US-Protest gegen Rassismus im ORF

Die US-Regierung hat beim öffentlich-rechtlichen österreichischen Fernsehen ORF gegen rassistische Kommentare protestiert, die ein ehemaliger Korrespondent des Senders am Tag nach den US-Wahlen über Barack Obama gemacht hatte. In einem am 14. November 2008 veröffentlichten Brief an den ORF-Chef Alexander Wrabeth forderte der US-Botschafter in Wien, David F. Girard-diCarlo, eine offizielle Verurteilung. NPD-BLOG.INFO dokumentiert den Brief:

Sehr geehrter Herr Generaldirektor Wrabetz!

Dieses Schreiben bezieht sich auf die Kommentare des früheren ORF Korrespondenten Klaus Emmerich über den designierten Präsidenten Barack Obama während einer morgendlichen Livesendung im ORF am 5. November 2008.

Als Vertreter des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika in Österreich verurteile ich diese rassistischen Äußerungen Emmerichs aufs heftigste. Sie sind ein Affront gegen den designierten Präsidenten und das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika. Seit diese beleidigenden Statements vom ORF gezeigt wurden, wartet und hofft die US Botschaft auf eine offizielle öffentliche Verurteilung seitens des ORF.

Außer einigen Medienberichten, in denen Ihr Sprecher dahingehend zitiert wird, daß sich der ORF von Herrn Emmerichs Kommentaren „distanziert“, gab es jedoch keine solch kategorische Verurteilung. Ich denke, daß der ORF dies seinen Sehern jedoch schuldig wäre. Meiner Meinung nach wirft diese Kontroverse zwei eindeutige Probleme auf.

Erstens hat der ORF als öffentliches Fernsehen eine Verantwortung, diese Bemerkungen, welche die Grenzen des zivilen Umgangs überschritten und in einer modernen Demokratie wie Österreich inakzeptabel sein sollten, klar zu verurteilen. Die Notwendigkeit einer solchen Verurteilung ist offensichtlich, da, laut österreichischen Medienberichten, Herr Emmerich diese Bemerkungen vor einem Fernsehpublikum von ca. 1,2 Millionen gemacht hat.

Der zweite Problembereich ist die Absenz von Entrüstung und Verurteilung seitens österreichischer öffentlicher Personen und Organisationen angesichts der Äußerungen Herrn Emmerichs. Außer des Protests der Grünen vom 6. November ist mir keine andere offizielle Verurteilung zu Kenntnis gekommen. Ich erwarte nicht, daß Sie für andere Stellung nehmen, aber ich ersuche Sie, eine klare öffentliche Erklärung zu machen, in der Sie, als Vertreter des öffentlichen Fernsehsenders, den Sie leiten, die Kommentare Herrn Emmerichs verurteilen.

Angesichts der Bestürzung, die Herrn Emmerichs Äußerungen bei meinen Kollegen in der Botschaft, bei anderen amerikanischen Staatsbürgern, und, wie ich glaube, auch bei vielen Österreichern ausgelöst hat, plane ich, diesen Brief, nachdem er Ihnen zugestellt wurde, auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Hochachtungsvoll, David F. Girard-diCarlo

Der frühere USA-Korrespondent Emmerich hatte im ORF erklärt, dass er sich „nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen“ wolle. Die US-Amerikaner nannte Emmerich in der TV-Diskussion dagegen „Rassisten“, denen es „schon sehr schlecht gehen (muss), dass sie so eindrucksvoll (…) einen Schwarzen mit einer schwarzen, sehr gut aussehenden Frau ins Weiße Haus schicken“.

Ein ORF-Sprecher sagte laut Medienberichten dazu, der Sender habe sich von Emmerichs Äußerungen distanziert und entsprechende Stellungnahmen auch an führende US-Medien übermittelt. Mehr könne man nicht tun.

Vor wenigen Tagen hatte der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel den designierten US-Präsidenten rassistisch beleidigt. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, Gansels Äußerungen zu prüfen.

Old Europe at it`s best!

Siehe auch: US-Wahl: Der Kampf der NPD gegen die Vielfalt der Persönlichkeiten / Nachtrag: Ermittlungen , USA: Neonazis sollen Anschlag auf Obama geplant haben, Antisemitismus: Yes, they can!