligkeiten – und laut Opferhilfeverband RAA Fremdenfeindlichkeit. Dafür kassierte das Duo nun drei Jahre beziehungsweise 30 Monate Haft.

Brandanschlag auf KOMM Haus

In der Nacht zum 24. November 2008 gegen 02.30 Uhr ist auf die Räume des „Vereins für Kultur und Kommunikation“ im „KOMM Haus“ in Leipzig-Grünau ein Brandanschlag verübt worden. Dabei brannten nach Angaben des RAA Sachsen die Büroräume, welche einmal im Monat von der Bürgerinitiative „Buntes Grünau“ genutzt werden, völlig aus. Das Haus war demnach immer wieder Ziel von Nazisprühereien und rechten Aufklebern; wenige Tage zuvor waren bereits vier Scheiben eingeworfen wurden. Die Tat in Leipzig-Grünau stellt bereits den 14. rechts motivierten Brandanschlag in Sachsen im Jahr 2008 dar. Im Vorjahr kam es zu drei rechtsextremen Brandanschlägen.

Razzien gegen militante Neonazis

Am 25. November 2008 stellte die Polizei in Ostsachsen bei Razzien in der Neonazi-Szene umfangreiches Beweismaterial sicher. Wie die Staatsanwaltschaft Görlitz laut einem Bericht des mdr mitteilte, wurden bei der Durchsuchung von rund zwei Dutzend Wohnungen in Görlitz und einem Vereinshaus in Zittau unter anderem Waffen, Munition, Sturmhauben und Baseballschläger beschlagnahmt.

In den durchsuchten Objekten stellten die Ermittler demnach auch Computertechnik sowie Hakenkreuz-Fahnen und ein Hitlerbild sicher. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln gegen 16 Rechtsextremisten im Alter zwischen 20 und 37 Jahren. Den Beschuldigten werden laut mdr unter anderem Raub, gefährliche Körperverletzung und die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vorgeworfen.

Im September 2006 waren bei der Durchsuchung von Wohnungen und Objekten rechter Vereinigungen im damaligen Landkreis Löbau-Zittau ebenfalls Beweismittel in großem Umfang entdeckt worden. Das im aktuellen Fall beschlagnahmte Material sei jedoch als gefährlicher einzustufen, erklärte Staatsanwalt Till Neumann.

Razzia beim NPD-Verlag

Im Zuge der Ermittlung gegen den ehemaligen Schatzmeister der NPD, Erwin Kemna, hat die Staatsanwaltschaft Münster am 27. November 2008 auch den NPD-Verlag Deutsche Stimme im sächsischen Riesa durchsuchen lassen.

Der am Wochenende 22./23. November 2008 aufgestellte Container gegen Rechts an der Straße der Nationen in Chemnitz wurde laut RAA Sachsen zwei Mal innerhalb von drei Tagen beschmiert. Unbekannte hätten zwei Wände mit roter Farbe beschmiert und mit Altöl begossen. Der vor einem Geschäft aufgestellte Container enthält Informationen über rechtsextreme Symbolik im Alltag. Die Initiatoren von der Bürgerinitiative „Mitte gegen Rechts“ wollen dagegen protestieren, dass der Laden auch Kleidung der bei Rechtsextremen beliebten Marke „Thor Steinar“ führt.

Chronik rechtsextreme Gewalt in Sachsen.

Siehe auch: Neu: Linkliste Hilfe und Beratung, Sachsen: NPD laut Umfrage bei sechs Prozent, Sachsen: NPD holt 5,1% bei Kommunalwahlen / 25% in Reinhardtsdorf-Schöna, Sachsen: “Mitarbeiter der NPD-Fraktion ein Verbrecher – und kein Politiker”, Neonazis und die Drohung als Mittel der Politik , Sachsen: “Sturm 34″ und der K(r)ampf gegen Rechts, Überfall auf Dorffest: Bewährungsstrafen für “Sturm-34″-Mitglieder,  Staatsanwaltschaft legt Revision im “Sturm 34″-Prozess ein, Sachsen: Sturm 34 laut Gericht keine kriminelle Vereinigung, Sachsen: NPD-Mann soll “Sturm 34″ gesteuert haben, Das Problem mit den V-Leuten, Sachsen: Prozess gegen “Sturm 34″ – inklusive V-Mann, Sachsen: Haftstrafe für Sturm-34-Mitglied, Sachsen: Haftstrafe für SSS-Anführer, Sachsen: “Der parlamentarische Arm dieser Verbrecher”, Quantensprung für die NPD: Union debattiert über Gleichsetzung mit Linkspartei