Wer übernimmt die Vogtei von Berlin-Köpenick?

Auch wenn die NPD einmal mehr versucht, mit ihrer abenteuerlichen beziehungsweise nicht vorhandenen Informationspolitik die Wogen zu glätten: Die Katze ist aus dem Sack. Der Parteivorstand hat dem Druck der Basis und wohl auch der eigenen Unzufriedenheit stattgegeben und einen Sonderparteitag für das Frühjahr 2009 angesetzt. Parteichef Udo Voigt wollte erst Ende des kommenden Jahres einen solchen Parteitag einberufen – nach den Bundestagswahlen und den Urnengängen in Thüringen, Sachsen, Brandenburg und im Saarland.

Marx tippt auf Apfel, Molau tritt nicht an

Pressesprecher Klaus Beier hatte gegenüber Nachrichtenagenturen noch behauptet, man wolle sich nur optimal für das Wahljahr aufstellen, wobei dies die Neubesetzung des Chefsessels in Berlin-Köpenick durchaus beinhalten kann. Sonst herrscht bei der NPD einmal mehr Stillschweigen, wahrscheinlich auch den erneuten Razzien in der Bundeszentrale geschuldet – einmal mehr geben sich die Ermittler in Sachen Ex-Schatzmeister Kemna im NPD-Hauptquartier die Klinke in die Hand.

Der Tagesspiegel sprach mit NPD-Generalsekretär Peter Marx über den geplanten Sonderparteitag, Marx sagte: „Ich erwarte, dass ein neuer Vorsitzender gewählt wird.“ Er tippt demnach auf den NPD-Fraktionschef Holger Apfel. Aber auch Udo Pastörs wird immer wieder als Kandidat genannt, Jürgen Rieger dürfte wohl kaum Chancen haben – würde aber den Unterhaltungswert der ganzen Sache weiter steigern. Andreas Molau sagte auf Anfrage des Autoren, er werde nicht kandidieren.

Wer auch immer der neue Vorsitzende wird: Die Probleme sind gewaltig. Der kleinen klammen Partei drohen weitere Strafzahlungen in Höhe von Hunderttausenden Euro, die Mitgliederzahlen sinken. Und es waren in Bayern  Führungskader, die der rechtsextremen Partei den Rücken gekehrt haben. Auch in Sachsen traten mehrere Neonazis aus, sie sehen in der NPD offenbar nicht mehr „ihre beste Waffe“, sondern setzen auf netzartige Strukturen – in denen aber auch Hierarchien vorherrschen. Aber der Voigt kann dort ohne Parteitag ausgetauscht werden.

Siehe auch: Bayern: JN-Landeschef Fischer aus der NPD ausgetreten, Bundesparteitag der NPD: Flügelkämpfe und Schlammschlachten, Neonazis und die Drohung als Mittel der Politik, “Autonome Nationalisten”: Neues Outfit, alter Hass, NPD & “Autonome Nationalisten”: Frankensteins Eiertanz