Sachsen: Sprengstoffspezialist schlägt Dresdner Schüler

In der Fraktion der rechtsextremen NPD im Sächsischen Landtag ist es angeblich zu einer Schlägerei gekommen. Wie die Leipziger Volkszeitung am 12. November 2008 berichtet, habe es zwischen dem NPD-Abgeordneten Jürgen Gansel, der sich gerne als Mitbegründer der vermeintlichen Denkfabrik Dresdner Schule präsentiert, und dem parlamentarischen Berater der NPD-Fraktion, Peter Naumann, am 11. November zunächst eine verbale Auseinandersetzung gegeben. Ein NPD-Sprecher bestätigte den Vorfall und sagte dem Blatt, es sei um eine politische Streitfrage gegangen. Dann habe es „eine Tätlichkeit von Naumann gegen Gansel“ gegeben, einen Schlag „ins Gesicht“.

Gansel hatte erst am Vortag die „eiserne Faust der Staates“ in der Finanzkrise gefordert, nun trifft ihn in der Auseinandersetzung – möglicherweise um die Kooperationen mit militanten Neonazis – die Faust eines langjährigen Neonazis.  Naumann war laut Wikipedia im Zusammenhang mit seiner Verhaftung im Jahr 1987 aus der NPD ausgeschlossen worden – wegen terroristischer Aktivitäten. Naumann ist laut „Nazis in den Parlamenten“ Diplom-Chemiker und gilt in der Neonaziszene als Sprengstoffexperte. NiP schreibt weiter:

1978 verübte er einen Sprengstoffanschlag auf die antifaschistischen Denkmalanlagen der Fosse Ardeatine in der Nähe von Rom. Zusammen mit Komplizen sprengt Naumann zwei Fernsehsendemasten, um die Ausstrahlung des Filmes „Holocaust“ zu verhindern. 1981 wurden seine Fingerabdrücke bei der Aushebung eines Waffendepots in der Lüneburger Heide in welchem sich etwa 150 kg Sprengstoff, 50 Panzerfäuste und 13.520 Schuss Munition befanden sichergestellt. 1982 plante er gemeinsam mit Kameraden die gewaltsame Befreiung des Hitlerstellvertreter Rudolf Hess. 1985 gründet er den „Völkischen Bund“ und wird dessen Vorsitzender. Er wird 1988 zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt, u.a. wegen sechs Sprengstoffanschlägen in Frankreich, Italien und Deutschland. Nach seiner vorzeitigen Haftentlassung ist er weiterhin aktiv. Im März 1995 wurden bei einer Hausdurchsuchung zwei Rohrbomben gefunden. Im August 1995 übergab Naumann 13 Waffendepots an Beamte des Bundeskriminalamtes, in denen sich insgesamt 27 Kilogramm des hochexplosiven Sprengstoffs TNT befanden. 1999 trat er gemeinsam mit dem Ex – RAF – Terroristen Horst Mahler auf und ist an der Herstellung wie Verbreitung von antisemitischen Plakaten beteiligt.

Wirtshausschlägerei im Landtag

Nach Medienberichten wurde Naumann mittlerweile von der Fraktion entlassen, die Staatsanwaltschaft hat wegen des Vorfalls allerdings keine Ermittlungen aufgenommen, da keine Anzeige vorliege. Der Fall werde wie eine private Auseinandersetzung oder eine
Wirtshausschlägerei behandelt, hieß es.

Siehe auch: US-Wahl: Der Kampf der NPD gegen die Vielfalt der Persönlichkeiten / Nachtrag: Ermittlungen, Quantensprung für die NPD: Union debattiert über Gleichsetzung mit Linkspartei, Schon wieder Ärger für NPD-Landtagsabgeordneten Gansel

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