Obamas Wahl: “Aus für White Power” oder Sieg des “konstruierten Schwarzen”?

Der Sieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama bei den US-Wahlen hat bei deutschen Rechtsextremisten sehr unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Die müssen für sich nämlich eine Grundsatzfrage klären: Was hassen wir eigentlich mehr? Die USA oder den „Neger“? Oder beides?

DVU-Chef Gerhard Frey schießt sich auf die USA als die Besieger Nazi-Deutschlands ein, unter der vielversprechenden Überschrift „Aus für White Power“ schreibt er in seiner National-Zeitung:

„Nordamerika hat seinen ersten schwarzen Präsidenten. „White Power“ muss die Koffer packen und aus dem Weißen Haus ausziehen. Die Bush-Regierung hatte das Land durch eine wahnwitzige Kriegspolitik und immer mehr Milliarden Schulden ruiniert. Arnold Schwarzeneggers saudumme Polemik, Obama habe zu dünne Beine und Arme, kam dagegen nicht an. Die National-Zeitung ist immer für die volle Gleichberechtigung der Farbigen eingetreten. Weiß wurde Amerika ja erst nach der Ausrottung von etwa 25 Millionen Rothäuten, den Ureinwohnern. Und dass es nicht weiß blieb, ist auf die Deportation von Abermillionen schwarzen Sklaven zurückzuführen. […] Durch „White Power“ haben wir im Zweiten Weltkrieg den mörderischen Luftterror ertragen müssen und nach dem Krieg die Austreibung und Ermordung von Millionen Deutschen. […] Und sind nicht auch Raubtierkapitalismus, Globalisierung, Heuschrecken, Unrecht an Palästinensern, Guantanamo das Werk von „White Power“? Ich habe davon genug.“

Vielleicht sollte jemand Frey einmal die Single von NoFX „Kill all the white man“ schicken, könnte ihm gefallen.

Die Islam- und Linken-Hasser von PI-News haben hingegen ganz andere Sorgen, als Proamerikanische müssen sie ihr Verhältnis zu den USA möglicherweise neu justieren. Einerseits finden sie es selbstverständlich toll, dass im Land der unbegrenzten Möglichkeiten alles möglich erscheint, gleichzeitig ist ihnen Obama aber nicht wirklich geheuer – „natürlich“ nur, weil er Demokrat ist… PI schreibt in einem Artikel mit der Überschrift „Der konstruierte Schwarze“:

Namentlich ist der nächste Präsident der USA ein “Afroamerikaner”. Damit bezeichnen wir Menschen, die eine afrikanische Wurzel besitzen und eine amerikanische. Allerdings unterscheidet sich die afrikanische Wurzel [nein, die kann man nicht essen,PG] von Barack Hussein Obama junior deutlich von derjenigen der überaus meisten Afroamerikaner. Darüber hinaus ist sie sehr dünn und brüchig [also auf keinen Fall für den Verzehr geeignet,PG]. Ein Grund, sich in der Biographie des demnächst mächtigsten Mannes der Welt etwas umzusehen.

PI beschäftigt sich mit dem Werdegang der Eltern Barack Obamas und – wie sollte es anders sein – mit angeblichen islamischen Einflüssen. Sschon einen älteren Beitrag überschrieben sie mit der Frage: „44.Präsident der zwölfte Imam?“ In dem Artikel zum „konstruierten Schwarzen“ wird die künftige First-Lady Michelle Obama als „echte Afroamerikanerin“ bezeichnet, Obama hingegen sei „rein biologisch“…

zur Hälfte weiß und zur Hälfte schwarz. Ja, er ist sogar etwas mehr weiß als schwarz, weil er wie alle Buben von Mutter Stanley Ann das große X-Chromosom, vom schwarzen Vater dagegen nur das kleine und an Genen arme Y-Chromosom bekommen hat. Und alle seine Mitochondrien sind ebenfalls von der Mutter. Sein Energiehaushalt ist damit, wenn man so will, reinrassig “weiß”.

Tja, und worauf wollen die PIs mit ihrer Rassenlehre und Wurzelrechnung „for runnaways“ nun eigentlich hinaus? Na klar, Obama, das alte Bleichgesicht, nutzte seine konstruierte schwarze Biographie, um die Wahl zu gewinnen. Ehrliche Weiße, also solche, die zu ihrer „Rasse“ stehen, hätten es viel schwerer und würden benachteiligt. Genau wie die armen Deutschen gegenüber den Migranten – man kennt diesen Opferkult der Rechtsextremisten. Und bei PI geht das im „Fall Obama“ so:

Leistungen, für die man als Weißer nur gelobt wird, werden überschwänglich gefeiert, wenn man schwarz ist. Schwarz sein lohnt sich also. […] Er heiratet eine “richtige” Schwarze und tritt einer schwarzen Sekte bei, der Trinity United Church of Christ.

Da sieht man mal die weitreichenden Folgen, wenn Lehrer und Eltern nicht genug loben! Wird aber alles noch besser, denn in einem älteren Beitrag zur Wahl Obamas veröffentlichte PI einen Artikel mit der Überschrift „Nach Obama-Sieg: C. Roth will türkischen Kanzler“:

“Die Wahl von Barack Obama zum 44. Präsidenten der USA ist ein historisches Ereignis”, erklären uns überschwenglich die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Reinhard Bütikofer. Was soll daran bitte “historisch” sein? Das einzige Gute, was man dem „Ereignis“ zusprechen kann ist, dass ein Schwarzer Präsident werden kann. Gut. Aber hoffen wir mal, dass die Amerikaner Obama gewählt haben, weil sie ihn für kompetenter hielten (Umfragen sagen in diesem Punkt etwas anderes zu Gunsten McCains aus), und nicht weil er schwarz ist, das sollte keine Rolle spielen. Sollte es doch eine Rolle gespielt haben, dumm für uns alle, Kompetenz kann man nicht an der Hautfarbe festmachen.

Daraus folgert PI richtigerweise:

Von der Hautfarbe etwas abzuleiten ist Rassismus.

QED.

Während sich die Autoren bei PI also nicht einigen können, ob die Hautfarbe oder die „islamischen Wurzeln“ nicht vielleicht doch eine Rolle spielen, findet NPD-Stratege Jürgen Gansel die USA zwar sowieso nicht gut, die Wahl Obamas wird bei ihm aber sogar zur Kriegserklärung. Die USA, wo es laut Gansel in einer Handreichung für NPD-Kandidaten

„nie eine Volksgemeinschaft und Kulturnation, sondern nur eine durchrasste Staats- und Einzelwillennation von haltlosen Sozialatomen gab, wo der ethno-kulturell kastrierte Einheitsmensch ohne Identität und Heimat wie Unkraut gedeiht“

also diese Vereinigten Staaten voller „Unkraut“ werden nach Obamas Wahlsieg nun plötzlich zum „weißen, von europäischen Auswanderern getragenen Amerika“, das sich „durch Einwanderung und Rassenmischung in Auflösung“ befände. Dieses Amerika „hat mit dem Afrika-Sprößling seinen symbolischen Totengräber ins Präsidentenamt gewählt. „Rassenmischung” – Gansel spricht mal wieder Klartext, was sein biologistisches Weltbild angeht – und liefert gleich noch kulturelle Argumentationsversuche:

“Schon das weiße Amerika war eine kulturelle [!] Zumutung für die Welt und zwang freien Völkern mit Waffengewalt ihr multirassisches und damit rassenvernichtendes Gesellschaftsmodell auf; ein nicht-weißes Amerika ist jedoch eine Kriegserklärung an alle Menschen, die eine organisch gewachsene Gemeinschaftsordnung aus Sprache und Kultur, Geschichte und Abstammung [!] für die Essenz des Menschlichen halten. Barack Obama verbirgt diese Kriegserklärung nur hinter seinem penetranten Sonnenschein-Lächeln.”

Gansel glaubt also offenbar, Obama habe ihm den Krieg erklärt. Nun denn, was fehlt hier noch? Klar, der Jude. Gansel liefert zuverlässig:

“Jemanden, dessen jüdischer Chefstratege David Axelrod in der Denktradition des deutsch-japanischen Mischlings Coudenhove-Kalergi und dessen Ideal eines identitätskastrierten Welteinheitsmenschen steht.”

Der Jude als Strippenzieher und der “Neger” setzt das Ganze dann um. Wahnsinn? Sicherlich! Doch die NPD liegt laut einer aktuellen Umfrage in Sachsen stabil bei sechs Prozent.

Siehe auch: US-Protest gegen Rassismus im ORF, US-Wahl: Der Kampf der NPD gegen die Vielfalt der Persönlichkeiten / Nachtrag: Ermittlungen , USA: Neonazis sollen Anschlag auf Obama geplant haben, Antisemitismus: Yes, they can!