US-Wahl: Der Kampf der NPD gegen die Vielfalt der Persönlichkeiten / Nachtrag: Ermittlungen

Die NPD hat den Wahlsieg des demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Obama mit einer rassistischen Erklärung kommentiert. NPD-Funktionär Jürgen Gansel, unter anderem MdL in Sachsen, schrieb in gewohnt martialischer Sprache:

„Mit der Wahl von Barack Obama zum 44. Präsidenten der USA hat sich das wahre Wesen des amerikanischen Molochs im 21. Jahrhundert enthüllt. Das weiße, von europäischen Auswanderern getragene Amerika befindet sich durch Einwanderung und Rassenmischung in Auflösung und hat mit dem Afrika-Sprößling seinen symbolischen Totengräber ins Präsidentenamt gewählt.“

„Rassenmischung“ – Gansel spricht mal wieder Klartext, was sein rassistisches Weltbild angeht. Zudem widerspricht Gansel sich selbst: Denn in einer Handreichung für NPD-Kandidaten schreibt er:

„Wir lehnen den multikulturellen Gesellschaftsentwurf ab, weil er den Untergang unseres Volkes im eigenen Land besiegelt. Man muß immer daran denken: Die Indianer haben sich nicht oder nur erfolglos gegen die fremden Landräuber gewehrt, und heute leben sie in Reservaten.“

Erst waren es also Landräuber, die andere Völker vernichten, nun spricht er vom „weißen, von europäischen Auswanderern getragenen Amerikasie“, welches plötzlich Opfer des „Afrika-Sprößlings“ wird. Wie es eben gerade passt. Gansel versucht diesen Widerspruch aber zu relativieren:

„Schon das weiße Amerika war eine kulturelle (!) Zumutung für die Welt und zwang freien Völkern mit Waffengewalt ihr multirassisches und damit rassenvernichtendes Gesellschaftsmodell auf; ein nicht-weißes Amerika ist jedoch eine Kriegserklärung an alle Menschen, die eine organisch gewachsene Gemeinschaftsordnung aus Sprache und Kultur, Geschichte und Abstammung (!) für die Essenz des Menschlichen halten. Barack Obama verbirgt diese Kriegserklärung nur hinter seinem penetranten Sonnenschein-Lächeln.“

Während der Kampf gegen die USA zunächst mit Kultur begründet wird („die kulturlose Nation“ und der ganze Bullshit – und das aus einem Land, welches desaströse Streifen wie den Baader-Meinhof-Komplex abfeiert), kommt nun verstärkt die „Rasse“ ins Spiel. Gansel zeigt auch in der Handreichung immer wieder, dass er zwar ethnopluralistische Strategien fährt, aber diese immer wieder mit biologistischen Elementen verbindet. So bezeichnet Gansel Obama auch als „Produkt“ – nicht als Mensch: Amerika sei „soweit, mit Barack Obama das Kreuzungsprodukt eines waschechten Kenianers mit einer weißen Amerikanerin ins Präsidentenamt zu wählen“.

Was fehlt noch? Klar, der Jude. Gansel liefert zuverlässig:

„Jemanden, dessen jüdischer Chefstratege David Axelrod in der Denktradition des deutsch-japanischen Mischlings Coudenhove-Kalergi und dessen Ideal eines identitätskastrierten Welteinheitsmenschen steht.“

Der Jude als Strippenzieher und der „Neger“ setzt das ganze dann um. Gansel führt dies auch noch offen weiter aus:

Richard Nicolas Coudenhove-Kalergi entwarf in seiner Schrift „Paneuropa“ (1923) das Schauerbild einer „eurasisch-negroiden Zukunftsrasse, äußerlich der altägyptischen vielleicht ähnlich“, deren Herren die Juden als „Führernation der Zukunft“ und als „neue Adelsrasse von Geistes Gnaden“ sein sollten.

Auf den Seiten der Seite Holocaust-Referenz heißt es zu diesem angeblichen Zitat:

„C. ist der Gründer der Paneuropa-Bewegung und Autor mehrerer Bücher. Rechtsextremisten argumentieren manchmal mit einem „Zitat“, in dem C. angeblich einerseits die Vorherrschaft eines jüdischen Adelsgeschlechts und andererseits die Entstehung einer „eurasisch-neogroiden Mischrasse“ propagiert.

Was auch immer man gegen Coudenhove-Kalergi und die heute noch existierende „Paneuropa-Union“ an kritischen Anmerkungen vorzubringen hat, der oben skizzierte Sachverhalt beruht auf einer Fälschung.“

Auf diesen Seiten wird diese Fälschung dargelegt. Demnach lautet das Zitat:

„Der Mensch der fernen Zukunft wird Mischling sein. Die heutigen Rassen und Kasten werden der zunehmenden Überwindung von Raum, Zeit und Vorurteil zum Opfer fallen. Die eurasisch-negroide Zukunftsrasse, äußerlich der altägyptischen ähnlich, wird die Vielfalt der Völker durch eine Vielfalt der Persönlichkeiten ersetzen.“

„Vielfalt der Persönlichkeiten“ – für die NPD als anti-individualistische Partei, in deren Weltbild sich alles „dem“ Volk unterzuordnen hat und alle ihre Rolle zu spielen haben, die Homogenität predigt, selbstverständlich ein Schauerbild. Für alle die mehr haben als ihre Nationalität eine schöne Utopie.

Ermittlungen gegen Gansel

Nachtrag vom 08. November 2008: Wie die Kollegen von Endstation Rechts mit Bezug auf die Freie Presse vermelden, prüft die Staatsanwaltschaft Gansels Erklärung wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Prognose: Dabei kommt nix rum, denn Gansel haut solche Texte des Öfteren raus. Ich empfehle in diesem Zusammenhang seine Handreichung für NPD-Kandidaten, die es wirklich in sich hat. Hier ein Auszug aus einem längeren Text, der im kommenden Jahr dazu erscheinen wird. So schreibt Gansel in seinem Vorwort, die Broschüre wolle:

„allen Kameradinnen und Kameraden, die sich im politischen Nahkampf mit den antideutschen Kräften befinden und/oder das werbende Gespräch mit dem Normalbürger suchen, Hilfestellungen für die intellektuelle Aufrüstung geben.

Erneut wird Politik in Anlehnung an die Neue Rechte als Kampf umschrieben. Und wieder entwirft Gansel apokalyptische Visionen, die durch angebliche Eingriffe in eine vermeintlich natürliche Ordnung verursacht wurden:

Multikultur ist kein buntes, harmonisches Straßenfest, sondern endet in Mord und Totschlag, weil hier Völkerschaften auf einem Flecken Erde zusammenkommen, die nicht zusammengehören und nicht zusammengehören wollen.

Hauptakteur für die NPD an Anlehnung an die Neuen Rechten: das Volk als natürliches und schicksalhaftes sowie unbedingt homogenes Kollektiv. Dieses muss sich ständig behaupten in einem Kampf an der äußeren, inneren sowie natürlichen Front.

Nur ethnisch geschlossene Gesellschaftskörper mit geringem Ausländeranteil sind solidar- und belastungsfähig, nur sie können positive Gemeinschaftskräfte zur Krisenbewältigung entwickeln. (Jürgen Gansel, Argumentationshilfen für NPD-Kandidaten)

Gansel versucht, die gesellschaftlichen Entwicklungen als gezielte Strategien Regierungen, Medien und Wirtschaft zu entlarven:

In einem großen Schmelztiegel verkocht alles, bis aus Weißen und Schwarzen ‚Graue‘ geworden sind. Diese entwurzelten und vereinsamten Einheitsmenschen sind dann wehrloser Spielball von Regierungen, Medien und Wirtschaft, weil sie keine schützende Gemeinschaft mehr bilden können. Diese ethnokulturellen Kastraten finden sich dann in einer kalten, egoistischen Wolfsgesellschaft wieder, in der jeder gegen jeden kämpft und das Recht des Stärkeren regiert, weil es keine nationale Solidarität und kein nationales Zusammengehörigkeitsgefühl mehr gibt.

Seinen reaktionären Ideen möchte Gansel stets einen rebellischen Anstrich verpassen: gegen „Regierung, Medien und Wirtschaft“ soll die „nationale Solidarität“ gesetzt werden. Mit dem aufrührerischen Duktus sollen gezielt Jugendliche angesprochen werden. Dass diese Forderungen in einer autoritären Gesellschaftsordnung münden, erwähnt Gansel in diesem pseudorebellischen und pathetischen Zeilen nicht.

Dass bei der NPD das Individuum gleich einem Kastensystem weit unter dem Volk steht, verstecken die Rechtsextremisten hingegen nicht:

Wo das Volk stirbt (wie in der multikulturellen Gesellschaft), stirbt die Gemeinschaft, wo die Gemeinschaft stirbt, stirbt die Kultur und wo die Kultur stirbt, stirbt der einzelne Mensch. Mensch kann der Mensch nur da sein, wo er unter seinesgleichen ist und eine solidarische Gemeinschaft ausbilden kann.

„Mischlinge als Unkraut“ 

Gansel unterscheidet in seiner Argumentation daher auch zwischen Menschen aus Europa und dem Rest der Welt – auch geschuldet den fehlenden feindlichen Einstellungen gegenüber Franzosen oder Dänen sowie dem Ethnopluralismus – und bedient sich aber gleichzeitig der Rassenideologie:

Die Mischlinge, die deutsch-nichteuropäischen Beziehungen entstammen, werden das sich renationalisierende Deutschland über kurz oder lang freiwillig verlassen, weil ihnen der nationale Klimawandel nicht paßt. Sie werden sich ‚Heimatländer‘ suchen, in denen es keine einheitliche Volkssubstanz gibt, in denen die Durchrassung unumkehrbar ist und die damit verbundene ethno-kulturelle Entwurzelung und Bindungslosigkeit allgegenwärtig ist. Zielland solcher Mischlinge werden naheliegenderweise die USA sein, wo es nie eine Volksgemeinschaft und Kulturnation, sondern nur eine durchrasste Staats- und Einzelwillennation von haltlosen Sozialatomen gab, wo der ethno-kulturell kastrierte Einheitsmensch ohne Identität und Heimat wie Unkraut gedeiht.

„Mischlinge“ sollen im NPD-Wahlkampf also als „Unkraut“ bezeichnet werden, die den NPD-Staat schon freiwillig verlassen würden. Was mit denen passiert, die nicht gehen wollen, führt Gansel nicht an. Parteikollegen wurden da schon konkreter, im „NPD-Netztagebuch“ träumte man Ende 2007 von einer „Sonderbehandlung“ von politischen Gegnern.

Siehe auch: Handreichung: Die Rechtsextremisten sagen…, Die NPD: Eine Handreichung zu Programm, Struktur, Personal und Hintergründen, Interne Schulungsbroschüre der NPD veröffentlicht