“Deutschlandpolitische Akademie” in Bad Lauterberg

Von der Öffentlichkeit weitestgehend unbeachtet, haben die „Schlesische Jugend“ und die „Jungen Witikonen“ des völkischen sudetendeutschen „Witikobundes“ in Bad Lauterberg am Harz ihre angekündigte „Deutschlandpolitische Akademie“ durchgeführt. Beobachter des Treffens sprechen von etwa 20 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet. Die viertägige Veranstaltung mit dem Titel „Werte und Tugenden für ein zukünftiges Deutschland und Europa“ war ursprünglich für „einen zentralen Ort in Sachsen Anhalt“ angekündigt worden, fand jedoch von Donnerstag bis Sonntag, den  23. November 2008 im Wanderheim des Harzklub-Zweigvereins Bad Lauterberg statt.

Teilnehmer der Holocaust-Konferenz dabei

Der Tagungsort des nicht-öffentlichen Treffens war offenbar streng geheim, seine Adresse selbst intern unter Verschluss gehalten worden. In einer ersten Reaktion erklärte die „Heimwartin“ des Harzklubs, die Tagung sei von einem Braunschweiger Diakon mit dem Nachnamen Kresse als christliches Seminar angemeldet worden. Als Referentin für die Tagung war u.a. die ehemalige Lehrerin Ingeborg Godenau angekündigt. Sie hatte bei Kommunalwahlen mehrfach für „Die Republikaner“ kandidiert, im Frühjahr 2006 war sie die Spitzenkandidatin des rechtsextremen „Bürgerbündnis Pro Schwalm-Eder“ in Hessen. Im gleichen Jahr wurde sie wegen ihrer rechtsextremen Tätigkeiten vom Schuldienst suspendiert.

Nach Informationen aus Bad Lauterberg war auch der Kölner Diplompsychologe Benedikt Frings bei dem Treffen zu Gast. Er ist Geschäftsführer des NPD-Kreisverbandes Köln und hatte 2006 an der sog. Teheraner Holocaust-Konferenz teilgenommen. Weil er angeblich den Massenmord an Juden als „Holocaust-Anti-Religion“ bezeichnet hatte, „also als etwas, das nicht wissenschaftlich nachweisbar, sondern dem Bereich des Glaubens angehörig ist“, hatte die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) Frings wegen Volksverhetzung angezeigt.

Kritik an der Polizei

Der Geschäftsführer des Kreisverbandes Osterode am Harz der Partei Die Linke, Frank Kosching, kritisierte in diesem Zusammenhang das Verhalten der Polizei. Als man den Harzklub am 22.11.2008 über den Charakter des Treffens informiert habe, sei der Vorsitzende bereit gewesen, den Mietvertrag aufzulösen. Nachdem jedoch Staatsschutzbeamte der Polizei die Veranstaltung verharmlost hätten, da kein Gefährdungspotenzial erkennbar sei, habe die Tagung wie geplant stattfinden können. Kosching sprach von einem Auftakt für eine künftige Zusammenarbeit der Verbände, in dessen Rahmen die weiteren Eckpunkte festgesetzt worden seien.

Bereits im Juni hatten die beiden Jugendverbände in ihrer sog. „Cannstatter Erklärung“ eine engere und intensivere Zusammenarbeit beschlossen und den derzeitigen Kurs des „Bund der Vertriebenen“ kritisiert. Statt dessen warben sie für einen Beitritt zu dem von den beiden Verbänden gegründeten „Bündnis für Heimat“. Zumindest der Witikobund ist inzwischen wieder in das Visier des Bundesamtes für Verfassungsschutz gerückt. In ihrer Antwort auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion Die Linke erklärte die Bundesregierung, beim Witikobund sei „eine Verdichtung von tatsächlichen Anhaltspunkten für rechtsextreme Bestrebungen festgestellt“ worden.

Siehe auch: Witikobund: Gesinnungsvertriebene, “Schlesische Jugend” und “Junge Witikonen” planen “Akademie”, “Vorsätzlich geplante Vernichtungsaktion” gegen Deutsche – kein Kommentar, “Schlesische Jugend” und “Junge Witikonen” planen “Akademie”, NRW: CDU- und NPD-Funktionäre schreiben für “Ost-West-Panorama”, TV- und Buchtipp: Die Odyssee der Kinder, Nazis und Islamisten: Trotz des gemeinsamen Feindes – zu viel Hass für Kooperation, Ethnopluralismus für Fortgeschrittene: “Nazis für Israel”, Analyse: Extreme Rechte & Islam, Antisemitismus in Europa – und der hilflose Kampf der UNO gegen den Judenhass, Antisemiten unter sich: Mahler schreibt an Ahmadinedschad, ‘Zwei Araber und ein Nazi’ rappen für ‘den Tod aller Juden’, Schweiz schlägt Holocaust-Konferenz vor, Iran: “Hitler war Jude”, Holocaust-Konferenz: Finkelstein doch nicht dabei, Holocaust-Leugner: Iran soll “humanitäre Hilfe” leisten