“Als Haus wärst du `ne Hütte”: Neonazis bieten, Gemeinden zahlen

Die Gemeinde Faßberg hat eine marode Immobilie erworben, um ein Schulungszentrum für Neonazis zu verhindern. Das marode und seit Jahren leer stehende Hotel „Landhaus Gerhus“ ist laut einem Bericht des Weserkuriers für die 7000 Einwohner zählende Gemeinde bei Celle seit ein paar Wochen zum Schreckensszenario geworden: Der rechtsextreme Rechtsanwalt und stellvertretende NPD-Vorsitzende Jürgen Rieger aus Hamburg hatte das Hotel demnach von einer Erbengemeinschaft erworben, um dort ein braunes Schulungszentrum zu errichten.

Ein notarieller Kaufvertrag sei bereits unterzeichnet. Nach wochenlangen Beratungen der Gemeinde und Protesten besorgter Bürger schaltete Faßberg mit der Entscheidung vom 17. November 2008 auf Gegenwehr. Mit Hilfe des Vorkaufsrechts könne die Kommune in den zwischen Rieger und der Erbengemeinschaft geschlossenen Vertrag eintreten und das Objekt erwerben, berichtet der Weserkurier weiter. Das Verfahren sei mit dem gestrigen Ratsbeschluss eingeleitet.

Fader Beigeschmack

Der Pferdefuß: Faßberg erwerbe für 900.000 Euro eine marode Immobilie von der Erbengemeinschaft. Viel Geld für eine Kommune, die auf Zuweisungen aus der Landeshauptstadt angewiesen seiDennoch hatte das Innenministerium als Kommunalaufsicht zuvor grünes Licht für die gestrige Entscheidung gegeben. In der Gemeinde sei man sicher, dass das Grundstück weiterverkauft werden kann, an eine soziale Einrichtung zum Beispiel: „Es gibt ernstzunehmende Interessenten“, sagte der Bürgermeister dem Blatt.

Und dennoch bleibe ein fader Beigeschmack: Rieger könnte jetzt in anderen Kommunen versuchen, sein Immobilien-Poker fortzuführen. „Dieses Problem können wir als Gemeinde nicht lösen, da sind auch Hannover und Berlin gefragt“, sagte Angelika Cramer, die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Faßberger Gemeinderat den Angaben zufolge.

Nicht das erste Mal, dass Rieger verdächtigt wird, mit Verkäufern maroder Immobilien gemeinsam Sache zu machen, um die Hütten überteuert zu verkaufen. Delmenhorst, Melle, Menden und weitere – Neonazis könnten durch solche Geschäfte Gemeinden an den Rand des Ruins bringen.

Siehe auch: Über die Anziehungskraft von Bruchbuden auf Neonazis, Angebliche Pläne der NPD: Gemeinde kauft Gasthof, Nazis planen “Zentrum des Widerstandes” im Fichtelgebirge, Spekulationen über Riegers Kaufabsichten und Tietjens Erbe, Niedersachsen: Hotel “Rieger” in Celle?, Niedersachsen: `Kauf Bahnhof Melle rückabgewickelt`, Nazis planen “Zentrum des Widerstandes” im FichtelgebirgeThüringen: NPD will angeblich viergeschössiges Bürohaus kaufenBayern: NPD mietet Büro an / Wieder Immobilien-Trick?, Angeblicher Immobilien-Deal: Jetzt soll Ende August entschieden werden, Bayern: NPD will angeblich Immobilie bei Bayreuth kaufenBayern: Rieger will angeblich “Heß-Gedenkverein” gründenBayern: Rieger und Wulff gehen in Wunsiedel leer aus, Angebliche Immobilienkäufe: Verfassungsschutz spricht von TrickBaden-Württemberg: NPD will angeblich (!) für mehr als 500.000 Euro Schulungszentrum kaufen“Die NPD kann da Radieschen ziehen”, Stadt Delmenhorst geht auf Nummer sicher und kauft Hotel, NPD bald pleite?, Brandenburg: Widerstand gegen NPD-Schulungszentrum, Brandenburg: Molau muss NPD-”Landschulheim” räumen, Brandenburg: NPD pachtet Schulungszentrum, MVP: Erneuter rechtsextremer Immobiliencoup in Anklam, Thüringen: Rieger kann wieder über “Schützenhaus” verfügen, Neonazi-Anwalt Rieger kann Briefkastenfirma reaktivieren, Hamburg: Ermittlungen gegen NPD-Landeschef Rieger wegen Körperverletzung

7 thoughts on ““Als Haus wärst du `ne Hütte”: Neonazis bieten, Gemeinden zahlen

  1. Was ist denn dagegen einzuwenden, wenn Jürgen Rieger Immobilien aufkauft? Das ist doch völlig legal! Andere tun es doch auch!

  2. Was „dagegen einzuwenden“ ist??

    Hallo?

    Hast Du vielleicht Bock darauf, das da sich recht wahrscheinlich (http://npd-blog.info/?p=2478) in absehbarer Zeit Nazis völlig ungestört einnisten, organisieren, ortsansässige Jugendliche ideologisch versauen, nicht nur dadurch neue Mitglieder werben können, und sich wieder einmal eine rechtsextreme Partei lokal etabliert…?
    Gudrun, Gudrun…
    „Schu-lungs-zen-trum“!
    Klopf, klopf; jemand zuhause???
    Sorry, ich fass´ es nicht.

  3. Auf diese Fake-Accounts unter neuen Namen am besten gar nicht reagieren. So naiv und unwissend, wie sich „Frau Wolters“ hier stellt, wird niemand sein, der diesen Blog bewusst ansteuert. Kurzum:
    Der Kommentar wird durchaus bewusst gewählt sein und ein Ziel verfolgen, welches wir uns wohl alle denken können.

    Locker bleiben und diesen Unfug am besten einfach ignorieren.

  4. Dennis hat Recht.
    Übrigens ist es auch ein altes, wieder und wieder gestammeltes „Argument“ der Nazis zu fragen: „Ist es etwa illegal?“, wenn sie etwas Verwerfliches tun:
    Rudolf Hess gedenken – ist das etwa illegal?
    Deutsche „Helden“ der Wehrmacht verehren – ist das etwa illegal?
    Nationalist sein – ist das etwa illegal?
    NPD-Flugblätter verteilen – ist das etwa illegal?

    Und wenn tatsächlich einmal etwas illegal ist, das jammern sie prompt, dass es keine Meinungsfreiheit gäbe. Es hängt einem schon zum Hals raus.

  5. Wer hat denn damit Probleme, wenn sich die „Nazis“ irgendwo einnisten? Angenommen die NPD würde in meinem Heimatort ein Schulungszentrum errichten. hätte ich dadurch denn irgendwelche persönlichen Nachteile? Hätte ich irgendwelche persönlichen Vorteile, wenn ich dazu beitragen würde dies zu verhindern? Also kann mir das doch völlig egal sein! Es ist doch niemand gezwungen in die NPD einmzutreten oder gar eines ihrer Schulungszentren zu besuchen. Das ist doch jedem seine freie Entscheidung!
    Wenn die NPD irgendwo ein Schulungszentrum errichten will, dann sind es doch die örtlichen Behörden und die neoliberal-globalkapitalistischen Blockparteien SPD, CDU, CSU, Grüne und FDP, denen dies Probleme bereitet. Und denen geschieht das doch recht! Wenn ich eine derartige Immobilie zu verkaufen hätte, dann würde ich sie sogar ganz bewußt Jürgen Rieger zum Kauf anbieten! Und zwar aus einem ganz bestimmten Grund: aus Rache für HartzIV! Aus Rache dafür, was man mir in diesem Zusammenhang angetan hat!

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