Sachsen: Wer braucht eigentlich die NPD?

Erst Bayern, nun Sachsen: Nachdem der Richtungsstreit bei dem NPD-Landesverband ganz im Süden mehrere Austritte von führenden Neonazis nach sich zog, ziehen nun die Kameraden in Sachsen nach. Denen ist die NPD-Fraktion im sächsischen Landtag offenbar nicht radikal genug, diese seien „Bonzen“, der Zickzackkurs in Sachen „Autonome Nationalisten“ hebt die Stimmung auch nicht unbedingt. So bemühen sich Holger Apfel, Jürgen Gansel und Co. nachvollziehbarerweise, ihre Jobs durch den Wiedereinzug ins Landesparlament bei der Wahl im kommenden Jahr zu sichern. Da die NPD dafür Stimmen aus dem bürgerlichen Lager benötigt – nur die Zustimmung von Neonazi-Schlägern reicht auch in Sachsen nicht (Achtung: Ironie!!!) – versucht man das Biedermann-Image zu pflegen, „Autonome Nationalisten“ und andere Krawallheinis stören das Bild der neu gestylten Fraktion dabei.

Bei einer Demonstration am 08. November 2008 in Reichenbach kam es dann offenbar, mal wieder, zum Eklat. Nach Angaben von 13 mittlerweile Ex-NPDlern aus dem Vogtland, die eine Erklärung im Internet verbreiteten, wollte Gansel bestimmte Parolen nicht hören, was die ultra-radikalen Kräfte folgendermaßen kommentieren:

„Wir Nationalen Sozialisten lassen uns nicht von Leuten, wie Apfel und Gansel, denen es nur noch um Macht und Geld geht benutzen. Wir brauchen die NPD nicht, die NPD braucht uns.“

Da drängt sich schon die Frage auf: Wenn selbst die „Nationalen Sozialisten“ die NPD nicht mehr brauchen, wer dann? Zumindest Gansel und Apfel, in einer Pressemitteilung zu einer aktuellen Umfrage lässt Apfel, freundlich dreinschauend mit neuer Brille und offenbar jüngst aus dem Urlaub zurückgekehrt, verlauten:

Der NPD-Fraktionsvorsitzende Holger Apfel hat sich heute erfreut über eine Umfrage des „Leipziger Instituts für Marktforschung“ gezeigt, nach der die NPD mit sechs Prozent im Landtag vertreten wäre, falls am kommenden Sonntag im Freistaat gewählt wurde.

Aber, um die eigene Pressemitteilung zu konterkarieren:

Grundsätzlich aber sollte man Umfragen generell nicht überbewerten, da sie kein objektiver Spiegel der Realität, sondern selbst Instrumente im politischen Meinungskampf sind.

Politischer Meinungskampf in Sinne der NPD – Sind die Rechtsextremisten bereits in der Zentrale der Macht angekommen, ist der Marsch durch die Institutionen beendet? Gibt es auf Landesebene bald den ersten Heimatschutzminister, der in Springerstiefeln vereidigt wird? Keine Atempause, Geschichte wird gemacht – es geht voran, bzw. im Fall der Rechtsextremisten zurück!

Siehe auch: Bundesparteitag der NPD: Flügelkämpfe und Schlammschlachten, Neonazis und die Drohung als Mittel der Politik, “Autonome Nationalisten”: Neues Outfit, alter Hass, Ethnopluralismus für Fortgeschrittene: “Nazis für Israel”,, NPD & “Autonome Nationalisten”: Frankensteins Eiertanz