Witikobund: Gesinnungsvertriebene

Der revanchistische Witikobund pflegt allerlei Verbindungen zu Vertretern der extremen Rechten, berichtet der blick nach rechts in seiner Ausgabe 24/2008. Das Fachblatt gibt es hier im Abo. Mit freundlicher Genehmigung des bnr veröffentlicht NPD-BLOG.INFO den Artikel über den Witikobund von Anton Maegerle.

Die Bundesregierung sieht beim „Witikobund“ (Bundesgeschäftsstelle: München) weiterhin „eine Verdichtung von tatsächlichen Anhaltspunkten für rechtsextreme Bestrebungen“, wie aus ihrer Antwort vom 31. Oktober auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE (Drucksache 16/10657) hervorgeht. Bekannt sind der Bundesregierung „Verbindungen“ des Witikobundes zur „rechtsextremistischen Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO), die aus der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen hervorgegangen ist.

Geführt wird der Witikobund seit 2006 von Hans Mirtes aus dem niederbayerischen Frontenhausen. Mirtes, der 1997 den Witikonen als Mitglied beitrat, ist zugleich Vorsitzender der „Arbeitsgemeinschaft Sudetendeutscher Lehrer und Erzieher“ und des „Heimatkreises Mies-Pilsen“. Mirtes’ Vorgänger war Horst Rudolf Übelacker, Buchautor des revisionistischen Grabert-Verlags und Referent bei der rechtsextremen „Gesellschaft für freie Publizistik“. Übelacker stand dem Witikobund von 1996 bis 2006 vor.

Als Mitteilungsorgan des Witikobundes dient der viermal im Jahr erscheinende „Witikobrief“. Einer der maßgeblichen Macher des Blattes ist Oberstleutnant a.D. Alfred Zips, vormals Regionalbeauftragter der „Deutschland-Bewegung“ von Alfred Mechtersheimer. Zips, Leserbriefschreiber in der „Jungen Freiheit“, war einst Funktionär des Bundes Freier Bürger und wechselte später in den Bundesvorstand der Deutschen Partei. Zips gehört zu den Erstunterzeichnern eines „Manifests der Deutschen 2008“, das die „unverfälschte Darstellung der Geschichte unserer Väter- und Großvätergeneration“ fordert. Aufgerufen zur Unterzeichnung des „Manifests“ wird auf der Homepage der antisemitischen „Unabhängigen Nachrichten“. Zu den szenebekannten Mitstreitern des Witikobundes zählten beziehungsweise zählen neben anderen der Multifunktionär Hans-Ulrich Kopp sowie Rolf Kosiek oder Wigbert Grabert.

Der „Witikobund“ wurde 1950 in Stuttgart unter anderem von ehemaligen Nationalsozialisten aus dem NS-Gau Sudetenland und dem „Protektorat Böhmen und Mähren“ gegründet. Der sich als „nationale sudetendeutsche Gesinnungsgemeinschaft“ definierende Witikobund ist stramm revanchistisch ausgerichtet und verlangt nach einer Revision der Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs.

Im Juni 2008 hatten die „Jungen Witikonen im Witikobund“ und die „Schlesische Jugend”, die Jugendorganisation der Landsmannschaft Schlesien, eine „Cannstatter Erklärung“ verabschiedet, in der sie eine „enge und intensive“ Zusammenarbeit ankündigten. Unter dem Motto „Werte und Tugenden für ein zukünftiges Deutschland“ veranstalten jetzt die beiden Nachwuchsvertriebenen-Gruppierungen vom 20. bis 23. November ihre „1. Deutschlandpolitische Akademie“ im Harz (Sachsen-Anhalt).

Geworben wurde für die „1. Deutschlandpolitische Akademie“ in der Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und in dem rechtsextremen Monatsblatt „Nation&Europa“. Als Referenten sind unter anderem Heinz-Lothar Barth, Uwe Lipowski, Ingeborg Godenau und Friedrich Baunack angekündigt. Barth ist bei der rechtsklerikalen „Priesterbruderschaft St. Pius X.“, die der Vatikan-Abtrünnige Erzbischof Lefebvre gegründet hat, aktiv. Lipowski ist Gründungsmitglied des „Michaelbundes“, dessen „Leitstern“ das „Ideal der geistlichen Ritterschaft für Gott und Deutschland“ ist. Lipowski war einst Pressesprecher des „Aktionsbündnisses für Brandenburg“ und schloss sich später der Deutschen Partei an. Zeitweilig amtierte Lipowski als „Feldmeister“ der umstrittenen „Katholischen Pfadfinderschaft Europas“ (KPE). Godenau ist Interviewpartnerin der NPD-Zeitschrift „Deutsche Stimme“. Sie kandidierte mehrfach für die Republikaner bei Kommunalwahlen. Im Frühjahr 2006 war sie Spitzenkandidatin des rechtsextremen „Bürgerbündnisses PRO Schwalm-Eder“, dem auch Personen aus dem Umfeld der NPD und der Neonazi-Skinszene angehörten. Baunack engagierte sich einst unter anderem bei den Republikanern und der „Deutschland-Bewegung“. In der „Deutschen Stimme“ schwadronierte Baunack 2003: „Eine Minderheit … forscht verzweifelt nach Wegen aus der Babylonischen Gefangenenschaft. Man nennt diese wenigen Ewiggestrige, Nazis.“

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