Zossen: Ein Neonazi wird weinerlich

Die Märkische Allgemeine berichtet am 26. November 2008 über einen Rechtsextremisten, der die Erinnerung an jüdische Nazi-Opfer nicht ertragen kann. Rainer Link sei ein bekennender Rechtsextremist, der bereits mehrfach von Gerichten zu Geldstrafen verurteilt wurde, weil er aktiv die so genannte „Holocaust-Lüge“ vertrerte, schreibt das Blatt.

Link bewege sich dabei im Dunstkreis des sehr prominent als Holocaust-Leugner hervortretenden Anwalts Horst Mahler und war zeitweise Schatzmeister des mittlerweile verbotenen „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten“. Dass nun einem Fanatiker wie Rainer Link, der seit Jahren durch die Lande zieht, um zu behaupten, den Holocaust habe es nie gegeben, zwei Gedenksteine für ermordete Juden vor die Ladentür gelegt werden, bewertet die MAZ als Ironie des Schicksals.

Link war den Angaben zufolge vor drei Jahren aus Berlin in die Stadt zog, unter anderem, weil ihm in der Hauptstadt angeblich niemand mehr eine Wohnung vermieten wollte, wie Rechtsextremismus-Experte Maurice Reisinger dem Blatt berichtete. In Zossen erwarb Link demnach das Geschäft in der Berliner Straße 11 in Unkenntnis dessen, dass dies früher ein jüdisches Wohnhaus war, und richtete im Untergeschoss sein Internetcafé ein. „Wenn ich gewusst hätte, dass in dem Haus jemals Juden gewohnt haben, hätte ich das Objekt nie gekauft“, klagt Link in einem offenen Brief an Zossens Bürgermeisterin Michaela Schreiber. Darin beschwert er sich dem Bericht zufolge nachdrücklich darüber, „hinterrücks besteinigt“ worden zu sein und über den „barschen Tonfall“ am Tag der Verlegung. Dabei sei es doch Link selbst gewesen, der einen städtischen Angestellten verprügeln wollte und mehrere Umstehende schubste und anschrie. Dann schimpfte er über den „Meinungsterrorismus“ beim Thema Juden, einen „volksverhetzenden Artikel“ in der MAZ und klagte, er müsse nun um sein Geschäft und sogar sein Leben fürchten.

Bierkiste verdeckt Stolperstein 

Bislang seien allerdings nur unfreundlich dreinblickende junge Männer in Bomberjacken zu sehen, die hinter dem Schaufenster demonstrativ auf die Straße starren – unter anderem zu dem mit einer Bierkiste abgedeckten Stolperstein. Link bezeichnete die Stolpersteine als „Schuldkultsteine“ und verlegte sich darüber hinaus auf eine Mischung aus Drohen („Ich werde Sie für alles haftbar machen“, „Ich investiere keinen Euro mehr“) und Weinerlichkeit („Zossen ist für mich zu einem Alptraum geworden“, „Ich schlafe in meinen Gewerberäumen, um präsent zu sein, sollte die verhetzte Meute meinen Laden überfallen“).

Schon seit dem 24. November 2008 bedeckt laut MAZ ein Bierkasten die Stolpersteine, daran hat der Unternehmer einen Aufsteller gelehnt. Zossens Ordnungsamtsleiter Hartwig Ahlgrimm habe zwar versprochen, Mitarbeiter vorbeizusenden, doch konnten sich diese entweder nicht durchsetzen, oder die Sturheit des Rainer Link war stärker: Am Abend bedeckte die Bierkiste die Steine nach wie vor. Auch am 25. November waren die Steine laut MAZ während der Öffnungszeiten des „Medienkombin@ts“ nicht zu besichtigen. Die Idee, den Kasten zur Seite zu schieben, dürfte den meisten Passanten angesichts der grimmig schauenden Herren hinter der Scheibe schnell vergangen sein, meint das Blatt. Bürgermeisterin Michaela Schreiber versprach gegenüber der MAZ aber, man werde sich schnell darum kümmern.

Siehe auch: Greifswald: Erste Stolpersteine werden verlegt, Das Projekt Stolpersteine im Internet.